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MM-Redakteur Alexander Weber.

Merkur-Kommentar

Boris Johnsons Premiere in Brüssel: Realpolitik statt Realsatire

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Premiere im ungeliebten Brüssel: Der neue britische Außenminister Boris Johnson, dem viele vom Habitus her eher eine Monty-Python-Episode als den altehrwürdigen diplomatischen Dienst ihrer Majestät zugetraut hätten, muss nun zeigen, welche Substanz hinter seinem Diktum steckt, wonach die Engländer zwar der EU, nicht aber Europa den Rücken kehren wollen.

Jetzt ist Realpolitik statt Realsatire angesagt. Und der zahme Ton Johnsons gestern deutete an, dass er den Rollenwechsel zumindest versuchen will. Unterschätzen sollten die EU-Diplomaten den Briten jedenfalls nicht. Trotz allem eint die 27 plus 1 ja das Ziel, den Schaden eines Brexit für die Insel wie den Kontinent nicht zu groß werden zu lassen – auch wenn so manche Rechnung aus der Vergangenheit noch offen ist.

Die neue „Eiserne Lady“ Theresa May hat ihr Kabinett geschickt aufgestellt: Die Tory-Hardliner und Brexit-Befürworter Johnson, Davis, Fox und Leadsom tragen – auf mehrere Ressorts und damit machtpolitisch aufgeteilt – jeweils ihre Verantwortung für das Gelingen eines EU-Austritts. Sollte die Fahrt erkennbar in den Graben führen, könnte die Premierministerin jederzeit die Notbremse ziehen – und die Schuldigen wären klar benannt. Taugt der Brexit aber zur Erfolgsgeschichte, wird sich May als Kapitänin im Glanz neuer britischer Stärke sonnen.

Morgen startet die Premierministerin zu ihrer ersten Auslandsreise. Das Ziel: die Kanzlerin in Berlin. Ein Treffen mit viel Symbol- und Signalkraft. Nach dem Gespräch der beiden Pfarrerstöchter wird man vielleicht schon ermessen können, ob und, wenn ja, wie viel der Ärmelkanal politisch breiter werden wird.

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