Die Mutter des belarussischen Regimekritikers Roman Protassewitsch weint
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Die Mutter des belarussischen Regimekritikers Roman Protassewitsch ist voller Sorge um ihren Sohn.

Weißrussischer Regimekritiker

„Bitte stoppen Sie Lukaschenko!“ - Protassewitschs Mutter richtet flehentlichen Appell an Merkel

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
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In Belarus sitzt Regierungskritiker Roman Protassewitsch seit Wochen in Haft. Seine Eltern sind verzweifelt. Sie bitten Kanzlerin Angela Merkel um Hilfe.

München - Die Verzweiflung bei den Eltern des inhaftierten Roman Protassewitsch ist groß. Seit rund drei Wochen sitzt der belarussische Regimekritiker in Haft. Am 23. Mai hatten Behörden seines Heimatlandes eine Ryanair-Passagiermaschine mit Protassewitsch an Bord zur Zwischenlandung gezwungen. Das Flugzeug war auf dem Weg von Athen nach Vilnius, musste aber in Minsk außerplanmäßig landen.

Anschließend wurden sowohl Protassewitsch als auch dessen Freundin Sofia Sapega festgenommen. Nun appelliert die Mutter des Bloggers an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin solle sich für die Freilassung ihres Sohnes und anderer Inhaftierter im Land des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko einsetzen.

Belarus: Mutter von Protassewitsch bittet Kanzlerin Merkel um Hilfe für ihren Sohn

„Wir bitten Sie sehr, uns zu helfen, damit alle Unschuldigen aus den Gefängnissen freikommen. Sie brauchen dringend Hilfe, weil sie täglich Sadismus und Gewalt ausgesetzt sind“, wandte sich Natalia Protassewitsch in einem Interview mit der Bild an Kanzlerin Merkel (CDU). „Bitte stoppen Sie Lukaschenko! Jeder weitere Tag, nein, jede weitere Stunde, die vergeht, kostet Unschuldige, darunter Kinder, das Leben.“

Die Eltern des inhaftierten Regierungskritikers mussten schon vor rund zehn Monaten Belarus verlassen. „Uns wurde klargemacht, dass wir wegen der Arbeit unseres Sohnes festgenommen werden. Wir mussten deswegen am 17. August nachts unsere Sachen zusammenpacken und verließen das Land“, schilderte Vater Dmitri Protassewitsch. „Wir mussten unsere geliebte Heimat verlassen und das, obwohl wir uns nie politisch betätigt haben. Ich war sogar noch bis 2019 beim Militär.“ Inzwischen halten sie sich in Polen auf.

Der Kontakt zu ihrem Sohn werde ihnen verwehrt, erklärte er weiter. „Die Briefe, die wir Roman seit seiner Entführung schickten, werden ihm nicht zugestellt. Auch seine Anwältin kann mit uns nicht frei am Telefon reden“, sagte Dmitri Protassewitsch.

Belarus: Vater von Roman Protassewitsch erkennt „deutliche Folterspuren“

Die Fotos und Videos von Roman Protassewitsch aus der Haft, die von der belarussischen Regierung verbreitet wurden, bereiten dessen Vater Sorgen. Man sehe „deutliche Folterspuren: Seine Nase ist schief. Sie ist wahrscheinlich gebrochen. Am Hals hat er blaue Flecken. Eine Expertin sagte uns, dass das Würgemale seien.“

Die EU hatte bereits unmittelbar nach der Verhaftung von Roman Protassewitsch Sanktionen gegen Belarus verhängt. Das Europäische Parlament forderte am Donnerstag (10. Juni), zusätzliche Strafmaßnahmen gegen das Land zu ergreifen. Die sollen sich unter anderem gegen Industriesparten wie die Rohölverarbeitung richten. Zudem gilt seit 5. Juni ein Flugverbot für belarussische Fluggesellschaften über EU-Luftraum. Zeichen des Einlenkens aus Minsk blieben allerdings bislang aus. (kh)

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