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Bayerns Vize-Ministerpräsident Martin Zeil

Interview mit Martin Zeil

„Meine Präferenz liegt bei Rainer Brüderle“

München - Bayerns Vize-Ministerpräsident Martin Zeil sitzt im Bundesvorstand der FDP. Der Münchner Merkur sprach gestern Abend mit dem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Herbst.

Rekordergebnis für die FDP in Niedersachsen: Ist der Rösler-Sturz nun abgeblasen?

Philipp Rösler ist auf jeden Fall in seiner Position als Bundesvorsitzender gestärkt. Jetzt muss er am Montag in den Gremien vorschlagen, wie es weitergeht. Da reden wir nicht über den Sturz von irgendjemandem, sondern über die optimale Aufstellung für die Bundestagswahl.

Hat er das also doch wieder selbst in der Hand?

Er muss einen Vorschlag machen. Das kann er nach dem heutigen Wahlsieg mit größerer Gelassenheit tun.

Muss es denn noch schnell gehen, mit einem vorgezogenen Parteitag?

Einiges spricht dafür. Ich bin insgesamt dafür, dass schnell Klarheit geschaffen wird.

Gerade Bayerns Liberale stehen Rösler sehr skeptisch gegenüber. Müssen Sie ihn jetzt aus Parteidisziplin wieder mögen?

Es geht ja nicht ums Mögen, sondern darum, an welcher Stelle wer das Beste geben kann.

Wäre denn Rösler jetzt plötzlich wieder der beste Spitzenkandidat für die Bundestagswahl?

Das muss man sehen. Ich habe immer klar gesagt: Meine Präferenz liegt bei Rainer Brüderle, was die Spitzenkandidatur angeht. Der Fraktionsvorsitzende ist dafür sehr geeignet. Ich werde meine Auffassung dazu in den Gremien klar sagen.

Offenbar haben in Niedersachsen etliche Unions-Wähler taktisch liberal gewählt. Ist es hart, auf Mitleid der Wettbewerber angewiesen zu sein?

Mitleid? Das ist die falsche Kategorie. Die Wähler entscheiden selbst. Das niedersächsische Ergebnis ist ein klares Signal: Die Leute wollen Schwarz-Gelb. Aber die Bindungskraft der Parteien wird von Wahl zu Wahl geringer, die Leute entscheiden sich immer neu. Da kommt es nicht darauf an, ob jemand seit 50 Jahren FDP wählt oder zum ersten Mal.

In Bayern wird Ihr Koalitionspartner Seehofer doch mit Zähnen und Klauen jede Leihstimme an die Liberalen verhindern!

Wir haben in Bayern eine andere Situation: Die Regierung liegt weit vor der zerstrittenen Opposition. Deswegen wird es in Bayern hauptsächlich darum gehen, dass wir unseren FDP-Anteil an den Erfolgen der Regierung herausstellen. Dass wir klarmachen: Diese Koalition, keine Alleinregierung, ist ein Erfolgsmodell für Bayern.

Auch in Niedersachsen lagen die Demoskopen krachend daneben. Können Sie jetzt über jede neue 3-Prozent-Umfrage in Bayern herzlich lachen?

Ich habe Umfragen noch nie geglaubt. Ich weiß, wie die einzuordnen sind. Und es ist keine gute Zeit für die Demoskopen, wenn sich die Wähler immer später entscheiden.

Interview: cd

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