Markus Söder und Angela Merkel bei einer Pressekonferenz, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

Kommentar zum Corona-Gipfel

Söder und die Kanzlerin haben das Gespür verloren: Das Ende der Ära Merkel wirft dunkle Schatten voraus

  • Georg Anastasiadis
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Einen steilen Höhenflug erlebten CDU und CSU im vergangenen Jahr wegen ihres Corona-Krisenmanagements. Doch der Wind hat sich gedreht. Ein Kommentar.

München - Jahrhundertkrisen sind, so zynisch es klingt, in der Politik auch Jahrhundertchancen: Die Neugeburt von CDU und CSU als vitale Volksparteien im ersten Corona-Frühling spiegelte das wachsende Vertrauen der Bürger in die Union und ihre Krisenmanager Merkel, Spahn und Söder wider. Diese Wahrnehmung hat sich mit dem Impfmurks drastisch verändert. Von ihrem Juni-Umfragehoch bei 40 Prozent hat sich die Union längst wieder verabschiedet. Neue Erhebungen sehen CDU und CSU bei nur noch 33 Prozent. Tendenz weiter fallend.

Auffällig sind die aus dem Kanzleramt gesteuerten Versuche, Spahn die Sündenbock-Rolle zuzuweisen. Der überehrgeizige Minister hat es durch Ungeschicklichkeiten seinen Gegnern leicht gemacht. Doch klar ist auch: Die großen Entscheidungen, die zur jüngsten Talfahrt der Unionsparteien führten – vor allem das Impfversagen und das zu lange Festhalten an einem beinharten Lockdown ohne Öffnungsperspektive – sind nicht im Gesundheitsministerium getroffen worden. Das Gespür für die Gefühlslage der Menschen hat man andernorts verloren, im Kanzleramt und auch in München, und es ist fraglich, ob die am Mittwoch vereinbarten Lockerungen und die neue Schnellteststrategie reichen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Corona-Krise in Deutschland: Ende der Ära Merkel wirft dunkle Schatten voraus

Die CSU wird zusätzlich durch den Verdacht erschüttert, einzelne ihrer Leute hätten sich an der Krise bereichert. Auch CDU-Chef Armin Laschet gibt alles andere als eine starke Figur ab. In gut einer Woche sind Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, und es sieht für die Union nicht gut aus. Außer in Mainz könnte auch in Stuttgart bald ein Ampelbündnis aus Grünen, SPD und FDP regieren – jene FDP, die manche in der übermütig gewordenen CSU zuletzt gerne schmähten. Inmitten der Viruskrise wirft das Ende der Ära Merkel dunkle Schatten voraus.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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