+
Demonstranten gehen in Äthiopien auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren.

Regierungskritische Proteste

Ausschreitungen nach Massenpanik mit 52 Toten in Äthiopien

Bishoftu - Ein Religionsfest wird zur Todeszone: Nach Zusammenstößen mit der Polizei bricht eine Massenpanik aus. Dutzende Menschen sterben. Noch im Oktober wird Kanzlerin Merkel in Äthiopien erwartet. Wie stabil ist das Land?

Nach einer Massenpanik mit Dutzenden Toten ist es in Äthiopien erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Hunderte Menschen gingen am Montag in mehreren Städten der Region Oroma gegen Polizeigewalt auf die Straße. Zu Beginn der dreitägigen Staatstrauer für die Opfer vom Sonntag stießen Demonstranten erneut mit Sicherheitskräften zusammen, die mit Tränengas gegen sie vorging.

Bei einer Massenpanik nach regierungskritischen Protesten waren am Sonntag in Bishoftu mindestes 52 Menschen ums Leben gekommen. Eine religiöse Zeremonie in der Stadt rund 45 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba wurde Schauplatz von Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Örtlichen Behörden zufolge wurden dabei mindestens 52 Menschen getötet. Die Opposition sprach sogar von Hunderten Todesopfern.

Die örtlichen Behörden teilten am Montag mit, dass keiner der Todesfälle durch Schüsse verursacht worden sei. Manch einer, der am Sonntag die Massenpanik verursacht habe, wolle jetzt die Gewalt weiterführen, sagte der Behördensprecher Fikadu Tessema.

Zu den Feierlichkeiten sollen mindestens zwei Millionen Menschen zusammengekommen sein. Das „Irreechaa“ in Oromo entspricht etwa dem Erntedankfest.

Augenzeugen berichteten, dass Teilnehmer Steine auf Sicherheitskräfte geworfen und Parolen gegen die Regierung gerufen hätten. Die Polizei setzte Tränengas ein und schoss mit scharfer Munition in die Luft. Bei dem Versuch, dem darauf folgenden Chaos zu entkommen, fielen Menschen in Straßengräben oder sprangen in einen nahegelegen Fluss und ertranken. Zahlreiche Verletzte wurden in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht.

Bereits in den vergangenen Monaten war es bei Demonstrationen gegen die Regierung zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Die Unruhen begannen im November 2015, als die Regierung neue Bauprojekte um Addis Abeba ankündigte. Die Menschen in Oromo demonstrieren dagegen. Kritiker befürchten, das Vorhaben werde zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region führen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei brutal niedergeschlagenen Protesten bis Juni mindestens 400 Menschen getötet.

Äthiopien liegt am Horn von Afrika und gilt als einer der ärmsten Staaten der Welt. In dem Land leben etwa 100 Million Menschen. Demonstrationen werden regelmäßig von der autoritären Regierung unterdrückt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bricht am kommenden Sonntag zu einer dreitägigen Afrikareise auf. Dabei soll es hauptsächlich um Flucht und Migration gehen. Die Kanzlerin will auch Gespräche in Äthiopien führen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte, dort müsse Merkel „Klartext zur dramatischen Menschenrechtslage sprechen“. Fast jeden Monat werde ein neuer Massenmord von Sicherheitskräften an Demonstranten verübt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Obama gewährt Whistleblowerin Manning Strafnachlass
Washingzon - Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt.
Obama gewährt Whistleblowerin Manning Strafnachlass
Trump lobt auf Twitter die falsche Ivanka
Washington - Donald Trump twittert sehr viel, und da kann man sich schon mal irren. Jetzt verwechselte er seine eigene Tochter mit einer wildfremden Frau - und die …
Trump lobt auf Twitter die falsche Ivanka
Tajani ist neuer EU-Parlamentspräsident
Straßburg - Es war eine lange Prozedur. Aber am Ende setzte sich bei der Wahl zum neuen Präsidenten des Europaparlaments der Favorit durch. Für die Europäische …
Tajani ist neuer EU-Parlamentspräsident
Wegen Ukraine-Konflikts: Kiew verklagt Moskau
Kiew - Die Ukraine hat Russland vor dem Internationalen Gerichtshof wegen der aktiven Unterstützung von prorussischen Separatisten auf Entschädigung verklagt.
Wegen Ukraine-Konflikts: Kiew verklagt Moskau

Kommentare