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Andrés Manuel López Obrador.

89 Millionen dürfen abstimmen

Mexiko wählt neuen Präsidenten - Kandidat gibt bewusst ungültigen Stimmzettel ab

Die Mega-Wahl in Mexiko hat begonnen: Präsidentschaftskandidat López Obrador war bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn vor einem Wahllokal - um dann einen ungültigen Stimmzettel abzugeben.

Mexiko-Stadt - In Mexiko hat die Wahl des neuen Präsidenten und weiterer politischer Ämter begonnen. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen (Ortszeit) ihre Türen, rund 89 Millionen Staatsbürger des lateinamerikanischen Landes sind wahlberechtigt. Laut Umfragen vor der Wahl galt der Linksnationalist Andrés Manuel López Obrador von der Partei Morena als Favorit für das Amt. Schon am frühen Sonntagmorgen bildeten sich Schlangen vor den Wahllokalen.

Präsidentschaftskandidat López Obrador gab seine Stimme unter großem Medienrummel im Süden der Hauptstadt Mexiko-Stadt ab. Allerdings war dieser ungültig, da López Obrador, wegen seiner Initialen kurz AMLO genannt, den Namen der Aktivistin Rosario Ibarra de Piedra auf das Papier schrieb.

Die 91-Jährige, die eine Bewegung für Familienangehörige Verschwundener in Mexiko gegründet hat, sei eine Kämpferin und außergewöhnliche Frau, so AMLO. „Ich möchte anerkennen, was sie alles für die Menschenrechte getan hat“, sagte López Obrador, der bereits bei den Wahlen 2012 und 2006 ungültige Stimmzettel abgegeben hatte.

Der 64-jährige Ex-Bürgermeister der Hauptstadt will im Falle eines Wahlsiegs die jüngsten Strukturreformen beispielsweise zur Öffnung der Energieindustrie zurücknehmen. Er erwägt zudem eine Amnestie für Drogenhändler und hat einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption angekündigt. Das Präsidentenamt wird auf sechs Jahre besetzt, eine zweite Wahlrunde gibt es nicht.

„Wir hoffen, dass sich die Dinge verbessern. Es ist nicht schön. Die Unsicherheit, die Wirtschaft“, sagte die 25-jährige Susi Sandoval, die vor einem Wahllokal in Mexiko-Stadt anstand. „Die Korruption ist der Ballast Mexikos“, sagte der 32-jährige Alejandro Fernández, der im selben Wahllokal seine Stimme abgab. Er hoffe, dass es eine Wende gebe.

AMLOs größte Konkurrenten um das Amt sind José Antonio Meade von der Regierungspartei PRI und Ricardo Anaya von der PAN-Partei. Präsident Enrique Peña Nieto darf nicht erneut kandidieren. Der 49-jährige Meade gab in Begleitung seiner Ehefrau seine Stimme ebenfalls im Süden der Hauptstadt ab. „Ich bin absolut sicher, dass dieser Tag mit einem Triumph für mich enden wird“, betonte Meade, der im aktuellen Kabinett Außen-, Sozial- und Finanzminister war. Meade stimmte nach eigenen Angaben für sich selbst.

Der 39 Jahre alte Präsidentschaftskandidat Anaya wurde in Querétaro in Zentralmexiko von seiner Ehefrau und seinen drei Kindern zur Stimmabgabe begleitet. Der amtierende Präsident Peña Nieto stimmte am Mittag ebenfalls in Mexiko-Stadt ab. Wem er seine Stimme gab, sagte er jedoch nicht.

Auch politische Posten in 30 von 32 mexikanischen Bundesstaaten werden neu bestimmt, darunter in der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Zudem werden in beiden Kongresskammern 500 Abgeordneten- und 128 Senatorenplätze neu besetzt und acht neue Gouverneure gewählt. Auf lokaler Ebene müssen rund 1600 Bürgermeister bestimmt werden.

Im ganzen Land sind mehr als 157 000 Wahlzentren geöffnet. Der Wahlkampf in Mexiko wurde von Gewalt gegen Politiker überschattet. In den vergangenen zehn Monaten wurden mehr als 120 Politiker umgebracht. Der Wahlprozess wird von Vertretern der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) beobachtet.

Medien berichteten vorab von gestohlenen oder verbrannten Wahlzetteln. Am Wahltag seien 65 Beobachter der OAS im Einsatz, erklärte der Leiter der OAS-Beobachtung, Leonel Fernández. Während der Wahl kam es zu mehreren Zwischenfällen. Im Bundesstaat Chiapas wurde nach Angaben der Zeitung „Excelsior“ ein Wahllokal temporär geschlossen, nachdem bewaffnete Unbekannte dort geschossen und mehrere Menschen verletzt hatten.

In Mexiko-Stadt protestierten Menschen vor dem Gebäude der Wahlbehörde INE, nachdem in einem Sonder-Wahllokal die Stimmzettel ausgegangen waren. Die speziellen Wahllokale sind für Mexikaner, die sich am Tag der Abstimmung nicht in ihrem Stimmkreis aufhalten. „Wir haben ein Recht auf Wahl“, riefen sie vor dem INE-Gebäude.

dpa

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