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Mit Fassung trägt Günther Beckstein (CSU) seine Niederlage bei der Wahl zum Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Merkur-Interview mit Günther Beckstein

"Leidensfähigkeit habe ich gelernt"

München - Mit Fassung trägt Günther Beckstein (CSU) seine Niederlage bei der Wahl zum Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ein Interview mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten. 

Nach einem Wahlkrimi war in der Nacht zum Montag schließlich die frühere Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) zur Nachfolgerin von Katrin Göring-Eckardt gewählt worden. Beckstein bleibt sogar ihr Vize.

Sonntagmittag schien es noch ziemlich sicher, dass Sie Präses der EKD werden. Wie enttäuscht sind Sie?

Ich selber habe von Anfang an die Unsicherheiten gesehen. Ich habe ja auch mitbekommen, dass der Synoden-Arbeitskreis „Offene Kirche“ eine Gegenkandidatin gesucht hat...

Was bedeutet dieser Arbeitskreis?

Man muss wissen, in der Synode gibt es Arbeitsgruppen, die zwar nicht so klar strukturiert sind wie Fraktionen in Parlamenten, aber doch erhebliche Bedeutung haben. In der EKD-Synode hat die progressive „Offene Kirche“ die eindeutige Mehrheit, während ich der auch theologisch konservativen „Lebendigen Gemeinde“ angehöre. Überdies konnten sich viele wohl nicht vorstellen, dass ein Politiker aus dem konservativen Bereich das Gesicht der EKD wird.

Das war der alleinige Grund?

Dazu gekommen ist die Diskussion um die Orientierungshilfe zum Thema Familie. Da habe ich ganz eindeutig Kritik geübt, was auch weiter meine Überzeugung ist.

Bei diesem Papier geht es um ein etwas anderes Leitbild zur Familie. Es besagt, dass auch Alleinerziehende, Patchwork-Familien und homosexuelle Lebensgemeinschaften entsprechend gewürdigt werden müssen. Sie sehen das anders?

Dass auch Alleinerziehende oder Patchwork-Familien die besondere Unterstützung der Kirche brauchen, ist für mich völlig unbestritten. Es geht mir darum, dass die theologische Fundierung der Ehe nicht genügend gewürdigt worden ist. Viele junge Ehepaare heiraten kirchlich – und gerade dieser Aspekt ist praktisch nicht berücksichtigt worden.

Ich glaube, es ist in der Zwischenzeit auch bei den meisten anerkannt, dass hier in dem Papier erhebliche theologische Defizite bestehen. Und darauf wollte ich deutlich hinweisen.

Wenn Sie schon geahnt haben, dass Sie doch noch eine Gegenkandidatin bekommen – warum haben Sie dann trotzdem Ihren Hut in den Ring geworden?

Ich habe die letzten Jahre, glaube ich, gut und loyal in der Führung der EKD mitgearbeitet. Katrin Göring-Eckardt hatte ein Jahr das Amt ruhen lassen müssen, weshalb ich ja als Vizepräsident automatisch in der Führung dabei war. Und da habe ich gemeint, das dient auch durchaus der Klarstellung, ob bestimmte Gruppierungen vielleicht über ihren Schatten springen. Denn bisher ist es ja so, und das sehe ich jetzt auch wieder bestätigt, dass die Farbenlehre der EKD heißt: von rosarot bis feuerrot, von pastellgrün bis dunkelgrün ist ein weiter Spielraum. Aber weiß-blau und schwarz sind da nicht vorgesehen.

Ist das nicht etwas einseitig für ein Kirchenparlament, dass diese Farbgebung schwarz kaum berücksichtigt? Ist Frömmigkeit ein Manko in der EKD?

Wir als konservative Gruppierung sehen das durchaus als problematisch an. Wobei man dazu sagen muss, die Progressiven meinen, dass sich der eigene Glaube auch eben in parteipolitischer Profilierung von der Frage des Klimaschutzes bis hin zur Förderung neuer Energien und der Bewertung der CO2-Verschmutzungsrechte äußert. Während wir viel stärker sagen, dass letztlich auch theologisch begründete Frömmigkeit der zentrale Punkt einer Kirche ist. Ich selber habe immer die Meinung vertreten, Kirche hat die Aufgabe, über der Parteipolitik zu stehen, nicht sich in Parteipolitik zu verwirklichen.

Sie engagieren sich ja seit langem in der evangelischen Kirche. Haben Sie jetzt die Nase voll von einem Ehrenamt, wenn Sie immer wieder einen solchen Rückschlag hinnehmen müssen. 2009 haben Sie gegen Göring-Eckardt verloren.

Ich bin in der Tat seit vielen Jahren dabei. Und gerade als bayerischer Innenminister habe ich auch viel härtere und schwierigere Auseinandersetzungen mit meiner eigenen Kirche gehabt, als das jetzt der Fall ist. Es gibt ja was Schlimmeres, als dass man bei einem Ehrenamt, das extrem zeitfressend ist, nicht zum Zuge kommt. Das bedeutet jetzt, dass ich in Loyalität als Vizepräses weiter mitarbeiten werden. Ich bin mir sicher, dass ich mit Frau Schwaetzer ganz gut zu Rande komme...

Wie schätzen Sie Frau Schwaetzer ein?

Ich kenne sie nicht so sehr gut. Ich hatte vor 20 Jahren, als sie Bundesbauministerin war, immer mal wieder Kontakt mit ihr. Aber über ihre kirchlichen Aktivitäten bin ich nicht so informiert. Ich habe eigentlich keine Befürchtungen, dass ich mit ihr nicht gut auskomme. Den Büttel hinzuwerfen, das ist nicht meine Art.

Sie sind ganz schön leidensfähig, Herr Beckstein!

(lacht) Wenn man mal Innenminister war und sich als Innenminister in der Kirche engagiert, dann lernt man Leidensfähigkeit.

Das Interview führte Claudia Möllers

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