Anders, aber wie?

Merkels Satz der Hoffnung: „Der Frühling 2021 wird anders sein“ - Spahn wagt andere Frühjahrsprognose

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Dranbleiben, hoffen: Deutschland kämpft weiter gegen Corona. Die warmen Jahresmonate stehen vor der Tür. Merkel gibt sich optimistisch.

Berlin - Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Jedes Jahr wieder. Meteorologisch befindet sich Deutschland nun schon im zweiten Corona-Frühling. Aber statt zurzeit mit Freunden auf der Wiese sitzend die Krokusse und Schneeglöckchen zu bestaunen, soll jede und jeder so oft es geht zuhause verweilen. Denn mit einer möglichen dritten Welle droht auch der nächste Frühlings-Lockdown.

Doch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte nach dem Corona-Gipfel etwas Hoffnung zu verbreiten. „Der Frühling 2021 wird anders sein als der Frühling vor einem Jahr.“ Ihre Vorhersage stützt Merkel auf zwei entscheidende Unterschiede: mehrere Impfstoffe und eine Bandbreite an Corona-Tests, die nun zur Verfügung stehen - zumindest theoretisch. Bund und Länder richten dafür eine umstrittene Taskforce ein.

Merkels Frühlings-Hoffnung: Die Erfolge dürften nicht verspielt werden

Deutschland habe die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen können, trotz Mutanten verzeichnet das Land tägliche Infektionszahlen, „die im europäischen Vergleich zu den niedrigeren gehören“, sagte Merkel. Zugleich betonte sie, dass Öffnungsschritte die Entwicklung nicht gefährden dürften. Es gebe in Europa Beispiele einer dramatischen dritten Welle. „Diese Gefahr besteht auch für uns“, sagte die Kanzlerin.

Und dann würde der Frühling maßnahmentechnisch allen bekannt vorkommen. Zur Erinnerung: Die Frühlingsmonate 2020 waren Corona-bedingt sehr dunkel. Anfang März meldeten Bundesländer ihre ersten Fälle, Fotos von Hamsterkäufen und leeren Regalen fluteten die Medien. Am 22. März einigten sich Bund und Länder dann auf strenge Kontaktbeschränkungen. Um Ostern blieben viele zuhause, statt sich mit ihrer Familie zu treffen. Erst Ende April gab es wieder erste Lockerungen. Die Diskussionen darum zogen sich durch den Mai.

Kanzlerin Angela Merkel: Test und Impfungen sollen der Schlüssel für ein anderes Frühjahr 2021 sein.

Ostern ist dieses Jahr schon Anfang April, also in rund einem Monat. Zurzeit stagnieren die Corona-Zahlen vielerorts, mancherorts steigen sie schon. Weitere Öffnungsschritte ab dem 8. März müssen also abgewartet werden, um deren Auswirkungen zu beziffern. Um das Osterfest herum könne Deutschland „eine schöne Zeit“ haben oder „im nächsten Lockdown“ hocken, meinte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon Mittwochnacht.

Corona in Deutschland: Intensivmediziner warnen vor Lockerungen - Spahn ebenfalls mit Frühlings-Hoffnung

Und Experten warnten bereits vor den Bund-Länder-Beratungen eindringlich vor Lockerungen, die nun aber schrittweise und je nach Inzidenzwert in den Landkreisen kommen. „Wir fordern eine Fortführung der Lockdown-Maßnahmen bis zum 1. April“, sagte DIVI-Chef Gernot Marx etwa bei einer Videoschalte. „Sonst wird die dritte Welle nur sehr schwer oder überhaupt nicht beherrschbar sein.“ Das DIVI-Prognose-Modell macht je nach Entwicklung teils schlimme Prognosen. Der Frühling 2021 wäre dann insofern anders, als dass er unter Umständen mit Fällen und Todeszahlen noch schlimmer werden könnte.

Um solche Szenarien zu verhindern, wird die Politik weiter abwägen müssen, was geht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ließ am Donnerstag im Bundestag ebenfalls einen Frühjahrs-Satz fallen: „Alles spricht dafür, dass das das letzte Frühjahr in dieser Pandemie wird.“ Deutschland hofft, dass seine Einschätzung richtig ist. (cibo)

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