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MM-Redakteur Christian Deutschländer

Merkur-Kommentar

Bundeswehr in der Türkei: Ein heikles Manöver

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Eine Parlamentsarmee wie die Bundeswehr muss jederzeit von Abgeordneten inspiziert werden können. Ein Besuchsverbot, wie es inoffiziell im türkischen Incirlik gilt, ist deshalb ein schweres politisches Problem. Christian Deutschländer kommentiert.

Man darf getrost davon ausgehen, dass die Bundeswehr im Auslandseinsatz nicht darauf angewiesen ist, dass alle paar Tage ein Politiker durchs Feldlager stapft. Die Showtermine sind vielen Soldaten eher lästig. Trotzdem muss eine Parlamentsarmee jederzeit von Abgeordneten inspiziert werden können. Ein Besuchsverbot, wie es inoffiziell im türkischen Incirlik gilt, ist deshalb kein militärisches, aber ein schweres politisches Problem.

Die deutsche Politik handelt deshalb richtig, wenn sie Alternativen zur Stationierung der Tornados in der Türkei sucht. Einfach wird das aber nicht. Militärtaktisch ungünstiger sind Stationierungen auf Zypern und in Jordanien. Gleichzeitig ist bei anderen Ländern die politische Botschaft sorgsam abzuwägen. Mit Schaudern denkt man an den Ersatzstandort Termez im Afghanistan-Einsatz, als der deutsche Steuerzahler jahrelang Usbekistans Regierung mit Millionen eindeckte – ein Land mit dubioser Menschenrechtslage, das im Gegenzug noch die deutschen Soldaten mit Auflagen schikanierte.

Umsicht ist, wenngleich es nicht leicht fällt, auch gegenüber der Türkei nötig. Das „Da kommst Du nicht rein“- Getue Ankaras mag pubertär wirken. Klar ist aber, dass ein Abzug ein Beitrag zur diplomatischen Eskalation wäre. Kluge deutsche Diplomatie (ja, auch darum darf sich ein Außenminister kümmern!) muss Erdogan die Chance geben, das Verbot gesichtswahrend aufzuheben.

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