+
Kanzlerin Merkel kommt für den Wahlkampf häufiger denn je nach Bayern. Heute steht der Frauen-Gipfel in München an.

Wahlkampf

Merkel-Wochen im Seehofer-Land

München - Kanzlerin Merkel kommt für den Wahlkampf häufiger denn je nach Bayern. Am Samstag steht der Frauen-Gipfel in München an.

Man erinnert sich in der CSU mit Schrecken an die Geburtstagstorte für Angela Merkel. Es war ein Parteitag während der Huber/Beckstein-Zeit 2008, der Gastrednerin wurde die Torte (Aufschrift „50 plus x“) überreicht. Die 54-Jährige reagierte pikiert, brummte etwas von „bürgerlichem Anstand“ und ließ das Ding stehen. Es wurde einem Seniorenheim gespendet.

Seither überlegt man sich in der CSU genau, was man der Kanzlerin als Dank-Geschenk überreichen könnte. Ein „Angie“-Ständchen der Blasmusik, ein digitaler Blumenstrauß (welkt nicht, wenn sie ihn stehen lässt) und ein Mini-Wörterbuch Bayerisch-Deutsch waren es die letzten Male. Nun werden in kurzer Zeit weitere Präsente dazukommen. Merkel wird in den nächsten Wochen Bayern häufiger bereisen denn je in ihrem Leben.

Am heutigen Samstag fliegt sie zur Großveranstaltung der Frauen-Union von CSU und CDU nach München. Unter dem Titel „Frauen für Merkel. Gut für Deutschland“ wird für ihren Wahlsieg im September getrommelt. Vor 1400 Besucherinnen in der BMW-Welt – mehr passen nicht rein, der Andrang war größer – soll sie eine Grundsatzrede zur Frauenpolitik halten, mit erfolgreichen Frauen diskutieren und mit Horst Seehofer.

Er und Merkel sollen bei einem vertraulichen Treffen im Mai insgesamt zehn Großauftritte im bayerischen Wahlkampf vereinbart haben – im dichtgedrängten Kanzler-Kalender eine mittlere Sensation. Die Regierungschefin soll im August und September in allen Landesteilen auftreten. Unter anderem wird sie zur großen Schlusskundgebung eingeplant. Vorher wird sie am 8./9. Juli zur Klausur der Landesgruppe nach Kloster Banz kommen. Wenig später: Wagner-Festspiele in Bayreuth. Sogar über Volksfest-Auftritte in Oberbayern, wie jener im Mai mit Böllerschützen in Trudering, wird konkret beraten. Sie kommt zudem im Juli zum „Bayerischen Wirtschaftsgespräch“ nach München. Insgesamt ist laut „Spiegel“ Merkel mehr als doppelt so oft in Bayern im Einsatz wie in den Wahlkämpfen ’05 und ’09.

Klar – weil hier Landtags- und Bundestagswahl binnen einer Woche im September stattfinden, hat der Freistaat besondere strategische Bedeutung. In keinem Bundesland ist die Union so stark wie hier. Oder, im Umkehrschluss: Nirgendwo könnte rechnerisch die SPD Merkel so viele Stimmen wegnehmen wie im Seehofer-Heimatland. „Sie weiß, dass das CSU-Ergebnis bei der Landtagswahl entscheidend dafür ist, dass sie eine Woche später Kanzlerin bleibt“, heißt es selbstbewusst aus der CSU-Zentrale. Gut, und man wisse auch: Sie sei enorm populär. Beliebter noch als Seehofer, ergaben Umfragen, auf die der CSU-Chef manchmal selbstironisch verweist.

Christian Deutschländer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Seuchenbehörde muss verbotene Wörter wie "Fötus" meiden
Begriffe wie "Fötus" und Formulierungen wie "auf wissenschaftlicher Grundlage" darf die US-Seuchenbehörde CDC nicht mehr verwenden - zumindest nicht im Zusammenhang mit …
US-Seuchenbehörde muss verbotene Wörter wie "Fötus" meiden
Erster SPD-Landesverband stimmt gegen Sondierungsgespräche
SPD und Union ringen um eine neue Bundesregierung. GroKo ja oder nein? Ist „KoKo“ vom Tisch? Immerhin hat sich die SPD nun geeinigt, Sondierungen aufzunehmen. Alle News …
Erster SPD-Landesverband stimmt gegen Sondierungsgespräche
Europas Rechtspopulisten fordern in Prag Ende der EU
Die Rechtsaußen-Fraktion ENF im Europaparlament hält einen großen Kongress in Prag ab. Der Tagungsort dürfte kein Zufall, sondern ein Signal sein: In Tschechien rechnen …
Europas Rechtspopulisten fordern in Prag Ende der EU
Seehofer als CSU-Vorsitzender bestätigt - Söder zum Spitzenkandidaten gekürt
Horst Seehofer ist als Parteivorsitzender wiedergewählt worden, Markus Söder geht als Spitzenkandidat der Union ins Rennen: alles zum CSU-Parteitag im News-Ticker zum …
Seehofer als CSU-Vorsitzender bestätigt - Söder zum Spitzenkandidaten gekürt

Kommentare