+
Seit April demonstrieren die Menschen für einen Rücktritt des Präsidenten und dessen Ehefrau. Foto: Carlos Herrera

Seit Monaten Proteste

Immer mehr Opfer von Gewalt in Nicaragua

Die Unruhen in Nicaragua fordern immer mehr Todesopfer. Menschenrechtler sprechen inzwischen von mehr als 300 Toten - auch Kinder sind längst nicht mehr in Sicherheit.

Managua/Juigalpa (dpa) - Bei den vor mehr als zwei Monaten begonnenen gewalttätigen Auseinandersetzungen in Nicaragua sind Menschenrechtlern zufolge bereits 309 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Opfern handele es sich um 297 Zivilisten und 12 Polizisten.

Das teilte die Menschenrechtsvereinigung des lateinamerikanischen Landes (ANPDH) mit. Ende Juni war noch von 285 Todesopfern die Rede gewesen. Zudem seien 1500 Menschen verletzt worden, sagte der Direktor der Organisation, Alvaro Leiva. Mehr als 150 gelten demnach als vermisst. Der Großteil der Opfer sei bei Protesten erschossen worden. Die meisten Opfer habe es im Verwaltungsgebiet um die Hauptstadt Managua gegeben.

Das Land kommt seit Mitte April nicht zur Ruhe. Der autoritäre Präsident Daniel Ortega wollte damals eine Sozialreform durchsetzen, die Bevölkerung protestierte jedoch gegen die Änderung - mit Erfolg. Ortega zog die Reform zurück, seither demonstrieren die Menschen jedoch für einen Rücktritt des Präsidenten und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Polizisten und regierungsnahe Schlägertrupps greifen die Demonstranten regelmäßig an. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Unruhen bisher 47 Menschen getötet.

Wegen schwerer Ausschreitungen in der unmittelbaren Umgebung eines SOS-Kinderdorfs evakuierte die Hilfsorganisation eine Einrichtung in Juigalpa im Zentrum des Landes. Alle 38 Kinder sowie die Mitarbeiter seien in eine sichere Unterkunft gebracht worden, teilte Benito Rivas, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Nicaragua, am Mittwoch mit. Die Gewalt habe die Kinder verstört, einige müssten psychologisch betreut werden. "Was in unserem Land passiert, ist eine Tragödie."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Venezuela: Oppositionsführer erklärt sich zum Präsidenten
Der junge Parlamentschef Guaidó wagt den offenen Machtkampf mit Präsident Maduro in Venezuela. Unterstützt wird er von US-Präsident Trump, der Maduro zum Abdanken …
Venezuela: Oppositionsführer erklärt sich zum Präsidenten
Trump darf für Rede nicht ins Abgeordnetenhaus
Das politische Ränkespiel rund um den Shutdown in Washington treibt immer neue Blüten. Derweil müssen 800 000 Menschen zusehen, wie sie sie sich und ihre Familien …
Trump darf für Rede nicht ins Abgeordnetenhaus
Venezuela bricht diplomatische Beziehungen zu USA ab - weil Trump Präsidenten anerkannte?
Oppositionsführer Juan Guaidó erklärte sich zum Übergangspräsidenten Venezuelas. US-Präsident Donald Trump erkannte ihn schon wenige Minuten später an.
Venezuela bricht diplomatische Beziehungen zu USA ab - weil Trump Präsidenten anerkannte?
Trump beharrt auf Rede im Repräsentantenhaus - doch Top-Demokratin sperrt ihn aus
US-Präsident Donald Trump will seine Rede zur Lage der Nation im Repräsentantenhaus halten. Demokratin Nany Pelosi macht nun von ihrem Hausrecht Gebrauch.
Trump beharrt auf Rede im Repräsentantenhaus - doch Top-Demokratin sperrt ihn aus

Kommentare