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Angela Merkel würdigte Mut und Kraft der CDU-Gründer vor 70 Jahren.

"Eine ganz herausragende Sache"

CDU feiert 70. Geburtstag: Merkel würdigt Gründer

Berlin - Das Land lag in Trümmern, als die CDU 1945 ins Leben gerufen wurde. Es sollte eine Union für Katholiken und Protestanten, Arbeiter und Unternehmer - eben eine große Volkspartei werden. Das hat sie geschafft.

Die CDU-Vorsitzende, Kanzlerin Angela Merkel, hat die Gründer ihrer Partei vor 70 Jahren für Mut und Zuversicht nach schrecklichen Kriegsjahren gewürdigt. „Ich finde, nach all den (...) grausamen Erlebnissen, die es im Zweiten Weltkrieg gab, auch für die Persönlichkeiten, die die CDU gegründet haben, war das eine ganz herausragende Sache, dass man in die Zukunft geguckt hat, und dafür auch die Kraft hatte“, sagte Merkel dem parteieigenen Kanal CDU.TV.

1945 riefen Politiker, Gewerkschafter, Wissenschaftler und andere in mehreren Städten zur Gründung der Christlich-Demokratischen Union auf. Der bekannteste Aufruf stammt vom 26. Juni 1945 in Berlin. Diesen Tag wählte die CDU als Geburtsdatum. In den sieben Jahrzehnten stellte sie mit Merkel bisher fünf der acht Bundeskanzler und regiert das Land damit viele Jahre länger als die SPD. Die CDU ist auch mit rund 453.000 Mitgliedern knapp vor der SPD größte Partei im Land.

Zu den Tiefpunkten in der Geschichte der Partei gehört die Spendenaffäre Ende der 1990er Jahre, durch die die Christdemokraten einen großen Vertrauensverlust erlitten. In der Nachkriegszeit versäumte die CDU lange eine offene Auseinandersetzung mit Nazi-Diktatur und Holocaust.

CDU-Senioren fordern Berufung auf konservative Werte

Am Montag veranstaltet die CDU einen Festakt mit rund 600 Gästen im E-Werk in Berlin - einem ehemaligen Umspannwerk, das in den 1990er Jahren zur Techno-Szene gehörte. Höhepunkt ist eine Diskussion von jungen und alten CDU-Mitgliedern, darunter 18-jährige Neulinge und Christdemokraten, die fast seit der Gründung in der Partei sind.

Der Vorsitzende der Senioren Union der CDU, Otto Wulff, rief die Partei zur Besinnung auf konservative Werte auf. Konservatives Denken habe kein Verfallsdatum, sagte der 82-Jährige in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Als konservativ bezeichnete er bürgerliche Tugenden wie „Vertrauen schaffen, Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit, Mut und Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft“. Wulff wünscht sich für Deutschland einen „gesunden und selbstbewussten Patriotismus wie es in Frankreich und Polen selbstverständlich ist“. Merkel verkörpert für ihn bürgerliche Tugenden wie Mut und Mäßigung.

Merkel hob hervor, „wie kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg sich Menschen zusammengefunden haben, die nun die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen wollten, die darauf Wert gelegt haben, dass es eine Union ist, dass es eine Partei ist, die Brücken baut.“

Geißler empfiehlt mehr direkte Demokratie

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler riet seiner Partei zum Geburtstag, sie solle sich Volksabstimmungen und mehr direkter Demokratie „nicht länger verschließen“. „Die CDU müsste die Partei der Bürgerbeteiligung werden und das zu einem Hauptprogrammpunkt machen“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“ (Freitag).

Nach dem Festakt veranstaltet die CDU am 3. Juli einen „Tag der Vereinigungen“. Dann präsentieren sich die parteiinternen Gruppierungen wie die Junge Union, die Senioren Union, die Frauen Union und Verbände der Arbeitnehmer und Unternehmer. Am 4. Juli lädt die CDU zum Tag der offenen Tür in ihre Parteizentrale in Berlin ein. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Merkel ist auch dabei.

Die Parteichefin betonte, diese CDU-Festwoche sei auch geprägt von Erinnerungen an die Wiedervereinigung vor 25 Jahren. Diese sei ohne die CDU und ihren ersten Vorsitzenden und Kanzler Konrad Adenauer sowie Altkanzler Helmut Kohl nicht möglich gewesen. Der 85-jährige Kohl kann wegen seines Gesundheitszustands nicht zum Festakt kommen.

dpa

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