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Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel.

Kanzlerin schätzt Loyalität

Merkel stellt Weichen: Kramp-Karrenbauer wagt den Sprung nach Berlin

Es ist ungewöhnlich, dass eine erfolgreiche Ministerpräsidentin sich als Generalsekretärin in den Dienst ihrer Partei stellt. Hinter der Entscheidung dürfte ein langfristiger Plan stecken.

Berlin - Wenn noch jemand Zweifel hatte, dass Angela Merkel an einem geordneten Übergang der Macht arbeitet, ist dieser seit Montag ausgeräumt. Mit der Entscheidung, Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Generalsekretärin vorzuschlagen, hat die Parteichefin eine wichtige Weiche für eine CDU-Zukunft in einer Nach-Merkel-Zeit gestellt. Das dürfte allen in den Spitzengremien der Christdemokraten klar sein. Anders gesagt: Die Kanzlerin hat öffentlich sichtbar damit begonnen, ihre Nachfolge zu regeln und eine mögliche Erbin aufzubauen.

Dass Merkel und Kramp-Karrenbauer das an diesem Montag im Adenauerhaus nicht hören wollen, ist klar - und dass sie dazu auch keine ernsthafte Stellungnahme abgeben, ebenso. Die Kanzlerin stellt sich auf eine weitere Legislaturperiode ein - falls die SPD denn mitmacht. Wenn irgend möglich, will Merkel im Laufe der nächsten Jahre selbst mitbestimmen, wer ihr einmal folgen könnte.

Auch deswegen möchte die Vorsitzende auf das Nachfolgethema am liebsten erst gar nicht eingehen. Entspannt lächelt sie die Frage weg: „Das ist Ihr Privileg, dass Sie immer drei Runden weiter sind als andere.“ Sie habe „die Hände voll zu tun, erstmal den Tag zu managen“ - das stehe heute auf der Tagesordnung.

„Geschichte wiederholt sich nicht“

Als Merkel, die von 1998 bis 2000 selbst Generalsekretärin war, später doch nochmal auf die leidige Nachfolgefrage angesprochen wird, gibt sie nüchtern zurück: „Geschichte wiederholt sich nicht.“ Das Schöne sei ja, „dass wir die Zukunft nicht kennen“. Als Kramp-Karrenbauer dann selbst gefragt wird, ob sie sich mit dem Etikett der „Kronprinzessin“ anfreunden könnte, kontert auch sie locker: „Ich habe mich noch nie für Prinzessinnenrollen geeignet, schon früher in der Fastnacht nicht.“

Für die Saarländerin mit dem prägnanten Kürzel „AKK“ wird es in den nächsten Jahren nun darauf ankommen, bundesweit bekannter zu werden. In der eigenen Partei gilt sie als ausgesprochen beliebt - das ist entscheidend für eine mögliche Wahl zur Parteichefin. Und auch bei den CDU-Ministerpräsidenten, die in der Diskussion über eine Merkel-Nachfolge ein entscheidendes Wort mitzureden hätten, soll Kramp-Karrenbauer großen Rückhalt haben.

Fast 40 Minuten stehen die beiden starken CDU-Frauen im Adenauerhaus nebeneinander auf dem Podium und erklären, wie sie sich ergänzen und ihre Rollen verteilen wollen. Optisch könnte der Kontrast kaum größer sein: Die Parteichefin in grasgrünem Blazer, die Saarländerin daneben in einem Kleid, das im oberen Teil grell neon-pink leuchtet und irgendwie nicht recht zu ihrer betont zurückhaltenden Art passt.

Inhaltlich sind die Kanzlerin und ihre künftige Generalsekretärin dagegen weitestgehend einer Meinung, daran lassen beide keinen Zweifel. Der Vorschlag, sich in den Dienst der Partei zu stellen, sei von Kramp-Karrenbauer gekommen, erzählt Merkel. „Mich hat die Idee sehr berührt“, sagt sie ungewohnt gefühlig. „Wir kennen uns seit langem und können uns, glaube ich, (...) sehr aufeinander verlassen, selbst wenn jeder seinen eigenen Kopf hat.“

Was Kramp-Karrenbauer dann sagt, wird Merkel gefreut haben. Sie habe sich wegen der Tatsache, dass Deutschland in einer der schwierigsten politischen Phasen seiner Geschichte stecke, für den Wechsel in die Bundespolitik entschieden. Und vor dem Hintergrund der Kritik der Konservativen, die sich einen Rechtsruck wünschen und Merkel vorhalten, sie habe die CDU zu weit in die Mitte gerückt, macht „AKK“ rasch klar, auf welcher Seite sie steht: der von Merkel.

Kramp-Karrenbauer kündigt einen Prozess der programmatischen Erneuerung an

Zwar kündigt Kramp-Karrenbauer einen Prozess der programmatischen Erneuerung an, wie ihn aktuell auch die Konservativen verlangen. Aber zugleich macht sie klar, dass sie von Merkels Kurs einer Ausrichtung der CDU auf die breite politische Mitte nicht abrücken will.

Auch in Zukunft würden in Deutschland starke Volksparteien gebraucht und keine „allein durch Personen getragene politische Sammelbewegung“, sagt die 55-Jährige. Das kann als versteckter Seitenhieb auf Merkel-Kritiker wie das Präsidiumsmitglied Jens Spahn oder andere verstanden werden, die Politiker wie den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz oder den französische Präsidenten Emmanuel Macron mit seiner Sammlungsbewegung „En marche“ als Vorbilder auch für die CDU sehen.

Loyalität - das war für die Kanzlerin eine wesentliche Voraussetzung für die Nominierung der Saarländerin, heißt es in der CDU. Doch es ist nicht nur die Loyalität, die Merkel an Kramp-Karrenbauer schätzt. Der Kanzlerin habe die unaufgeregte Art imponiert, mit der die Ministerpräsidentin aus fast aussichtsloser Lage heraus im März 2017 mit der Landtagswahl an der Saar die wichtige erste Abstimmung im Bundestagswahljahr gewonnen hat, heißt es in ihrem Umfeld.

Außerdem halte sie Kramp-Karrenbauer bis heute zu Gute, dass sie nicht wie andere der Versuchung erlegen sei, mit populistischen Tönen gegen Migranten Stimmung zu machen. Und das, obwohl der damalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gerade auf dem Zenit der Macht war.

Ob es Merkel tatsächlich gelingt, die Unzufriedenen und Murrenden in den konservativen Reihen der CDU zufrieden zu stellen, dürfte sich aber trotz der Entscheidung für Kramp-Karrenbauer erst beim Parteitag am nächsten Montag zeigen. In den Gremien am 25. Februar, dem Sonntag davor, will sie ihre Liste mit den Namen der CDU-Minister in einem möglichen weiteren GroKo-Kabinett unter ihrer Führung präsentieren.

Ganz entscheidend dürfte dann sein, ob mit Spahn einer der profiliertesten Merkel-Kritiker eine wichtige Rolle im Kabinett bekommt. Dass die Vorsitzende an Spahn als Minister vorbeikommt, wird in Berlin kaum mehr erwartet. Zumal sie mit einem solchen Schachzug zugleich auch andere junge Kritiker wie den JU-Chef Paul Ziemiak oder den Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann ruhig stellen dürfte.

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dpa

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