+
„Christian Ude kann einem leidtun!“ Michael Adam, Landrat von Regen, verzweifelt derzeit an seiner Partei. Den Bezirksvorsitz will er möglichst bald abgeben.

Jetzt kracht's auch bei der SPD

Michael Adam schmeißt Ämter hin

München - Er galt als der Hoffnungsträger der bayerischen SPD: Jetzt wirft Michael Adam mit lautem Getöse hin. Auf Facebook macht der Niederbayer seinem Unmut über Parteichef Florian Pronold Luft. Künftig will Adam nur noch Landrat sein.

Die Sätze dürften sich demnächst in jeder zweiten CSU-Rede finden: Am Münchner Oberanger, wo die SPD in ihrer Zentrale eigentlich die Revolution für Bayern plant, seien nur „Speichellecker und Ja-Sager erwünscht, um die traurigen Realitäten möglichst nicht an sich heranlassen zu müssen“. In der SPD herrschte die „Mauschelei“ der „Münchner Obrigkeit“. Vor allem der Landesvorsitzende Florian Pronold bekommt sein Fett weg. Die Tirade schließt: „Nur weiter so! Christian Ude kann einem leidtun! Mit diesem Ballast gewinnt er die Wahl nie!“

Der Autor dieser Zeilen auf Facebook heißt Michael Adam. Bis vor kurzem verkörperte der 27-Jährige als junger, schwuler, redegewandter und vor allem erfolgreicher Kommunalpolitiker die ganze Zukunftshoffnung der Bayern-SPD. In Windeseile stieg der Bürgermeister von Bodenmais zum Landrat von Regen und zum SPD-Bezirkschef von Niederbayern auf. Er gab bundesweit Interviews, selbst die „heute-show“ nahm den Kommunalpolitiker schon auf den Arm. Doch die Party ist vorbei. Adam will seine Parteiämter abgeben. Er „sehne den Tag herbei“, an dem endlich ein neuer Bezirksvorsitzender gewählt werde, schreibt er auf Facebook. Ein paar Stunden später ist der Beitrag verschwunden. Aber das Netz vergisst nichts.

Auslöser für Adams Wutausbruch war wohl die Aufstellung der niederbayerischen SPD-Bundestagsliste am Wochenende. Adam selbst konnte wegen einer Operation, über die er ebenfalls offen auf Facebook Auskunft gibt, nicht an der Veranstaltung teilnehmen und musste seinem Parteifeind Pronold das Feld überlassen. Am Ende unterlag die von Adam favorisierte stellvertretende Juso-Bundeschefin Johanna Uekermann (25) der von Pronold geförderten Rita Hagl-Kehl (42).

In der Parteispitze versucht man, die Angelegenheit kleinzureden. „Ich kenne es seit Jahrzehnten, dass bei Aufstellungskonferenzen Türen geschlagen werden und Schimpfworte fallen“, sagt Christian Ude. „Allerdings ist das Schlagen einer Türe auch schnell wieder verklungen. Neu ist im Fall Adam nur, dass man seinen Unmut heute ins Internet stellt. Dort gibt es bekanntermaßen keinen Radiergummi.“ Dass sich Adam fortan auf die Kommunalpolitik konzentrieren will, hält Ude für völlig in Ordnung: „Ich bin doch der Letzte, der ihm das zum Vorwurf machen könnte.“

Trotzdem kommt Adams Ausbruch für Ude äußerst ungelegen. Es lief gerade so schön: Erst kam der CSU nach einem Drohanruf beim ZDF der Sprecher abhanden, dann zerfleischten sich FDP und CSU beim Streit um die Studiengebühren. Die SPD jubelte schon. Und nun dieser „ohne Frage unerfreuliche Vorgang“, wie Ude es gestern Nachmittag nennt.

Da hat Adam bereits alles noch schlimmer gemacht: Er wolle „unmissverständlich der Behauptung entgegentreten“, sein Kommentar sei eine Reaktion auf die Listenaufstellung. Damit wandelt der junge Landrat seinen emotionalen Ausbruch in eine nüchterne Fundamentalkritik gegen Pronold und die SPD-Zentrale um. Das nehmen nicht alle gelassen. „Hart und ungerecht“ findet der oberpfälzische Bezirksvorsitzende Franz Schindler die Einlassungen von Adam. Auch Ude sagt, Adams Unmut über Pronold habe sich zuvor „durch nichts angekündigt“.

Jetzt herrscht intern erst einmal Funkstille. Bis gestern Nachmittag hatten weder Ude noch Pronold noch Generalsekretärin Natascha Kohnen mit Adam telefoniert. Der Landrat müsse seine Bürgerversammlung vorbereiten, lautet die Begründung.

Demnächst aber soll es ein persönliches Treffen der Niederbayern Pronold und Adam geben. Vorerst gibt sich der Landeschef zurückhaltend. Über „Inhalt und Form“ sei er überrascht, lässt er schriftlich mitteilen. „Michael Adam hat mir das zuvor nie auch nur angedeutet. Bevor ich mit ihm selbst nicht gesprochen habe, will ich mich dazu nicht äußern.“

Mike Schier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Katalonien: Puidgemont wertet Madrids Vorgehen als Rechtsbruck
Hier finden Sie den News-Ticker zum Katalonien-Konflikt: Was unternimmt die spanische Regierung? Wie ist die Lage in Katalonien? Alle Infos hier.
Katalonien: Puidgemont wertet Madrids Vorgehen als Rechtsbruck
Milliardär Babis gewinnt Wahl in Tschechien
Nach Polen und Ungarn siegt der Populismus nun auch in Tschechien - wenn auch unter anderen Vorzeichen. Viel hängt nun davon ab, mit wem der Milliardär Andrej Babis in …
Milliardär Babis gewinnt Wahl in Tschechien
Geheimakten über Kennedy-Mord werden veröffentlicht - schlecht für die CIA?
Zehntausende Seiten an geheimen Dokumenten, die sich um die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy drehen, sollen nun veröffentlicht werden.
Geheimakten über Kennedy-Mord werden veröffentlicht - schlecht für die CIA?
Papst Franziskus warnt vor Islamisierung
Papst Franziskus warnt laut einem Nachrichtenmagazin vor einer Islamisierung. Außerdem sieht er eine „indifferente Haltung“ der Katholiken zum eigenem Glauben
Papst Franziskus warnt vor Islamisierung

Kommentare