Angela Merkel bei Anne Will
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Kanzlerin Angela Merkel bei Anne Will.

Reaktionen aus dem Netz

Merkel watscht Laschet bei „Anne Will“ öffentlich ab - Zuschauer deuten sofort Laschets Zukunft

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Merkel bei „Anne Will“: Das kommt nicht oft vor. Doch das Corona-Krisenmanagement der Regierung steckt selbst in der Krise. Merkel sucht das Scheinwerferlicht. Ein paar Reaktionen.

Berlin - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) denkt darüber nach, welche Maßnahmen sie demnächst ergreifen kann, sollten die Bundesländer die Notbremse und die Corona-Gipfel-Beschlüsse nicht zeitnah umsetzen. So lässt sich die Hauptaussage des „Anne Will“-Talks mit der Kanzlerin am Sonntagabend zusammenfassen. Sie hat den Ministerpräsidenten die Leviten gelesen, sie hat an die Ministerpräsidenten Watschen verteilt, sie sucht Wege - so kann man den Abend auch interpretieren.

Angela Merkel bei „Anne Will“: Söder unterstützt die Kanzlerin bei Initiative auf nationaler Ebene

Als erster Politiker direkt im Anschluss an das Gespräch meldete sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu Wort. In den ARD- „Tagesthemen“ sollte er auf das Gespräch reagieren. Söder zeigte sich erwartungsgemäß auf einer Linie mit der Kanzlerin. „Wenn die Kanzlerin die Initiative ergreifen würde, eine Initiative auf nationaler Ebene, Recht zu ändern und klare Vorgaben zu machen, hätte sie meine Unterstützung“, sagte er etwa. Merkel brachte zuvor ins Spiel, konkretere Maßnahmen im Infektionsschutzgesetz niederzuschreiben, woran sich die Länder dann auch halten müssten.

„Es bringt nichts, sich beispielsweise auf einer neuen Konferenz zusammenzusetzen und zu lamentieren, sich auszutauschen und am Ende dann doch wieder das zu tun, was jeder für richtig hält“, sagte Söder außerdem. Merkel und er wollen zeitnah keine weitere MPK, sondern beide drängen darauf, die nun zur Verfügung stehenden Instrumente auch konsequent umzusetzen. Das heißt: weitere Kontaktbeschränkungen, nächtliche Ausgangsbeschränkungen, häufigeres Masketragen.

Corona in Deutschland: Konsequente Umsetzung der Maßnahmen - das fordert nicht nur Kanzlerin Merkel

Auch Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, sieht keine Notwendigkeit für eine schnelle weitere Ministerpräsidentenkonferenz. „Wir müssen das, was möglich ist, anwenden“, sagte er im ARD-“Morgenmagazin“. Er fordert im Einklang mit der Kanzlerin Konsequenz.

Zu Ausgangssperren sagt er hingegen: „Ich finde, das ist ein wirklich hartes Mittel, das man nur im äußersten Notfall anwenden soll. Aber da wo die Zahlen so hoch sind, da muss man das dann auch schlicht machen.“ Er ist damit gegen deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Kanzlerin das will“, fügt er hinzu.

Merkel hatte angekündigt, notfalls beispielsweise mithilfe des Infektionsschutzgesetzes mehr einheitliche Regeln durchzusetzen. Auf die Frage, ob die Linke das mittragen würde, sagte Bartsch: „Das kommt wirklich auf das Konkrete an.“ Er befürchtet: „Ich hab nur die Sorge, dass es wieder mal eine verbale Ankündigung gibt.“

Merkel kritisiert Länder: Ministerpräsident Ramelow ärgert sich über die „Tonart“

Der haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Otto Fricke, kritisierte im „Inforadio“ des rbb weitere bundesweite harte Lockdown-Maßnahmen. Stattdessen seien Einschränkungen vor allem dort ortsbezogen nötig, wo die Zahlen hoch sind und ein diffuses Infektionsgeschehen sichtbar wird. Er kritisiert zudem „Ministerpräsidenten, die sich gerne hinter dieser Ministerpräsidentenkonferenz verstecken.“ Stattdessen wünscht er sich: „Es bedarf einer Führung, im Zweifel durch den Bund, aber dann muss man das auch klar durchziehen und dann hätte man vielleicht früher das Parlament fragen und diskutieren müssen, damit man die Gesetzänderungen hat.“

Thüringens Ministerpräsident Ramelow wurde gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland deutlich. Er sei es „wirklich leid, mir anhören zu müssen, was man hätte tun müssen, aber selbst tatsächlich nichts getan hat“. Er unterstütze die Kanzlerin bei einheitlichen Regeln für Deutschland, ärgere sich „ein bisschen über die Tonart“.

Merkel bei „Anne Will“: „Egal, wie schlecht du geschlafen hast: Herr Laschet hat‘s noch schlechter“

Zwar musste Anne Will nachhaken, um eine spezifische Antwort von Merkel zu bekommen, auf die Frage: „Verstößt Laschet gegen die Vereinbarungen?“ am Ende gelang es ihr, ein „Ja“ zu entlocken. Heißt: NRW setzte in den Augen von Merkel die Notbremse nicht konsequent genug auf. „Aber er ist da nicht der Einzige“, schiebt die Kanzlerin hinterher.

„Man konnte gestern deutlich merken, was sie von Laschet hält. Liegt zwischen wenig und nichts“, lautete daraufhin eine Reaktion auf Twitter. „Wenn das so weiter geht, muss man sich ja ernsthaft fragen, ob Laschet überhaupt bis September CDU-Vorsitzender bleibt. Geschweige denn Kanzlerkandidat...“, schreibt ein anderer Nutzer.

„Egal, wie schlecht du geschlafen hast: Herr Laschet hat‘s noch schlechter“, reiht sich als Kommentar an. Für den CDU-Chef und möglichen Kanzlerkandidaten könnte dieses Interview noch Folgen haben. Denn: „Merkel stellt nach guten Nachfragen von Anne Will fest, dass Laschet gegen die vereinbarten Beschlüsse verstößt. Für einen, der Kanzler werden will, eher suboptimal“, heißt es von Journalist Patrick Gensing auf Twitter. „Das ganze Interview ist eine Ohrfeige für NRW“, deutet ein anderer.

Angela Merkel bei Anne Will

Zu Tweet der CDU Deutschlands: „Hat der Parteivorsitzende das abgezeichnet?“

Außerdem entdeckten ein paar Nutzer einen Tweet der CDU Deutschlands, in dem ein Zitat der Kanzlerin bei Anne Will auftaucht: „Die Bundesländer müssen die Maßnahmen, die wir gemeinsam in der MPK beschlossen haben, mit großer Ernsthaftigkeit einhalten. Wir sind verpflichtet, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Öffnen ist nicht das Gebot der Stunde“, heißt es dort. Manche User finden das nach Merkels Laschet-Watschn besonders komisch: „Der Parteivorsitzende Armin Laschet wird vom eigenen Parteiaccount getrollt“, schreibt jemand. „Hat der Parteivorsitzende das abgezeichnet?“, fragt ein anderer.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen verteidigte unter anderem Parteichef und NRW-Ministerpräsident Laschet am Montag in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums seine Maßnahmen. Er bekannte sich demnach klar zu mehr Tests als Instrument in der Krise. Er habe betont, dass es in Nordrhein-Westfalen eine landesweite „Notbremse“ gebe.

Merkel bei „Anne Will“: „Ich habe sie noch nie so unsicher, so ratlos erlebt.“

Manche Zuschauer erzürnte während des Gesprächs bei Anne Will, dass Merkel immer wieder sagte „sie denke noch darüber nach“ oder „schaue sich das noch an“. Zwar stellte sie auch klar: „Ich werde jetzt nicht tatenlos 14 Tage zusehen und es passiert nichts, was eine Trendumkehr verspricht.“ Doch vielen Usern reicht das nicht. „Merkel sagt bei Anne Will, dass man in einer Demokratie Kompromisse machen muss. Das Virus versteht keine Kompromisse. Bei den vielen unfähigen Ministerpräsidenten muss sofort gehandelt werden zu unserem Schutz. Jeder Tag länger warten kostet Menschenleben“, schreibt jemand. Die Journalistin Vanessa Vu meint: „Angela Merkel spricht bei Anne Will ständig von ‚Zeit zum Nachdenken‘, und das ist ja erstmal sympathisch, aber wir hatten schon über ein Jahr Zeit zum Nachdenken, erdrückende Studien, um uns herum inspirierende und abschreckende Fallbeispiele. Worauf sollen wir denn noch warten?“

Journalist Stephan Lamby zeigt sich erstaunt über Merkels Wirkung an diesem Abend: „Ich beobachte Angela Merkel seit über 20 Jahren. Ich habe sie noch nie so unsicher, so ratlos erlebt.“ (cibo)

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