Markus Lanz (ZDF) im Gespräch mit Friedrich März (CDU)
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Markus Lanz (ZDF) im Gespräch mit Friedrich März (CDU)

Skurrile Szenen im ZDF

Merz belehrt Laschet und fährt Lanz über den Mund - der kann Vorfreude auf „Minister Merz“ nicht verbergen

Markus Lanz gab Friedrich Merz Gelegenheit, nochmal ordentlich Wahlkampf für die CDU zu treiben. Zu hören waren unter anderem ein Lob des Dieselmotors und Spott für die Grünen.

Hamburg - Markus Lanz‘ Talk geriet an diesem Dienstagabend fast zu einem langen Wahlwerbespot für Friedrich Merz. Gut gelaunt und gut gebräunt durfte sich der mutmaßliche designierte Wirtschaftsminister der CDU in der ZDF-Talksendung von seiner besten Seite präsentieren und beherrschte die Sendung fast durchgehend. Lanz hatte Merz mit der Journalistin Yasmine M’Barek und der Grünen-Vize Jamila Schäfer aus München zwei weniger bekannte Mitdiskutantinnen in die Runde gesetzt.

„Markus Lanz“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Friedrich Merz (CDU) - ehemaliges Mitglied von Bundestag und EU-Parlament
  • Jamila Schäfer (Bündnis ’90/Die Grünen) - Mitglied des Bundesvorstandes
  • Yasmine M’Barek - Redakteurin (Ressort X) bei „Die Zeit“
  • Prof. Helga Rübsamen-Schaeff - Chemikerin, Unternehmerin, Virologin

„Warum waren Sie nicht in Berlin beim Triell dabei?“, will Lanz als erstes von Merz wissen und lässt einen Einspieler laufen, in dem CDU-Anhänger Armin Laschet am Sonntag nach dem TV-Triell mit lautem Gesang feierten. Merz reagiert empört: „Ich muss doch nicht in Berlin stehen und Schilder hochhalten.“ Er lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Auftritt unter seiner Würde gewesen wäre: „Wir wollen doch über Themen sprechen heute Abend und nicht über Currywurst”, blafft er den Moderator an. Mit diesem Auftritt in Berlin „wird doch keine einzige Wählerstimme in Deutschland bewegt“.

Wo Merz denn das Triell gesehen habe, fragt Lanz nun sichtlich vorsichtiger nach. Er habe es zu Hause auf dem Sofa geschaut, lässt der Sauerländer wissen, da sei er am Sonntagabend meistens anzutreffen. Merz habe dabei aber Kontakt zu seinem Wahlkampf-Team gehalten. Und: Der Auftritt von Kanzlerkandidat Laschet habe ihm gefallen.

Merz kritisiert Laschets Wahlkampf als lasch: Er hätte stattdessen polarisiert

Gerade mit Blick auf die flauen Blitz-Umfragewerte des CDU-Kandidaten lässt Lanz keinen Zweifel, dass er den Auftritt anders bewertet. Und will auch von Merz wissen: „Welchen Fehler hat Armin Laschet gemacht?“ Der lässt sich auf Kritik am CDU-Spitzenkandidaten ein: „Ich hätte einen polarisierenderen Wahlkampf geführt“, sagt Merz. Und gibt gleich ein Beispiel, wie das laufen könnte. Bei einer Frage nach dem Tempolimit würde er nicht alles offenlassen, wie Laschet, sondern klar sagen: „Ich bin dagegen!“

Die Wahlkampf-Strategie der SPD - Kanzlerkandidat Olaf Scholz nach vorne - lobt Merz. Das Gegenmittel hätte er nach eigener Ansicht aber auch parat: „Die SPD hat ihren Kanzlerkandidaten nach vorne gestellt und ihren ganzen Rest im Keller versteckt“, wettert er. Merz warnt, dass die SPD eine „sehr weit nach links rückende Bundestagsfraktion“ entsenden werde.

Merz holt später noch zum größeren Schlag aus und befindet - fast genüsslich - dass es noch nie einen SPD-Kandidaten mit so großer Angriffsfläche gegeben habe, wie Scholz sie momentan biete. Der amtierende Finanzminister sei ein Mann, so Merz, „der in drei veritable, schwere Finanzskandale verstrickt“ sei. „Gegen dessen Staatssekretär heute ein Strafverfahren wegen eines Verrats von Justizunterlagen eröffnet wurde.“ Und den es „unter normalen Zeiten keinen weiteren Tag im Amt gehalten” hätte.

Zeit-Online-Redakteurin M’Barek will das so nicht stehen lassen, die Journalistin weist auf den Maut-Skandal in den Reihen der Union hin, bei dem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit mutmaßlichen Rechtsverstößen aber auch wegen Verschwendung von mindestens 500 Millionen Euro im Mittelpunkt stehe. Merz gibt zurück, dass ein strafrechtliches Verfahren eine ganz andere Qualität habe. Auch Lanz widerspricht nun: „Juristisch ja, aber politisch doch nicht.“

Merz kritisiert Atomausstieg, warnt vor einem Verbot für Verbrennungsmotoren 2030

Auch gegen die Grünen teilt Merz aus, wenn auch subtiler. Mit der Frage nach dem Umgang mit China - der Wirtschaftsmacht der Zukunft einerseits, einem kommunistisch geführten Regime andererseits - richtet sich Lanz an die Grünen-Politikerin Schäfer und zitiert dazu Spitzenkandidatin Annalena Baerbocks häufig erwähntes Zitat, sie komme „ja aus dem Völkerrecht“. Voll-Jurist Merz lacht hörbar auf und kann sich Spott nicht verkneifen: „Sie kommt zumindest nicht aus dem Urheberrecht“ - in Anspielung auf die Plagiatsvorwürfe zu Baerbocks Buch.

In der folgenden Diskussion geht es um den Ausstieg aus der Atomenergie und das Verbot von Verbrennungsmotoren. Beidem steht Merz kritisch gegenüber. „Wir müssen Verbrenner Co2-neutral herstellen”, lautet Merz’ Haltung. Er stellt nochmal klar, wo für ihn bislang der Schwerpunkt der deutschen Wirtschaft lag: „Wir haben die beste Automobilindustrie der Welt, die besten Verbrennermotoren, die besten Diesel”. Wenn die Grünen diese ab 2030 verbieten, verkomme die Top-Industrie laut Merz „zum Blechlieferanten“.

Merz befürchtet: „Genau in dem Moment hören die Forschung und die Investition in verbesserte Verbrennermotoren auf”. Doch in Lkw, Schiffen, Flugzeugen und anderen Maschinen könnten Elektromotoren sich nicht gegen Benziner behaupten. „Wir haben in diesem Land zu viel verboten, wir steigen zu viel aus”, warnt der frühere Unions-Fraktionschef und Merkel-Kontrahent. Merz bezieht das auch auf den Ausstieg aus der Kernenergie, den viele in der CDU - schenkt man Merz Glauben - gerne rückgängig machen würden. Ihn eingeschlossen.

Grüne: Vize Jamila Schäfer bei „Lanz“ - Merz zweifelt an Energieplänen

Auch Grünen-Politikerin Schäfer muss eingestehen, dass selbst in einem Land wie Baden-Württemberg, das seit einem Jahrzehnt grün geführt wird, in dieser Dekade gerade mal elf Windräder entstanden seien. In dem Tempo sei der Energiebedarf Deutschlands nicht mit Erneuerbaren zu decken. Dennoch will Schäfer die Entwicklung erneuerbarer Energie zukunftsweisend fördern, statt Geld in neue, teure Atomkraft-Anlagen zu investieren. Merz kontert: „Dann importieren wir noch mehr Energie aus Polen - die fast ausschließlich auf Braunkohle setzen würden.“

Zum Ende der Sendung wirft Lanz einen Blick auf die aktuelle Pandemie-Lage und gibt Pharma-Unternehmerin und Professorin Helga Ruebsamen-Schaeff Gelegenheit, das Impfen nochmal anzupreisen. Neue Studien hätten gezeigt, dass der Schutz bei den ersten Geimpften bereits nachlasse. Eine gut immunisierte Gesellschaft bedeute auch das Ende der Corona-Maßnahmen, erklärt Ruebsamen-Schaeff. Sie verweist dabei auf Dänemark, das sich bereits wieder im Normalzustand befinde. Bei 74 Prozent komplett Geimpften gebe es in dem Land noch 30 Patienten auf der Intensivstation. Allerdings gibt es um sogenannte Booster-Impfungen einigen Streit.

Fazit des „Markus Lanz“-Talks

Viel Platz für Friedrich Merz, der die Haltung der CDU gut verkaufen konnte. Ein wenig Abstand von Lanz hätte dessen Glaubwürdigkeit nicht geschadet. Am Ende verabschiedet er Merz mit den Worten: „Bald als Wirtschaftsminister in Amt und Würden?“ Merz: „Der größten Bundestagsfraktion!“ Und Lanz: „Ich freu‘ mich drauf!“ Neutral ist anders.

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