„Beachtliche Ähnlichkeiten“

Melania Trump sieht sich nach Kapitol-Sturm als Opfer: Ihr Statement wirft dann aber völlig neue Fragen auf

  • Andreas Schmid
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  • Anna-Katharina Ahnefeld
    Anna-Katharina Ahnefeld
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Nach der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar hörte man von First Lady Melania Trump: Nichts. Nun meldete sie sich erstmals zu Wort. Mit Worten, die an jemand ganz anderen erinnern.

  • Am 6. Januar erstürmte ein gewaltbereiter rechter Mob das US-amerikanische Kapitol und sorgte für Verwüstung.
  • In den vergangenen Tagen war es still um First Lady Melania Trump, obwohl viele auf eine Reaktion der Ehefrau Donald Trumps warteten.
  • Nun hat sie sich einem Schreiben über das Weiße Haus zu Wort gemeldet. Doch auf Twitter wird sie sofort attackiert.

Update vom 13. Januar 2021: Melania Trump brach vor kurzem ihr Schweigen zu den Angriffen auf das Kapitol. Die (Noch-) First Lady der USA versuchte dabei auch, sich als Opfer der Ereignisse darzustellen, sprach von „ungerechtfertigten persönlichen Angriffen und falschen, irreführenden Anschuldigungen.“ Sie sei „enttäuscht und entmutigt über das, was letzte Woche passiert ist“ (siehe Erstmeldung). Wer das Statement der gebürtigen Slowenin aufmerksam gelesen hat, dem kamen Aussagen wie diese bereits bekannt vor.

Denn es sieht ganz danach aus, als hätte Melania Trump abgeschrieben – und zwar bei sich selbst. Die CNN-Journalistin Kate Bennett erkannte „beachtliche Ähnlichkeiten“ zwischen dem Schreiben und einem älteren Statement von einem Parteitag der Republikaner aus dem August.

Mehrere Absätze enthielten demnach fast gleiche Passagen, einer sei sogar komplett identisch. „Der rote Faden in all diesen herausfordernden Situationen ist die unerschütterliche Entschlossenheit der Amerikaner, sich gegenseitig zu helfen.“ 

Aus „Es war inspirierend zu sehen, was die Menschen unserer großartigen Nation füreinander tun, besonders wenn wir am zerbrechlichsten sind“ wurde „es war inspirierend, aus erster Hand mitzuerleben, was die Menschen unserer großartigen Nation füreinander tun, besonders wenn wir am verletzlichsten sind.“ Damals wie heute möchte Melania Trump „die Bürger dieses Landes dazu aufrufen, sich einen Moment Zeit zu nehmen, innezuhalten und die Dinge aus allen Perspektiven zu betrachten.“

Melania Trump sah sich daraufhin in sozialen Medien mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würde ihre Statements nicht selbst verfassen. Andernfalls hätte sie die Kopie doch gemerkt, heißt es. Klar ist nach dem Schreiben derweil, dass die 50-Jährige wohl besser andere Worte gewählt hätte - dann stünde auch die Message des Textes im Vordergrund und nicht etwaige „Plagiatsvorwürfe“.

Melania Trump: Statement nach Kapitol-Sturm lässt tief blicken - „enttäuscht und niedergeschlagen“

Erstmeldung vom 11. Januar 2021: Washington, D.C. - Nun, fünf Tage nach den gewaltsamen Ausschreitungen bei der Stürmung des Kapitols, meldet sich Melania Trump zu Wort. Sie bricht damit ihr Schweigen, das sie bislang zu den Ereignissen umgab. „Ich bin enttäuscht und entmutigt über das, was letzte Woche passiert ist“, heißt es in der Mitteilung. Darin drückt sie auch ihr Beileid für die Familien derer aus, die im Zusammenhang mit der Erstürmung des Kapitols ums Leben kamen. Sie nennt die fünf Toten beim Namen. Darunter auch den Kapitol-Polizisten Howard Liebengood, der wenige Tage nach dem Gewalt-Akt im Kapitol Suizid* beging.

„Der Weg nach vorne“ - steht als Überschrift der Pressemitteilung der First Lady geschrieben. Die Wortwahl erinnert an jemand ganz anderen: Joe Biden. Der gewählte US-Präsident verkündete nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2020 in seiner Rede: „Dies ist die Zeit, um in Amerika zu heilen.“ Ab dem 20. Januar wird Joe Biden die Aufgabe zukommen, diese zutiefst verwundete Nation zu regieren.

US-Wahl 2020: Melania Trump geht auf Angriffe gegen ihre Person an - Mögliche Reaktion auf Ex-Beraterin

„Es ist erbaulich zu sehen, dass so viele eine Leidenschaft und Begeisterung für die Teilnahme an einer Wahl gefunden haben, aber wir dürfen nicht zulassen, dass Leidenschaft in Gewalt umschlägt. Unser Weg nach vorne besteht darin, unsere Gemeinsamkeiten zu finden und die freundlichen und starken Menschen zu sein, von denen ich weiß, dass wir es sind.“

In einer weiteren Passage geht sie auf „anzüglichen Klatsch, ungerechtfertigte persönliche Angriffe und falsche, irreführende Anschuldigungen“, die es gegen sie gegeben habe, ein. Es handele sich ihr zufolge um Menschen, „die relevant sein wollen und eine Agenda“ haben. Eine Reaktion auf ihre Ex-Vertraute Stephanie Winston Wolkoff?

First Lady Melania Trump meldet sich erstmals wieder: Twitter-Community reagiert sofort auf ihre Botschaft

„Unsere Nation muss auf zivile Art und Weise heilen“, so Melania Trump. „Ich verurteile uneingeschränkt die Gewalt, die am Kapitol unserer Nation stattgefunden hat. Gewalt ist niemals zulässig.“ Am Ende der Mitteilung des Weißen Hauses, geht sie auf ihre Rolle als First Lady ein und bedankt sich: „Es war die Ehre meines Lebens, als Ihre First Lady zu dienen.“

Nutzer:innen auf Twitter reagierten auf das getwitterte Statement sofort. „Ich kann es kaum erwarten, dass Dr. Jill Biden Klasse, Würde und Respekt als First Lady zurückbringt“, heißt es in einem Tweet. Manche bedanken sich aber auch bei ihr und Ehemann Donald Trump: „Ihr Mann ist der größte Präsident in meinem Leben.“ Eine weitere Nutzerin tweetet: „Nein, wir beginnen zuerst mit Verantwortlichkeit und Gerechtigkeit! Beginnen Sie mit Ihrem Mann, der diese Terroristen aufhetzte!“ (aka) * Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.

Rubriklistenbild: © Saul Loeb/AFP

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