Alexander Weber schreibt seine Meinung

Kommentar zur Flüchtlingskrise: Die Europäische Idee ad absurdum

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München - Angesichts des Ansturms tausender Flüchtender Menschen auf Europa ziehen sich die Staaten in einer Weise zurück, wie man sie bisher nicht erlebt hat. Ein Kommentar von Alexander Weber.

„Die Europäische Union ist noch aus jeder Krise gestärkt hervorgegangen“: Diese scheinbar ewige Wahrheit könnte erstmals in der Nachkriegsgeschichte widerlegt werden. Die Massenflucht von Millionen Menschen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens sowie den Elendsregionen Afrikas treibt die Europäer in einer Weise zurück in die nationalen Schneckenhäuser, wie man es so noch nicht erlebt hat. Wohin man blickt – von Ungarn bis Polen – erlebt eine „Ohne uns“-Mentalität Hochkonjunktur, die die europäische Idee ad absurdum führt.

Jetzt rächt sich, dass die Staatenlenker der EU die sich anbahnende Flüchtlingsproblematik so lange ignoriert haben, bis das Problem buchstäblich mit der Tür ins europäische Haus gefallen ist. Statt frühzeitig Gipfelrunden einzuberufen, um die EU-Außengrenzen zu sichern, in Auffanglager für Vertriebene in den Krisenregionen zu investieren, die Kontrolle bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in Europa zu behalten und Entsolidarisierungstendenzen im Keim zu ersticken, hat man weggeschaut oder Geldprobleme gewälzt. Auch in Deutschland.

Jetzt ist man nicht einmal mehr in der Lage, einen Gipfel aller 28 EU-Mitglieder zu dem Mega-Thema einzuberufen. Stattdessen zerfleischen sich die unmittelbar Betroffenen auf einer Mini-Konferenz, um am Ende einen Mini-Kompromiss zu formulieren, der Stunden später schon wieder die Alltagsprobe nicht besteht. Der Winter wird die Probleme noch verschärfen. Dabei sinken nicht nur die Temperaturen auf den Flüchtlingswegen gefährlich. Auch das politische Europa lässt einen frösteln.

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