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Hält sich nicht mehr länger im Hintergrund: Melania Trump gibt ihrem Mann inzwischen offen Kontra. 

Novität in der Präsidenten-Geschichte

Melania gegen Donald Trump: Die First Lady der USA als Widerstandskämpferin

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Wer kann US-Präsident Donald Trump in seiner verbalen Zerstörungswut bremsen? Offenbar hat es sich First Lady Melania Trump zur Aufgabe gemacht, ihrem Gatten Kontra zu geben.

Washington – Melania Trump ahnte das sich anbahnende Fiasko, doch stoppen konnte sie es nicht. Mit einer beispiellosen Tirade nahm sich ihr Ehemann in dieser Woche die gefeuerte afro-amerikanische Mitarbeiterin Omarosa Newman vor. Abschaum sei sie, hetzte er, und ein „Hund“ – ein Begriff, der vor allem unter Farbigen als übles Schimpfwort und rassistische Erniedrigung empfunden wird. Doch der Präsident ließ seinen Emotionen freien Lauf, nachdem Omarosa in ihrem am Dienstag veröffentlichten Buch auch behauptet hat: Trump habe früher das „N“-Wort, also „Nigger“, benutzt und sei durch und durch ein lügender Rassist.

Der Informationsdienst Axios berichtet nun, Melania Trump habe mit leitenden Beamten den Präsidenten praktisch angefleht, kühl zu bleiben und der Autorin nicht noch mehr Publizität zu geben. Doch Trump scheint auch auf seine Frau nicht mehr zu hören, die kräftig gegensteuert. Weil dies kaum mehr Wirkung entfaltet, hat sich das frühere Model offensichtlich dazu entschieden, öffentlich Gegenpositionen gegen die mächtige Stimme im Oval Office zu beziehen – eine Novität in der Präsidenten-Geschichte der First Ladies.

Laura Bush konzentrierte sich darauf, die Lesefähigkeit der Kinder im Land zu verbessern. Michelle Obama machte sich in ihren acht Jahren als erste Dame der Nation Fitness und gesunde Ernährung für Amerikas gerne übergewichtige Jugend zur Aufgabe. Melania Trump hat ebenfalls eine Kampagne gestartet, die unter der Devise „Be Best“ („Sei der Beste“) vor Drogenmissbrauch warnt und zu verantwortungsvollem Umgang mit den sozialen Medien aufruft.

Melania Trump lobt LeBron James nach Spott ihres Mannes

Ihr öffentliches Erscheinungsbild ist das einer Widerstandskämpferin, um einen außer Rand und Band geratenen Ehemann zu bremsen. Wie im Fall des Basketball-Superstars Lebron James. Nachdem der derzeit beste Spieler der Profiliga NBA in einem CNN-Interview dem Präsidenten eine „spaltende Politik“ vorgeworfen hatte, konnte Donald Trump auch hier nicht an sich halten. In seiner Twitter-Botschaft schrieb der Präsident: „Lebron James wurde soeben vom dümmsten Mann im Fernsehen, Don Lemon, interviewt. Dieser ließ Lebron klug aussehen, was keine einfache Aufgabe ist.“

Gerade unter Afro-Amerikanern wurde die Attacke als direkter Angriff auf die intellektuellen Fähigkeiten des Sportlers gesehen. Zur Verteidigung fand sich die First Lady bereit. Kurz nach dem Twitter-Ausbruch des Gatten stellte sie mit Blick auf eine von James geförderte Schule im Bundesstaat Ohio perfekt getimt auf CNN fest: Es sehe so aus, als ob Lebron Gutes für die nächste Generation tue.

Kurios ist, dass sich die First Lady bei ihrer „Be Best“-Initiative auch intensiv den Gefahren des Cyber-Mobbing widmet – denn ausgerechnet der Präsident lässt ja keinen Kritiker und Gegner bei seinen Online-Ausbrüchen ungeschoren. Donald Trump könnte momentan als weltweit größter und einflussreichster Cyber-Mobber gelten – doch Melania arbeitet dieser Agenda bewusst entgegen.

Kraftvoll kontern: Diese Devise galt für die First Lady auch, als der Präsident und seine Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen die Trennung von Migranten-Familien und die unmenschliche Kasernierung von Kindern verteidigten. „Frau Trump hasst es, Kinder von ihren Familien getrennt zu sehen“, ließ sie ausrichten. Den Seitenhieb gegen den Gatten verstärkte sie durch einen medienwirksamen Besuch in einem Internierungslager in Texas.

Melania Trump sendet mit Spruch auf Jacke versteckte Botschaft

Dass sie bei dieser Kurzreise eine Jacke mit der Aufschrift „Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“ trug, wird von Kritikern des Präsidenten als Rebellion gegenüber der Politik des Weißen Hauses gesehen. Kein Wunder, dass sich angesichts dieser regelmäßig wiederkehrenden Opposition auch die Spekulationen um den Zustand der Ehe des Präsidentenpaares häufen. Trump-Nemesis Omarosa Newman jedenfalls glaubt von ihrer Zeit im Weißen Haus zu wissen, dass Melania es nicht abwarten könne, die Scheidung nach dem Ende der Amtszeit ihre Gatten einzureichen.

Auf einer Auslandsreise mit US-Präsidenten Donald Trump sorgteMelania Trump mit einer kleinen, aber deutlichen Geste unter dem Hashtag #Handgate im Netz für Schlagzeilen.

Verfolgen Sie hier, den

News-Ticker aus dem Weißen Haus

Friedemann Diederichs

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