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Streeck greift Merkels Corona-Kurs an und gibt Ausblick für März und den Sommer

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Von: Michelle Brey

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Er ist einer der Virologen in der Coronavirus-Pandemie: Hendrik Streeck. In einem Interview erklärte er nun ein Problem der Pandemie und warf einen Blick in die Zukunft.

München - Seit dem 2. November 2020 befindet sich Deutschland ununterbrochen im Lockdown: Geschlossene Geschäfte, beschränkte Kontakte, hohe Inzidenzzahlen, die zuletzt auf ein niedrigeres Niveau sanken als noch im Januar oder gar Dezember. Doch jetzt stagniert der Sinkflug schon wieder, die dritte Welle scheint im Anmarsch.

Wenn am 3. März der nächste Corona-Gipfel stattfindet, werden die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein weiteres Mal entscheiden müssen, wie es weitergeht. Ein Ende des Lockdowns scheint jedoch vorerst außer Sichtweite, Lockerungen stehen zumindest im Raum. Doch die Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen bereitet Grund zur Sorge. Nicht zuletzt war es Angela Merkel, die von einer „dritten Welle“ sprach. Indes kritisierte Virologe Hendrik Streeck die Vorgehensweise der Regierung. Wird nicht vorausschauend genug geplant?

Virologe Streeck kritisiert Vorgehensweise der Regierung: „Das ist gefährlich“

Streeck spricht sich zwar für Stufenpläne aus, die sich am aktuellen Infektionsgeschehen orientieren, die Kritik bezieht jedoch auf einen anderen Punkt. „Das Problem, das ich im Augenblick in vielen Bereichen sehe: Wir leben nur im Jetzt, anstatt unsere Zukunft zu planen“, sagte der Virologe focus.de. „Das ist gefährlich“, fuhr er fort. „Viel wichtiger wäre es, jetzt schon über den Herbst 2021 nachzudenken. Die Beratungsgremien sollten jetzt schon Langzeitstrategien entwickeln, statt sich von Lockdown zu Lockdown zu hangeln.“

Doch wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Spätestens im März würden die Zahlen wieder steigen, so Streecks Prognose. Im Mai und über den Sommer hingegen würden die Fallzahlen auf einem niedrigen Niveau bleiben. „Und das jedes Jahr aufs Neue. Eine Dauerwelle, die aber in ihren absoluten Zahlen ausgedrückt über die Jahre nicht nur niedriger wird, sondern auch weniger gefährlich.“

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sprach Streeck davon, dass das Virus heimisch werden würde, „wie alle anderen vier Coronaviren“.

Corona-Experte Streeck: Infektionszahlen „irgendwann weniger relevant“

Auf lange Sicht würden die Infektionszahlen „irgendwann weniger relevant“ werden. Anhand derer wird beispielsweise die Sieben-Tages-Inzidenz errechnet, die als Richtwert hinsichtlich Verschärfungen und Lockerungen gilt. „Langfristig wird die Frage in den Vordergrund rücken, ob jemand an Covid-19 erkrankt ist“, so der Virologe gegenüber focus.de

Letztlich müsse man andere Parameter in Betracht ziehen. So nennt Streeck beispielsweise die stationäre und die intensivmedizinische Belegung sowie das Alter der Infizierten und den Impfstatus. Doch hierfür brauche man „feste Warnmaker“. Ein weiterer Kritikpunkt, denn bislang wurde „nicht abgesteckt, wo genau und in welchem Maße wir Probleme mit Kapazitäten haben“.

Im Januar hatte Streeck bei Sandra Maischberger in der ARD-Talkshow einen sogenannten „Stresstest wie bei den Banken“ ins Gespräch gebracht. Der Vorschlag stieß auf Kritik. Im Interview mit focus.de erklärte er, dass ein solcher Test Menschenleben retten könne. „Es geht darum herauszufinden, wann ein Gesundheitssystem überlastet ist und bei welcher Belegung kritische Grenzen erreicht sind.“ Hintergrund sei es nicht, das Gesundheitssystem tatsächlich zu stressen - sondern das System mittels Computersimulation zu testen und letztlich zu analysieren.

Virologe Streeck: Weg vom Glauben, „dass wir jede potenzielle Infektion unterbinden können“

Bagatellisieren wolle er das Coronavirus nicht, dennoch müsse man von dem Glauben wegkommen, „dass wir jede potenzielle Infektion unterbinden können. Das wird uns vielleicht im Sommer gelingen, aber nicht im Winter.“ (mbr)

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