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Georg Anastasiadis, stellvertretender MM-Chefredakteur.

Merkur-Kommentar

Der vereitelte Terrorplan von Düsseldorf: Perfide Strategie

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Düsseldorf - Immer neue Details zum geplanten Anschlag in Düsseldorf werden bekannt. Anscheinend sollten zehn Terroristen zuschlagen. Ein Kommentar von Merkur-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Flüche die Mörder des IS in ihre langen Bärte murmeln angesichts der freundlichen Aufnahme, die syrische Flüchtlinge in Deutschland gefunden haben und bis heute finden – konterkariert das doch ihre Hassbotschaften über einen Westen, der angeblich tagein, tagaus darauf sinnt, den Muslimen Böses anzutun. Die Vermutung der Polizei, der IS schleuse Terroristen gezielt als Flüchtlinge getarnt bei uns ein, um Misstrauen und Ängste zu schüren, ist deshalb plausibel. Man mag sich gar nicht ausmalen, was in Deutschland los wäre, wenn es den Sicherheitsbehörden – anders als jetzt in Düsseldorf – zum ersten Mal nicht mehr gelänge, einen Terrorplan der Islamisten zu durchkreuzen.

Diese perfide, auf Spaltung angelegte Strategie darf nicht aufgehen. Eines zeigt Düsseldorf aber eben auch – nämlich wie wichtig es ist zu wissen, wer sich in unserem Land aufhält. Zum wiederholten Male ist die frühere These des Bundeskriminalamts, der IS habe es nicht nötig, die Flüchtlingsrouten zu nutzen, als falsch widerlegt worden. Die Rückgewinnung der Kontrolle über die Grenzen, die ein halbes Jahr lang offen waren wie Scheunentore, war deshalb dringend geboten. Die Länder des Balkans haben dafür nicht Tadel, sondern Dank verdient.

Die Welt in Zeiten des den Globus umspannenden islamistischen Mordens ist ein gefährlicher Ort geworden. Es hilft nicht, darauf defätistisch oder gar kopflos zu reagieren. Es ist wichtig, Schutzsuchenden nicht mit einem Generalverdacht zu begegnen. Aber auch die Sicherheitskräfte haben es nicht verdient, unter einen Generalverdacht gestellt zu werden, wenn sie nach neuen Mitteln im Kampf gegen die bestens vernetzten Terrorzellen rufen. Wer darin immer nur verabscheuungswürdige Instrumente der Überwachung erblickt, hat keine Vorstellung von den zersetzenden Wirkungen, die der erste „erfolgreich“ verübte Terroranschlag auf den liberalen Rechtsstaat hätte. Vertrauen in die Sicherheit ist die Voraussetzung für alles. Auch für Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen.

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