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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kommentar zu aktuellen Wahlumfragen

Mehrheit für Union und FDP: Auf die Köpfe kommt es an

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Zwischen den Bürgern und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kam es zum Bruch. Union und FDP sind dagegen im Aufwind, weil sie mit Personen punkten. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Menschen wählen nicht Parteiprogramme. Sondern Menschen, denen sie vertrauen. Martin Schulz gehört offenbar nicht (mehr) dazu: Die vielen Merkel-Müden, die sich ihm zu Beginn des Wahljahres so euphorisch zuwandten, sind längst über alle Berge. Zurück bleibt eine ratlose SPD. Dabei ist gar nicht so schwer zu ergründen, warum der mit Höchstgeschwindigkeit rasende Schulz-Zug so spektakulär entgleiste: Zum Vertrauensbruch kam es, als die Bürger merkten, dass da einer Gerechtigkeit für den kleinen Mann predigt, der sich selbst und seinem Umfeld in Brüssel recht ungeniert die Taschen gefüllt hatte. Damit war – abzulesen an dem riesigen Widerhall, den die Thematik gerade im Internet fand – das Wahlkampfschwert „Gerechtigkeit“ für die SPD und ihren Kandidaten stumpf geworden.

Auch die überraschende Wiederauferstehung des 2013 für immer und ewig totgesagten Projekts Schwarz-Gelb gründet weniger im Programmatischen (da müsste sich die CDU viel anhören von ihren Stammwählern) als vielmehr in den Personen: FDP-Chef Christian Lindner, sein CSU-Kollege Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die dominierenden politischen Figuren dieser Zeit. Grüne, Linke und AfD mit ihren teilweise zerstrittenen Doppel- und Mehrfachspitzen fallen dagegen ab. Vor allem die Kanzlerin hat sich aus ihrem Stimmungstief herausgekämpft. Alles, was sie dafür tun musste, war abzuwarten, bis sich mit Donald Trump und Martin Schulz die beiden politischen Gegenentwürfe zum Merkelismus selbst entzaubert hatten. Die Kanzlerin sollte dies als verdiente Anerkennung für ihre uneitle und unbestechliche Art zu regieren begreifen – und nicht in verspätete Wählerzustimmung für eine zeitweise völlig aus dem Ruder gelaufene Asylpolitik umzudeuten versuchen.

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