Merkur-Kommentar

Donald Trump und die Republikaner: Die Schuldfrage

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Kann man das noch als Wahlkampf bezeichnen? Gute drei Wochen vor der Präsidentenwahl geht es in den USA nur noch ganz am Rande um Politik. Merkur-Redakteur Mike Schier kommentiert.

Die Schlammschlacht dreht sich in erster Linie um persönliche Verfehlungen der beiden Kandidaten, wobei Hillary Clintons befremdlicher Umgang mit E-Mails, Handys und der Wahrheit allenfalls eine Nebenrolle einnimmt.

Im Mittelpunkt steht eigentlich nur noch Donald Trump. Er selbst sieht sich ständig neuen Vorwürfen persönlicher Verfehlungen ausgesetzt und schlägt mit ganzer Härte zurück. Nach Anschuldigungen einer Frau, er habe sie vor vielen Jahren sexuell bedrängt, implizierte er während einer Wahlkampfveranstaltung, dass sie nicht attraktiv genug für ihn gewesen sei. Ein echter Trump.

Seit am vergangenen Freitag das Video mit seinen anzüglichen Äußerungen publik wurde, geht es bei den Republikanern nicht mehr um Wahlkampf, sondern die Deutungshoheit über die Niederlage. Das „blame game“ beginnt: Jeder versucht, seine Haut zu retten. Trump fällt über seine Partei her, um ihr wegen Illoyalität die Schuld in die Schuhe zu schieben. Umgekehrt rücken Parteigrößen und sogar Großspender von ihrem Kandidaten ab, um nicht in den Sog des Abwärtsstrudels gezogen zu werden. Die Radikaleren stricken bereits an Verschwörungstheorien, die nach einem Sieg von Clinton Konjunktur feiern dürften. Klar ist: Die vergiftete Atmosphäre in der US-Politik wird sich nach dem 8. November nicht verbessern.

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