+
Reinhard Grindel

Unterstützung aus dem Bundeskabinett

„#MeTwo“ wird zum Trend - Abgeordnete schildert unangenehmes Erlebnis mit DFB-Chef Grindel

  • schließen

Nach #MeToo kommt #MeTwo: Auf Twitter macht ein Hashtag gegen Alltagsrassismus Furore. Politiker unterstützen das Projekt - und schildern eigene Erfahrungen.

Berlin - Unter einem neuen Hashtag gegen Alltagsrassismus teilen Tausende Menschen auf Twitter ihre Erfahrungen mit Diskriminierung. „MeTwo“ heißt das Schlagwort, das der Autor und Aktivist Ali Can ins Leben gerufen hat. Anlass ist die Rassismusdebatte, die Fußballstar Mesut Özil mit seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft ausgelöst hat.

Ali Can, ehemaliger Asylbewerber, der eine "Hotline für besorgte Bürger" eingerichtet hat,  bei der Jubiläumsgala "20 Jahre HORIZONT e.V."

Can beschreibt den Hashtag in einem Video des Onlinemagazins Perspective Daily als „eine „MeToo“-Debatte für Menschen mit Migrationshintergrund“. Unter „MeToo“ teilen seit Monaten Millionen von Frauen ihre Erlebnisse mit sexueller Gewalt und Belästigung. Der 25-jährige Ali Can stammt aus der Türkei - er kam mit seiner Familie 1995 nach Deutschland. Doch warum „MeTwo“ - also „Ich Zwei“? „Weil ich mehr bin als nur eine Identität. Ich fühle mich in Deutschland zu Hause (...) und gleichzeitig kann ich mich auch zu einer anderen Kultur oder zu einem anderen Land verbunden fühlen“, sagt Can in dem Video.

Seit Mittwoch wurde der Hashtag „MeTwo“ nach Zahlen des dpa-Monitoring Dienstes Buzzrank mehr als 48 000 Mal getwittert. Am Freitag wurde zeitweise sogar mindestens ein Tweet pro Sekunde mit dem Schlagwort abgesetzt.

Prominente mischen mit - Maas und Habeck begrüßen Aktion

„MeTwo“ wurde seit Mitte dieser Woche tausendfach auf Twitter gepostet. Zahlreiche Menschen schreiben über ihre Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus - auch viele Prominente melden sich zu Wort. „Wenn ich im übervollen Zug der einzige Nichtweiße bin, Polizei steigt ein, und der einzige, der seinen Ausweis zeigen muss, bin ich“, schreibt der Spiegel-Journalist Hasnain Kazim. Der Autor hat schon zuvor immer wieder Hassmails öffentlich gemacht, die er regelmäßig bekommt.

Auch interessant: „Tagesthemen“ zu Özil - Kabarettist bringt Zamperoni mit Gegenfrage ins Stolpern

„Wenn Neonazis deine Mutter bedrohen und die Staatsanwaltschaft ihr sagt: ‚Naja, vielleicht sollte Ihr Sohn sich nicht so prominent in der Öffentlichkeit äußern.‘“, twitterte Satiriker Shahak Shapira, der in Israel zur Welt kam und immer wieder Opfer von Antisemitismus wird. Andere schrieben etwa: „Hinter meinem Rücken von den Freunden meines ersten festen Freundes Mai Tai genannt werden.“

Unterstützung bekommt das Projekt aus dem Bundeskabinett: Außenminister Heiko Maas erklärte auf Twitter, es sei „beeindruckend und schmerzhaft, wie viele Menschen hier ihre Stimme erheben“, Bundesjustizminister Katarina Barley bedankte sich für „persönliche, beklemmende und manchmal auch hoffnungsvoll stimmende Tweets“. Auch Grünen-Chef Robert Habeck begrüßte die Schilderungen. Sie seien „eine politische Bewegung für Anerkennung und Respekt.“

Politiker schildern Erfahrungen mit Rassismus - Linke-Abgeordnete berichtet von unangenehmem Erlebnis mit Grindel

Einige Politiker berichteten am Freitag unter dem Hashtag sogar von eigenen negativen Erlebnissen. Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir erzählte von einem entmutigenden Erlebnis in seiner Grundschul-Zeit. „In der 4. Klasse fragte der Lehrer, auf welche weiterführende Schule wir gehen wollten. Ich hob den Arm beim Gymnasium. Der Lehrer lachte, dann stimmte die ganze Klasse mit ein“, schrieb Özdemir in seinem Tweet. „Mein Wunsch war das eine, meine Noten das andere. In der 5. kam ich auf die Hauptschule.“

Besonders pikant: Die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen berichtete von einer Negativ-Erfahrung mit einem früheren Parlamentskollegen - dem aktuellen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. „Beide waren wir Berichterstatter zum Thema Integration unserer Fraktionen“, schrieb sie. „Er mal zu mir: ‚Sie sind ein Beispiel für nicht gelungene Integration.‘ #metwo“. Dagdelen ist als Tochter kurdischer Eltern in Duisburg aufgewachsen.

Grindel und der DFB mussten sich im Fall des zurückgetretenen Nationalspielers Mesut Özil zuletzt auch Rassismus-Vorwürfe anhören.

Lesen Sie auch: Migrations-Expertin warnt vor neuem deutschen Faschismus

dpa/fn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer: „Wir brauchen eine Frauenquote“
Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) sitzt seit zehn Jahren im Landtag, seit März ist sie Sozialministerin. Sie wünscht sich einen Landtag, der zur Hälfte weiblich …
Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer: „Wir brauchen eine Frauenquote“
Macron besucht am Volkstrauertag Berlin
Berlin (dpa) - Der französische Präsident Emmanuel Macron wird zum Gedenken an die Kriegstoten und zu Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin erwartet.
Macron besucht am Volkstrauertag Berlin
CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Die Hinweise auf die Beteiligung des saudischen Kronprinzen an der Tötung des Journalisten Khashoggi sind vielfältig. Nun kommt auch die CIA zum Schluss, dass Mohammed …
CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich
Bei Protesten und Straßenblockaden wegen zu hoher Spritpreise ist die Lage in Frankreich am Samstag eskaliert. Mehr als 220 Personen wurden verletzt, eine Frau kam ums …
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich

Kommentare