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Merz dreht nach Laschet-Kür auf: CDU-Mann sinniert über Gendersprache-Verbot - und schießt gegen Baerbock

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Von: Florian Naumann

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Wahlkampf-Szene aus dem CDU-Vorsitzenden-Rennen: Friedrich Merz (li.) steht hinter Armin Laschet.
Wahlkampf-Szene aus dem CDU-Vorsitzenden-Rennen: Friedrich Merz (li.) steht hinter Armin Laschet. © Michael Kappeler/AFP

Wenige Tage nach der Kür Armin Laschets zum Kanzlerkandidaten macht Friedrich Merz wieder Schlagzeilen: Mit Kritik an den Grünen und „Gendersprache“. Auftakt zu einem Merz-Wahlkampf?

Berlin/Meschede - Fast drei Monate lang war es ruhig um Friedrich Merz - nun drängt der streitbare CDU-Konservative wieder stärker in die Öffentlichkeit: Am Freitag machte Merz mit einem Wahlkampf-Doppelschlag von sich reden. Mit einer plakativen Kritik an gendergerechter Sprache. Und mit offensivem Zweifel an der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Möglicherweise werden nach dem überstandenen Kanzler-Ringen zwischen Armin Laschet und Markus Söder mehr solcher Äußerungen zu hören sein: Aus der CDU kommen erste Forderungen, Merz stärker in den Bundestags-Wahlkampf einzubinden - womöglich eine Reaktion auf schwache Umfragewerte. Und auf die Kür des für Unions-Verhältnisse eher links-liberalen Laschet. Merz‘ aktuelle Wortmeldungen würden jedenfalls zu dieser These passen. Auch Wahlkampf-Auftritte im Osten Deutschland plant er - dort kämpft die CDU um Ministerpräsident Reiner Haseloff vor den Landtagswahlen teils verbissen mit der AfD. Wohl auch deshalb hatte Haseloff zwischenzeitlich mehr als laut für Söder getrommelt.

CDU: Merz wird nach Laschet-Kür lauter - Schelte für Baerbock, Habeck und die Grünen

In gleich zwei Interviews nahm Merz nun Baerbock aufs Korn. „Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass Baerbock Kanzlerin kann“, sagte Merz im Podcast „Die Wochentester“ des Kölner Stadt-Anzeiger und des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Die Grünen seien „ganz überwiegend eine Ein-Themen-Partei“. Auch fehle Baerbock bis auf die Tatsache, dass sie Völkerrecht studiert habe, jede internationale Erfahrung. „Dass dies dem Zeitgeist entspricht, mag sein. Ich möchte dem Zeitgeist nicht folgen, ich möchte den Zeitgeist mitbestimmen“, fügte Merz hinzu.

Im Spiegel sagte Merz, die Nominierung Baerbocks habe ihn nicht überrascht. Ihr Ko-Parteichef Robert Habeck wäre aus seiner Sicht zu riskant gewesen. „Der Mann hat einfach zu viele Wissenslücken.“ Baerbock sei eine „sehr ernsthafte Gegnerin“, räumte Merz ein. Er betonte aber auch: „Die mangelnde Berufs- und Regierungserfahrung spricht einfach gegen sie. Außerdem sind die Grünen immer noch zu sehr auf das Thema Ökologie verengt und zu wenig trittfest in anderen Themen.“

Gendern: Merz äußert Grundsatzbedenken - „Wer gibt Moderatoren das Recht, die Regeln unserer Sprache zu ändern?“

Mit dem Gendern griff sich Merz ein weiteres polarisierendes Thema heraus. Den wachsenden Zwang zum Gebrauch von geschlechtergerechter Sprache halte er für „rechtlich angreifbar“, sagte Merz dem Spiegel. „Es gibt nach meiner Wahrnehmung einen kulturellen Konsens in der Republik - die überwiegende Mehrheit der Menschen lehnt die Gendersprache ab.“

Merz kritisierte neben Universitäten auch TV-Moderatoren für ihre sprachlichen Regeln. „Wer gibt Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren das Recht, in ihren Sendungen einfach mal so eben die Regeln zur Verwendung unserer Sprache zu verändern?“ Merz erinnerte daran, dass Frankreich allen staatlichen Institutionen untersagt habe, geschlechtergerechte Sprache zu verwenden. „Die Franzosen haben offenbar ein besseres Feingefühl für den kulturellen Wert ihrer sehr schönen Sprache“, sagte Merz. Gerade in gesellschaftlich verantwortungsvollen Positionen „kann das nicht jeder so machen, wie er das vielleicht gerne hätte“.

Laschet erhält klare Forderung aus Niedersachsen: Merz in Team einbinden

Aus Niedersachsen kam die Forderungen, Merz stärker in den Wahlkampf zu führen. In einem Team sollte Merz mit seiner wirtschaftspolitischen Kompetenz eingebunden werden, forderte Landes-Parteichef Bernd Althusmann. Laschet solle das Angebot von Merz, sich einbinden zu lassen, annehmen, und Merz solle „zuarbeiten, mitarbeiten, sich einbinden lassen in die Union“, betonte der CDU-Landeschef. Die CDU müsse so „die gesamte Bandbreite der Gesellschaft, aber auch unserer Partei ein Stück weit erfüllen“.

Passend dazu hatte Merz angekündigt, Wahlkampf in den östlichen Bundesländern führen zu wollen. „Ich werde dort auch sicherlich den einen oder anderen Wahlkampfauftritt machen.“ Dies werde aber in enger Abstimmung mit der Wahlkampfleitung der CDU erfolgen .„Da wird nicht einer alleine rumturnen, sondern es wird eine Mannschaft geben, und diese Mannschaft wird koordiniert zusammenarbeiten“, sagte der frühere Unionsfraktionschef, der sich in einem Wahlkreis im Sauerland um die Rückkehr in den Bundestag bewirbt.

Friedrich Merz verpasst Söder Seitenhieb - „keine diffuse Bewegung, die auf einen Anführer setzt“

Merz hatte allerdings auch einen Seitenhieb auf den in Umfragen aktuell beliebteren Markus Söder (CSU) parat. Merz, der in der Kanzlerkandidatenfrage der Union CDU-Chef Armin Laschet unterstützt hatte, warnte CDU/CSU davor, von einer populistischen Bewegung zu träumen. „Es ist ein Wert an sich, dass CDU und CSU zwei selbstständige Parteien in einer Union sind und keine diffuse Bewegung, die auf einen Anführer setzt, dem alle hinterherlaufen“, sagt Merz dem Spiegel.

Man sehe in einigen Nachbarländern, wie riskant es sei, wenn aus Parteien Bewegungen würden. „Schauen Sie nach Österreich oder Frankreich. Das mag für eine gewisse Zeit funktionieren. Aber wenn es schiefgeht, wenn der Anführer scheitert oder abtritt und ein breiteres Angebot in der politischen Mitte plötzlich fehlt, dann wird es für das ganze Land brandgefährlich“, mahnte Merz.

Söder hatte im tagelangen Ringen mit Armin Laschet um die Kanzlerkandidatur der Union wiederholt auf seine guten Umfragewerte verwiesen. In der Hauptstadtpresse kursierte teils auch die These, Söder wolle es dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gleichtun und die Union in eine personenzentrierte Bewegung verwandeln - geäußert hatte sie unter anderem der stellvertretende Welt-Chefredakteur Robin Alexander in dem TV-Talk „Phoenix Runde“. (fn/dpa/AFP)

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