„Wirtschaftliche und soziale Totalschäden“

Wegen Corona-Management: CDU-Politiker wettert plötzlich gegen Merkel - Ein Satz wiegt schwer

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Berlins Ex-Innensenator macht sich im Lockdown auf Social Media Luft. Ein Vorwurf des CDU-Politikers an die GroKo betrifft den Corona-Inzidenz-Wert.

Berlin - 2016 war der damalige Innensenator von Berlin, Frank Henkel, noch ganz angetan von Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU). Zumindest legen das Archivbilder nahe. Eine Legislaturperiode und eine Pandemie später wettert er auf Facebook gegen seine Parteikollegin: „Wir werden das Land schon schaffen!“

Eine Anspielung auf Merkels berühmten Satz während der Flüchtlings-Krise 2015, nur eben gegen sie gewendet. Seine Tirade, auf welche die Bild zuerst aufmerksam wurde, beginnt mit: „Vergessen wir, dass die Ansteckungsmeldungen sinken, vergessen wir die gescheiterte Impfstrategie der Bundesregierung, vor allem aber vergessen wir die Hoffnung auf eine Beendigung des Lockdowns.“

CDU-Politikers wettert gegen Merkel: „Inzidenzwert ist willkürlich gewählt“

Der Grund für seinen Frust über Bund und Land ist offensichtlich. Selbst die Berliner CDU warne inzwischen, dass die politische Zielmarke von einer 50er-Inzidenz ein „falscher Hoffnungswert“ sei. „Also dann - weiter so! Verlängern wir den Lockdown am besten gleich bis zur Landtags- und Bundestagswahl“, schreibt er. Ironie aus. Im Folgenden Henkels Post im Ganzen:

Im Gespräch mit der Bild lieferte der CDU-Politiker schließlich ein bisschen mehr Kontext für seine Wutrede: „Dieser Inzidenzwert, die Zahl 50 ist doch willkürlich gewählt“, glaubt er. „Und so schafft man auch keine Öffnungsperspektive für die Menschen und Unternehmer, die seit Monaten in die Röhre gucken.“ Sein Fazit: „Bleibt es beim Hammer-Lockdown, will ich mir die wirtschaftlichen und sozialen Totalschäden gar nicht ausmalen.“

Corona-Lockdown In Deutschland: Umfrage deutet Unzufriedenheit mit CDU/CSU an

Weder auf Facebook, noch im Bild-Bericht kam heraus, welche innere Uhr Henkel in Bezug auf die Corona-Maßnahmen hat. Vor den Bund-Länder-Beratungen am 10. Februar zeichnet sich jedenfalls eine Verlängerung bis Ende des Monats ab. Auch SPD-Politiker Karl Lauterbach warnte gegenüber Merkur.de: „Der Lockerungsspielraum liegt eigentlich bei null.“

Es muss die Corona-Müdigkeit bei Henkel sein, dass er mit seiner eigenen Partei so unzufrieden ist. Und tatsächlich ist die CDU/CSU laut „Insa-Meinungstrend“ (für die Bild) gerade auf den niedrigsten Wert seit November 2020 gesackt: 34,5 Prozent, minus zwei Punkte. Rechnerisch weiterhin möglich wäre damit weiterhin eine GroKo aus Union und SPD (zusammen 50,5 Prozent sowie eine Koalition aus Union und Grünen (zusammen 52 Prozent). Bei der Bundestagswahl 2021, die Henkel in der Pandemie vor Augen hat.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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