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Merkel zieht Bilanz und räumt Fehler ein: „Darüber bin ich nach wie vor traurig“

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Angela Merkel bei der Ernennung der Mitglieder des künftigen Bundeskabinetts durch den Bundespräsidenten in Schloss Bell
16 Jahre Angela Merkel: Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach die Kanzlerin nun über ihre Amtszeit (Archivbild). © Eventpress Golejewski / Imago

In einem ausführlichen Abschiedsgespräch mit der Süddeutschen Zeitung zog Angela Merkel nun Bilanz zu ihrer Kanzlerschaft und räumte dabei auch Fehler ein. Wie es in Zukunft genau weitergehe, wisse sie noch nicht.

Berlin - Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel gab der Süddeutschen Zeitung ihr erstes Interview seit der Bundestagswahl im September. Sie zog Bilanz über ihre 16 Jahre als Bundeskanzlerin, gab Fehler zu und sprach von ihrem „schwächsten Moment in der Pandemiebekämpfung“.

Angela Merkel über die Vergangenheit und die Zukunft

Angela Merkel gibt die Macht freiwillig ab. Schon 2018 trat sie vom CDU-Parteivorsitz zurück und kündigte an, bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr kandidieren zu wohlen. Nun ist es bald soweit: Nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin steht das Ende ihrer politischen Laufbahn kurz bevor. Die Kanzlerin nimmt das gelassen und blickt positiv auf ihre Amtszeit zurück: „Ich weiß, was wir geschafft haben in den Regierungen, die ich geführt habe“, sagte sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Alles, was ich getan habe, habe ich mit Blick auf das Notwendige getan, für die Gegenwart und natürlich auch weil solche Entscheidungen für die Zukunft halten sollen.“

Auch eine künftige SPD-geführte Regierung mache ihr keine Sorgen. Es werde zwar politische Unterschiede geben, aber sie „könne ruhig schlafen.“ Der Klimaschutz bleibe ein wichtiges Thema für die Zukunft. Was sie nach ihrem letzten Arbeitstag machen werde, wisse sie noch nicht. Doch ihr Mann Joachim Sauer habe keine Sorge, dass sie bald nur zu Hause herumsitzen werde: „Erstens hat er selbst genug zu tun, und zweitens habe ich mich noch nie dadurch ausgezeichnet, nur zu Hause rumzusitzen.“

Angela Merkel: Das war der schwächste Moment der Pandemiebekämpfung

Die Bundeskanzlerin äußerte jedoch auch Bedauern. Die Corona-Krise und die damit verbundenen, schwierigen Entscheidungen habe sie sich nicht gewünscht. „Dass ich die Kanzlerin bin, die dafür Verantwortung trägt, dass zum ersten Mal in der Nachkriegszeit Kinder über längere Zeit nicht zur Schule gehen können. Dass solche Beschränkungen eingeführt werden mussten, überstieg auch nach den vorherigen krisenhaften Entwicklungen, die ich zu begleiten hatte, mein Vorstellungsvermögen. Trotzdem musste es bewältigt werden“, so Merkel.

Die Politikerin räumt auch Fehler ein. So sprach sie beispielsweise von ihrem „schwächsten Moment der Pandemiebekämpfung“: „Über eine Phase bin ich nach wie vor traurig: Das war Weihnachten vorigen Jahres. Damals waren die Tests vorhanden. Und dennoch wurde in den Alten-und Pflegeheimen zu wenig getestet. Ich habe noch persönlich versucht, das um Weihnachten herum in Telefongesprächen mit örtlich Verantwortlichen zu forcieren.“ Man habe kostenlose Tests bereitgestellt und Personalkosten übernommen. Dennoch habe es zu lange gedauert, bis die Maßnahmen in Pflegeheimen umgesetzt waren.

Von vielen anderen Politikern bekommt Angela Merkel ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sagte, stets einen „unerbittlichen“ moralischen Kompass bewiesen. EU-Politiker würdigten Merkel ebenfalls, sie sei eine „Kompromissmaschine“.

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