Nach Wahl-Schlappe

Historiker nimmt CDU auseinander: „Die Partei muss sich jetzt von Merkel lösen“

  • Philipp Fischer
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Sechs Monate vor der Bundestagswahl befindet sich die CDU in einer Abwärtsspirale. Professor Andreas Rödder meint, dass sich die CDU von Angela Merkel lösen muss.

Berlin - Zwei verlorene Landtagswahlen, Korruptionsskandale und schlechtes Corona-Management - Die CDU sieht sich im Moment mit mehren handfesten Krisen konfrontiert. Armin Laschet konnte bisher wenig dazu beitragen, um die CDU auf einen neuen Weg zu bringen. Andreas Rödder Professor für Neueste Geschichte in Mainz und CDU-Mitglied meint in einem Gastbeitrag für die Bild, dass die Partei „laufen lernen [muss] - und zwar ohne Merkel“.

Nach Landtagswahlen: CDU ohne starkes Zugpferd

Der CDU fehlt aktuell ein starkes Zugpferd. Naturgemäß würde zwar der Parteichef die Kanzlerkandidatur übernehmen, doch Armin Laschet hat bis heute noch nicht die K-Frage beantwortet. Andreas Rödder meint hierzu, dass Laschet „sich aus Merkels Schatten lösen muss. Er muss sagen, wofür die Partei steht und wo er mit ihr hin möchte – so, wie er es als CDU-Landeschef in NRW und Ministerpräsident in den vergangenen Jahren getan hat“. Auf Landesebene sei das Laschet bereits gelungen.

Laschet hat jetzt die Chance als Krisenmanager zu glänzen oder an den vielen Problemen der CDU zu verzweifeln. Rödder ist der Meinung, dass sich die CDU an einem ähnlichen Scheidepunkt befindet wie damals nach der Ära Kohl. Zum damaligen Zeitpunkt forderte die ehemalige CDU-Generalsekretärin Angela Merkel von ihren Parteikollegen, dass sie sich von Helmut Kohl trennen und „laufen lernen, sich zutrauen, in Zukunft ohne ihr altes Schlachtross“. Das Gleiche müsse nach Rödder jetzt auch geschehen.

Nach verlorenen Landtagswahlen: Armin Laschet unter Druck

Auch einflussreiche CDU-Politiker wie Thomas de Maizière sehen dringenden Handlungsbedarf. In der Talkshow bei Anne Will am Sonntag beklagte de Maizière die vielen Probleme der CDU „Jetzt müssen Scherben eingesammelt werden. Wir haben ein Riesen-Vertrauensproblem mit Blick auf die Maskenaffäre“. De Maizière findet, dass ein weiteres Problem der CDU die unklaren Inhalte sind „Dass es nicht so weitergehen kann wie bisher, ist klar. Dass die Inhalte klarer werden müssen, ist auch klar“. Auch Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht die Situation kritisch. Über die Pandemie-Strategie „müssen wir in den nächsten Tagen dringend sprechen“, sagte Kretschmer. Außerdem seien die Landtagswahlen Ausdruck der Unzufriedenheit „Wir haben Dinge zu klären“.

Doch bevor sich Laschet als Krisenmanager behaupten kann, muss er sich erstmal in der Kanzler-Frage gegen den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder durchsetzen. Am Montag gab Laschet ein Statement zu der Wahlniederlage und der K-Frage. Auf der Pressekonferenz erklärte, dass die Frage zwischen Osten und Pfingsten entschieden werden soll. (phf)

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber/dpa/AP POOL

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