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„Europa braucht Kümmerer“: Hans-Joachim Fuchtel (2.v.r.) ist der Beauftragte der Kanzlerin für Griechenland. Für seine Verdienste um die deutsch-griechische Freundschaft verlieh ihm die Griechische Akademie – rechts im Bild deren Chef Stavros Kostantinids – jetzt die Ehrenmedaille. Bayerns Europaministerin Emilia Müller (l.) und der deutsch-griechische Pädagogik-Professor Wassilios Fthenakis (2.v.l.) gratulierten.

Hans-Joachim Fuchtel

Merkels Mann für Athen

München - Die schlechten Nachrichten aus Griechenland reißen nicht ab. Doch es gibt auch positive Botschaften: Immer mehr deutsche Kommunen unterstützen griechische Gemeinden. Brückenbauer Hans-Joachim Fuchtel bringt sie zusammen.

Der Anruf erreichte Hans-Joachim Fuchtel in München, wenige Minuten vor einem Auftritt vor Wirtschaftsvertretern. Am anderen Ende der Leitung war Angela Merkel. Die Kanzlerin war auf der Suche nach einem Sonderbeauftragten für Griechenland. Fuchtel sagte spontan zu. Seitdem pendelt der in sich ruhende Schwabe aus Altensteig im Schwarzwald regelmäßig zwischen Berlin und Athen.

„Europa braucht Kümmerer“, sagt Fuchtel. Der Familienanwalt sitzt seit 25 Jahren für die CDU im Bundestag. 2009 wechselte er als Parlamentarischer Staatssekretär ins Bundesarbeitsministerium. Seit Herbst 2011 ist Fuchtel quasi Merkels Mann für Griechenland. Offiziell heißt sein Job: Beauftragter für die Deutsch-Griechische Versammlung. Eine entsprechende Vereinbarung hatte Merkel mit dem damaligen griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou 2010 unterzeichnet. Als Vorbild diente das deutsch-französische Freundschaftsabkommen.

Auf welch heikle Mission sich Fuchtel einließ, wurde dem 61-Jährigen erst bei seinen ersten Griechenlandreisen bewusst. Statt mit offenen Armen empfing ihn mancher mit Skepsis. Griechische Medien zeigten den CDU-Politiker in Naziuniform. Fuchtel ließ sich nicht beirren – und überzeugte die Kritiker. Fortan nannten sie ihn im Norden Griechenlands „Fuchtelos“ und im Süden „Fuchtelakis“. Es soll Respekt für seine Arbeit ausdrücken. „Bis dahin war es ein weiter Weg“, räumt Fuchtel ein. Heute ist er in Griechenland ein Medienstar. 114 Interviews hat er innerhalb der letzten eineinhalb Jahre hellenischen Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen gegeben. In kaum ein Athener Cafenion kann der CDU-Politiker gehen, ohne sofort erkannt zu werden. Der Ruf der Deutschen in Griechenland sei weitaus besser als oftmals behauptet, so Fuchtel. „Auch die Kanzlerin ist in Griechenland anerkannt.“

Nur einmal kam es zum Eklat. Auslöser war Fuchtels Satz, tausend deutsche Beamte würden die Arbeit von dreitausend griechischen erledigen: „Das Zitat haben einige griechische Medien so ausgelegt: Die Griechen sind faul“, erinnert er sich. Gemeint sei allerdings gewesen, dass die griechische Verwaltung durch ihre vielen Instanzen ineffizient sei. Das Missverständnis habe sich rasch geklärt. Einen Hinweis kann sich Fuchtel aber nicht verkneifen: In einer griechischen Radioumfrage hätten 90 Prozent der Hörer seiner Aussage zugestimmt.

Fuchtel sieht seine Aufgabe als Brückenbauer. In der deutsch-griechischen Versammlung kommen Bürgermeister und Unternehmer zusammen. Wichtig sei ein Gespräch auf Augenhöhe. „Uns verbindet mit Griechenland keine Facebook-, sondern eine wahre Freundschaft. Das bedeutet aber auch gegenseitiges Zuhören.“

Aus dem Dialog sind bereits dutzende Projekte entstanden. Mal geht es um umweltschonende Müllverbrennung, mal um ein Tourismus-Konzept für einen Naturschutzpark. Die Erfahrung der kommunalen Verwaltung in Deutschland nennt Fuchtel eine „Schatzkiste“. Diese müsse man öffnen, damit auch Gemeinden in Griechenland davon profitierten.

Wenn Fuchtel über erste Erfolge spricht, ist er kaum zu stoppen. Wie er etwa die abgewanderten parteinahen Stiftungen wieder nach Athen brachte. Oder wie Griechenland nach jahrelanger Pause wieder auf der größten Agrarmesse vertreten war. Die Aufzählung könnte Fuchtel beliebig fortsetzen. Doch wie sieht er die wachsende Schuldenlast? Oder die Rekordarbeitslosigkeit? Fuchtel weicht aus. Die milliardenschweren Rettungspakete sind nicht seine Baustelle. Er kämpft für kleine Hilfspakete vor Ort.

Besonders stolz ist der Sonderbeauftragte, dass es gelungen sei, das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung nach Griechenland zu exportieren. Während in anderen südeuropäischen Ländern noch diskutiert werde, seien in Griechenland mindestens zwei Berufsschulen im Entstehen. „Nach dem Sommer starten wir im Tourismus“, sagt Fuchtel. Hier gibt es genügend Arbeitsplätze. Überhaupt der Tourismus: Fast jeden fünften Euro erwirtschaftet Griechenland mit dem Fremdenverkehr. Es gibt allerdings noch viel Potenzial. Griechenland müsse seine Tourismussaison verlängern, meint Fuchtel. Gerade für Wanderfreunde und Langzeiturlauber, die vor dem Winter in Nordeuropa fliehen, fehlten Angebote.

Doch stoßen die deutschen Vorschläge auf offene Ohren? „Es gibt einen Bewusstseinswandel in Griechenland“, sagt Fuchtel. Auch die Regierung von Premier Antonis Samaras leiste gute Arbeit. Jetzt müsse nur noch die Verwaltung mitziehen.

Auch Griechen, die über Jahre als Gastarbeiter in Deutschland lebten, will Fuchtel für seine Mission gewinnen. „Sie wissen, wie die Deutschen ticken.“ Und sie können vermitteln. Keinesfalls will Fuchtel als Statthalter Merkels wahrgenommen werden. Bevor er seine Arbeit in Griechenland begonnen habe, habe er sich mit Vertrauten über die Erfahrungen bei der deutschen Wiedervereinigung unterhalten, erzählt Fuchtel. Schnell sei man sich einig gewesen. „Das größte Problem war die Wahrnehmung unseres Auftretens in Ostdeutschland.“ Keinesfalls dürfe man als „Besser-Wessi“ in Griechenland wahrgenommen werden.

Steffen Habit

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