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Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Vorgänger Gerhard Schröder der Vorstellung der neuen Biografie über Schröder.

Merkel stellt Biographie des Altkanzlers vor

Schröder: Krampfadern, Kuchen und ein "Kult-Auftritt"

Berlin - Zehn Jahre ist es her, dass sich Gerhard Schröder über Angela Merkel lustig gemacht hat. Nun stellt die Kanzlerin ein Buch über ihn vor. Ein Abend über Krampfadern, ein Kuchen und Erinnerungen an einen "Kult-Auftritt".

Es ist dieser Abend vor fast genau zehn Jahren, an dem sich die politischen Wege von Gerhard Schröder und Angela Merkel schicksalhaft überschnitten: Aufgeputscht von seinem unerwartet guten Wahlergebnis erklärt Noch-Bundeskanzler Gerhard Schröder am Wahlabend im September 2005 der Fernsehnation, dass es eine große Koalition zwischen seiner SPD und der Union nur mit ihm als Regierungschef geben werde. Die CDU-Spitzenkandidatin Merkel hört zu - und weiß, dass trotz nur einem Prozentpunkt Vorsprung ihre Stunde gekommen ist.

Merkel wird Regierungschefin, Schröder beendet seine politische Karriere nach sieben Jahren im Kanzleramt. An diesem Dienstag sitzen beide vor Dutzenden Hauptstadtjournalisten und erinnern sich: Merkel hat es übernommen, die Schröder-Biographie des Historikers Gregor Schöllgen zu präsentieren - auch wenn die Kanzlerin einräumen muss, bislang nicht jede der mehr als 1000 Seiten gelesen zu haben.

"Ich war dankbar, dass viele einen größeren Drang zu sprechen hatten als ich", beschreibt Merkel mit einem Lächeln den denkwürdigen Abend vor zehn Jahren, an dem ihre Kanzlerschaft ihren Anfang nahm. Darüber muss auch Schröder lachen: "Das war ebenso lustvoll wie suboptimal", sagt er über seinen testosterongeladenen Auftritt in der "Elefantenrunde". Inzwischen könne er verstehen, warum die Sendung zum "Kult" geworden sei.

Schröder und Merkel sind zwei Politiker, wie sie auf den ersten Blick nicht verschiedener sein könnten: Auf der einen Seite der aus ärmlichen Familienverhältnissen stammende Nordrhein-Westfale Schröder, ein Instinktpolitiker und Sozialdemokrat mit Stallgeruch und gleichzeitigem Hang zu teuren Zigarren. Auf der anderen Seite die ostdeutsche Pfarrerstochter, studierte Physikerin und abwägende Politikerin Merkel, die sich nach der Wiedervereinigung in der westdeutschen Männerpartei CDU durchsetzt.

Auf den zweiten Blick jedoch, darauf weist Schröder selber hin, haben ihre Lebenswege Parallelen: "An meiner Wiege wurde mit Sicherheit nicht gesungen, dass ich Bundeskanzler werden würde, aber an Ihrer auch nicht", sagt der 71-Jährige an Merkel gerichtet. Beide hätten sie von einer Offenheit der deutschen Gesellschaft profitiert. "Man sollte dafür sorgen, dass vor allem Bildungspolitik so angelegt wird, dass es allen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern möglich ist, aufzusteigen."

Merkel hebt den "Pragmatismus" Schröders hervor, mit dem der damalige niedersächsische Ministerpräsident in den 90er Jahren ihr als Umweltministerin mal auf die Nerven ging, ihr aber als Verbündeter im Bundesrat auch mal zugute kam. Die Kanzlerin zollt dem "begnadeten Wahlkämpfer", dem "Reformer" und dem über den zweiten Bildungsweg gekommenen "Aufsteiger" Respekt. Scherzhaft erinnert sie aber auch daran, dass Schröder bei der Musterung Krampfadern attestiert wurden.

Der Altkanzler hört lächelnd zu. Er ist gerührt, wenn er selbst über seine alleinerziehende Mutter Erika spricht, "die in ihrem Leben kaum Liebe erfahren hat, aber eine Fähigkeit hatte, Liebe zurückzugeben ihren Kindern gegenüber, die ich als einmalig empfunden habe". Schröders Vater Fritz ist nur wenige Monate nach dessen Geburt im Krieg gestorben, ohne seinen Sohn je gesehen zu haben. Dass sein Vater einmal für den Diebstahl von Essen und Kleidung verurteilt wurde, hat Schröder erst durch die Recherchen seines Biographen Schöllgen erfahren.

Gemeinsam erinnern sich Merkel und Schröder an die Amtsübergabe im Kanzleramt: Der scheidende Schröder wollte seinen Blumenstrauß schnell wieder loswerden, "also hatte ich plötzlich zwei in der Hand", berichtet Merkel. "Aber im Büro stand ein Kuchen, das fand ich ganz toll."

afp

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