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Merkel-Rückkehr? Merz schlägt ungewohnte Töne an

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Unter dem Schriftzug „Besser für die Menschen“ stellen der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel am Montag (03.11.2003) in Berlin während einer Pressekonferenz das Konzept für eine Steuerreform vor. Die CDU billigte zuvor das umfangreiche Papier bei der Sitzung ihrer Spitzengremien.
In einem Interview betonte der künftige CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, er wolle in Zukunft weiter eine Bindung zwischen der Partei und Angela Merkel sehen. © Stephanie Pilick/picture-alliance/dpa/dpaweb

Der künftige CDU-Vorsitzende Friedrich Merz deutete an, Angela Merkel in Zukunft weiter einbinden zu wollen. Bahnt sich eine Rückkehr der ehemaligen Kanzlerin an?

Berlin/München - 16 Jahre lang hat Angela Merkel (CDU) Deutschland als Bundeskanzlerin geführt. Nach der Bundestagswahl 2021 wurde sie vom neuen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) abgelöst und hat so ihre lange und intensive politische Karriere beendet. Merkels letzte Fraktionssitzung lief offenbar emotional, immerhin fungierte sie 18 Jahre lang als CDU-Parteichefin. Eine 30-jährige Zugehörigkeit gehe für sie zu Ende, betonte sie.

Eine Mitgliederbefragung zeigt nun: Künftig soll die Partei von Friedrich Merz geleitet werden. In der Befragung setzte sich Merz gegen die anderen Kandidaten Helge Braun und Norbert Röttgen durch. Das Verhältnis zwischen Merkel und Merz war nicht einfach, sondern lange zerrüttet. Jetzt kommen aber versöhnliche Töne vom künftigen CDU-Chef, die fast schon ein erneutes Erscheinen von Merkel auf der politischen Bühne bedeuten könnten.

Merz würdigt Arbeit von Altkanzlerin Merkel: Künftiger CDU-Chef will sie einbinden - „völlig unterschätzt“

Merz deutete an, Merkel während seiner Amtszeit eventuell einbinden zu wollen. „Ich würde mich freuen, wenn Angela Merkel und die CDU auch in Zukunft beieinander bleiben, an mir wird es jedenfalls nicht scheitern“, sagte Merz im Interview mit dem Spiegel. Er wolle zu allen seinen lebenden vier Vorgängern „ein gutes Verhältnis“ haben. „Der anständige Umgang miteinander“, so Merz, sei Teil der Partei-DNA. Ihm zufolge war das Binnenklima in der CDU zuletzt schwierig. Jetzt wolle er es verbessern.

Die ungewohnten Töne von Merz gegenüber Merkel gingen sogar noch einen Schritt weiter. Er würdigte ihre Arbeit. Die Partei habe Merkel „völlig unterschätzt“, sagte der künftige Vorsitzende dem Spiegel und fügte hinzu, ihre Beiträge seien nicht genug gewürdigt worden. „Schauen Sie sich mal unsere Führung vor gut 20 Jahren an: Kohl, Schäuble, Rühe, Koch, Wulff, Müller. Frauen haben in der Führung damals praktisch keine Rolle gespielt“, unterstrich Merz. „Ganz klar“ sei Merkel in dieser Hinsicht ein „frauenpolitischer Schrittmacher“ gewesen.

Merz als Kritiker von Merkel: Er warf Mangel an „politischer Führung“ vor - wollte frühes Ende der Ära-Merkel

Die versöhnlichen Töne des künftigen CDU-Vorsitzenden sind deshalb sehr ungewohnt und eine Überraschung, da Merz die ehemalige Kanzlerin in der Vergangenheit immer teils schwer kritisiert hat. Vielleicht entschärft sich das schwierige Verhältnis auch nur deswegen, da die Ära-Merkel jetzt vorbei ist und Merz selber im Vordergrund steht, doch Fakt ist: Er schoss oft gegen sie.

Nach historisch schlechten Wahlergebnissen für sowohl die CDU als auch die SPD bei der 2019 Landtagswahl in Thüringen sah er Kanzlerin Angela Merkel in der Verantwortung. Die Ergebnisse seien „ein großes Misstrauensvotum“ gegen die Große Koalition, sagte er damals. Merz warf Merkel „Untätigkeit“ und einen Mangel an „politischer Führung und klaren Aussagen“ vor. Er plädierte im Zuge dieser Kritik sogar für ein vorzeitiges Ende der Kanzlerschaft von Merkel. „Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass diese Art des Regierens in Deutschland noch zwei Jahre dauert“, hieß es zu der Zeit von Merz.

Erst vor einem Jahr hatte er Merkel dafür kritisiert, den Staat in „die Rolle eines Rückversicherers für alle gesellschaftlichen Risiken“ gedrängt zu haben und ihre Krisenpolitik ins Visier genommen. Sie habe die Union zwar „solide und skandalfrei“ durch die Jahre geführt, doch ein „weiter so“ dürfe es nicht geben, hob er hervor. Mit den jüngsten Aussagen von Merz deutet sich nun ein Wandel im Verhältnis mit Merkel an. (bb)

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