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Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

Kommentar von Lorenz von Stackelberg

Deutschlands marode „Tornado“-Flotte: Mission ins Blaue

Richtig ist, dass der Bundesregierung kaum eine andere Wahl blieb, als Frankreichs Beistandsersuchen zuzustimmen. Richtig ist aber auch, dass nicht einmal der deutsche Afghanistan-Einsatz derart von Unklarheiten, Unwägbarkeiten und Widersprüchen geprägt war wie die Syrien-Mission der Bundeswehr. Der beklagenswerte Zustand der „Tornado“-Flotte fügt sich perfekt ins triste Mosaik.

Das multistaatliche Syrien-Engagement wirkt nicht nur aus deutscher Sicht wie eine symbolisch überhöhte Operation ins Blaue, die weder klaren Zielen folgt noch über eine gemeinsame Strategie verfügt. Das wäre auch ein Wunder bei derart unterschiedlichen Protagonisten: Russland, Amerika, die EU, Saudi Arabien, der Iran und die Türkei verfolgen teils unterschiedliche, teils sich widersprechende Ziele. Und sie sind sich, diversen Lippenbekenntnissen zum Trotz, nicht einmal in der Bewertung des Islamischen Staates als gemeinsamer Hauptfeind einig. De facto werden die Bundeswehr-Tornados zu Bestandteilen eines verwirrenden militärischen Getümmels am syrischen Himmel, das das Problem IS nicht ausmerzen kann und nur von der vagen Hoffnung auf einen politischen Prozess getragen wird, der vom Willen eines großmacht-versessenen russischen Führers abhängt. Das berühmte Licht am Ende des Tunnels ist nur für Berufsoptimisten sichtbar.

Die deutschen Soldaten haben aber nicht nur Anspruch darauf, dass diejenigen, die sie entsenden, klare Koordinaten für ihre Mission (und deren Ende!) setzen, sondern dürfen auch erwarten, dass ihnen für ihr lebensgefährliches Handwerk das optimale Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt wird. Ein Land, das mit einer Interventionstruppe operieren will, kann nicht mit einer Spar-Armee planen.

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