+
"Es ist eine Phase des Zuhörens, des Verstehens, des Voneinanderlernens, um die natürlich neue Balance innerhalb einer Europäischen Union der 27 auch richtig verstehen zu können und entwickeln zu können", sagte Merkel bei einem Besuch in Estland. Foto: Valda Kalnina

Merkel diskutiert in Estland Zukunft der EU nach dem Brexit

Die zweite Station ihrer Europa-Tour führt Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Nordosten Europas. In Estland drehen sich die Gespräche um die Zukunft Europas - ohne Großbritannien.

Tallinn (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Europa nach dem Brexit-Votum nicht am Ende. Trotz der Entscheidung Großbritanniens zum EU-Austritt wollten die verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten das Projekt Europa fortführen, sagte Merkel bei einem Besuch in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

Es gehe nun darum, eine gute Agenda für die nächsten Monaten zu beschließen, um die "Schlagkraft und Stärke der EU deutlich werden zu lassen", sagte sie nach einem Treffen mit ihrem estnischen Amtskollegen Taavi Rõivas.

Merkels zweitägiger Besuch in Estland dient der Vorbereitung auf den im September geplanten EU-Sondergipfel der 27 EU-Staaten ohne Großbritannien. Dazu wird die Bundeskanzlerin auf ihrer Europa-Tour in dieser Woche auch nach Tschechien und Polen reisen.

"Es ist eine Phase des Zuhörens, des Verstehens, des Voneinanderlernens, um die natürlich neue Balance innerhalb einer Europäischen Union der 27 auch richtig verstehen zu können und entwickeln zu können", sagte Merkel. Deutschland tue gut daran, anderen zuhören. Sie verneinte, dass sie mit ihrer Initiative die Rolle der EU übernehme.

Rõivas unterstützte Merkels Linie und befürwortete eine zentrale Rolle Berlins in der EU. "In der Zeit, wo Europa unter Krisen leidet und vor wichtigen Entscheidungen steht, brauchen wir meiner Meinung nach ein Europa, das mehr wie Deutschland aussieht", sagte er. 

Merkel versicherte dem an Russland grenzenden Nato-Staat Estland sicherheitspolitischen Beistand und die Umsetzung der Beschlüsse des Nato-Gipfels von Warschau. Der Baltenstaat sorgt sich angesichts der Ukrainekrise um seine Sicherheit.

Nach der Pressekonferenz besuchte Merkel gemeinsam mit ihrem Gastgeber den Tallinner Dom. Dort erwarteten sie einige Anhänger einer rechtskonservativen Parlamentspartei, die gegen die deutsche Flüchtlingspolitik demonstrierten. Zuvor hatten sie bereits die vorbeifahrende Wagenkolonne des deutschen Gastes ausgepfiffen. 

Am Donnerstag will Merkel mit Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves zusammenkommen. Die Bundeskanzlerin will sich zudem über estnische Lösungen im Bereich der digitalen Verwaltung informieren und eine Rede zum Thema Digitalisierung halten. 

Estnische Regierung zu Merkel-Besuch

Auswärtiges Amt zu Estland

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Ukraine-Konflikts: Kiew verklagt Moskau
Kiew - Die Ukraine hat Russland vor dem Internationalen Gerichtshof wegen der aktiven Unterstützung von prorussischen Separatisten auf Entschädigung verklagt.
Wegen Ukraine-Konflikts: Kiew verklagt Moskau
Brexit: May will klaren Bruch mit der EU
London - Die Rede der britischen Premierministerin Theresa May fing gemäßigt an - dann der Paukenschlag. Großbritannien verlässt nicht nur die EU, sondern auch den …
Brexit: May will klaren Bruch mit der EU
Termin für Bundestagswahl steht so gut wie fest
Berlin - Fast alle Bundestagsparteien und Bundesländer sind für den letzten September-Sonntag als Termin für die Wahl. Nur Berlin nicht. Denn dann ist in der Hauptstadt …
Termin für Bundestagswahl steht so gut wie fest
Dutzende Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager
Abuja - Das nigerianische Militär kämpft im Nordosten gegen die Terrorgruppe Boko Haram. Nun hat ein Luftangriff versehentlich ein dicht besiedeltes Flüchtlingslager …
Dutzende Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager

Kommentare