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Angela Merkel suchte beim vierten Bürgerdialog "Gut leben in Deutschland" in Nürnberg wieder den Kontakt mit der Bevölkerung.

Kanzlerin trifft Bürger in Nürnberg

Merkel zur Flüchtlingskrise: "Es läuft alles andere als perfekt"

Nürnberg - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für mehr Kontakte zwischen Deutschen und Flüchtlingen geworben, um mehr Verständnis für beide Seiten zu schaffen. Bei einem Bürgertreffen machte sie auch kritische Anmerkungen.

"Wir müssen alles daran setzen, die Mitte, die Deutschland so stark macht und die auch tolerant ist, zu erhalten", sagte Merkel am Montag bei einem Treffen mit Bürgern in Nürnberg. Sie plädiere deswegen für "möglichst viele Begegnungen", um keine Vorurteile aufkommen zu lassen.

Merkel sagte, sie verstehe angesichts der hohen Flüchtlingszahlen und damit verbundenen Ängsten bei vielen Menschen die Sorge, dass die gesellschaftliche Mitte in Deutschland verloren gehen könne. Gegen radikale Asylgegner wie die Pegida-Bewegung müsse mit "aller Macht" gearbeitet werden. Zum nicht nachlassenden Flüchtlingsandrang sagte die Kanzlerin: "Ja, es sind sehr, sehr viele. Aber wir sind 80 Millionen". Und: "Wir können und werden diese Integration schaffen."

Merkel sagte aber auch unter Verweis auf das Grundgesetz und in Deutschland geltende Werte, den Zufluchtsuchenden solle vom ersten Tag an deutlich gemacht werden "ihr seid willkommen, aber das ist an Regeln gebunden". Ansonsten gebe es "böses Blut", wenn nicht gleiches Recht für alle gelte.

Keine europäische Regelung zur Verteilung

Die Regierungschefin räumte ein, dass die Bewältigung der Flüchtlingskrise "im Moment alles andere als perfekt" laufe. Sie verwies unter anderem auf eine fehlende europäische Regelung zur Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union. Merkels Flüchtlingspolitik sorgt auch in den Reihen ihrer eigenen Partei für wachsenden Unmut. In Umfragen nahmen die Zustimmungswerte für die Union zuletzt offenbar unter dem Eindruck der hohen Flüchtlingszahlen ab. Merkels Auftritt in Nürnberg war der vierte und letzte in einer Reihe von Bürgerdialogen zum Thema "Gut leben in Deutschland". Gut 60 Bürger sollten zwei Stunden lang mit der Kanzlerin diskutieren. Die Bundesregierung hatte die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, um mit Bürgern über Lebensqualität in Deutschland zu sprechen.

AFP

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