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Angela Merkel bei ihrer Rede auf dem „Petersberger Klimadialog in Berlin“.

Auch Deutschland in der Pflicht

Merkel erinnert USA: Sind beim Klimaschutz „Schicksalsgemeinschaft“

Angela Merkel betont auf dem „Petersberger Klimadialog“, dass das Schicksal der USA und Europa in Sachen Klimaschutz eng verknüpft ist. Auch Deutschland nimmt die Kanzlerin in die Pflicht.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit Blick auf die USA vor einem Ermüden im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel gewarnt. „Wir haften füreinander, wir sind eine Schicksalsgemeinschaft“, sagte Merkel am Dienstag beim Petersberger Klimadialog in Berlin. Es bleibe noch viel zu tun, um die Verpflichtungen des Pariser Weltklimavertrags zur Begrenzung der Erderwärmung umzusetzen: „Jetzt kommt die Probe aufs Exempel.“

Ohne die USA direkt beim Namen zu nennen - Merkel sprach aber vom „Elefant im Raum“ - sagte sie: „Wir können eine vernetzte Welt nicht infrage stellen.“ Sie werde während der deutschen G20-Präsidentschaft versuchen, auch Zweifler der Klimaveränderung zu überzeugen. „Da bleibt immer wieder Arbeit“, sagte Merkel. Es sei aber ratsam, klug und zurückhaltend mit Washington zu verhandeln. Weltweit gibt es Befürchtungen, US-Präsident Donald Trump könnte aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen.

„Schnelles Handeln ist unabdingbar“

Außerdem betonte die Bundeskanzlerin die Wichtigkeit von schnellem Handeln. "Schnelles Handeln ist unabdingbar", sagte Merkel mit Blick auf besonders verwundbare Staaten wie zum Beispiel die Fidschi-Inseln. Notwendig sei dafür ein "globales Bündnis aller Staaten".

Merkel räumte ein, dass auch Deutschland noch zu den Staaten mit einem hohen Ausstoß an Treibhausgasen gehöre. "Desto größer ist unsere Verantwortung für ein Umsteuern", sagte die Kanzlerin. Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2016 sei ein wichtiger Erfolg gewesen. "Jetzt müssen auch die entsprechenden Schritte folgen", fügte sie aber hinzu.

Auch Deutschland muss sich wandeln, so Merkel

Mit Blick auf Deutschland bekräftigte Merkel die Verpflichtung, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 zu senken. Bei der Umsetzung seien allerdings auch hierzulande "noch eine ganze Menge Detaildiskussionen zu führen". So müsse der Umstieg auf eine klimafreundliche Wirtschaft auch "technologieoffen und kosteneffizient" erfolgen.

Vor dem Veranstaltungsort nahe des Brandenburger Tors in Berlin demonstrierten am Morgen Greenpeace-Aktivisten für einen zügigen Kohleausstieg. Sie warfen Merkel in diesem Zusammenhang eine "Blockade" vor. Die Kanzlerin äußerte sich in ihrer Rede zu dieser Frage nicht. Auch das heikle Thema Elektromobilität klammerte sie aus, wo Deutschland derzeit weit hinter den selbstgesteckten Zielen hinterherhinkt.

Am Petersberger Klimadialog nahmen am Montag und Dienstag Minister und andere hochrangige Vertreter aus rund 35 Staaten teil. Bei den informellen Gesprächen ging es darum, die UN-Klimakonferenz im November vorzubereiten und den Anstrengungen für mehr Klimaschutz neuen Schwung zu geben.

Die Fidschi-Inseln der Gastgeber in Bonn

Die UN-Klimakonferenz wird in diesem Jahr von den Fidschi-Inseln ausgerichtet, findet aus organisatorischen Gründen aber am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn statt. Dabei steht die Umsetzung des Pariser Abkommens im Mittelpunkt, das die Erderwärmung auf unter zwei Grad, möglichst aber auf nicht mehr als 1,5 Grad begrenzen soll.

Der Premierminister der Fidschi-Inseln, Josaia Voreqe Bainimarama, verwies in seiner Rede auf Unsicherheiten wegen des künftigen Verhaltens der USA beim Klimaschutz. Er sprach in seiner Rede von "dem Elefanten im Raum". Mit Blick auf die besondere Gefährdung seines Inselstaats durch den steigenden Meeresspiegel drängte er zugleich auf "entschlossene Maßnahmen".

dpa

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