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Michail Chodorkowski (r.) sitzt im Hotel Adlon. Dort traf er auch seinen Sohn Pawel (kleines Bild) wieder.

Wiedersehen in Freiheit

Chodorkowski trifft seine Familie

Berlin - Familientreffen in Berlin: Putin-Gegner Michail Chodorkowski hat an Tag eins nach seiner Freilassung seinen ältesten Sohn getroffen.

Pawel Chodorkowski vor dem Hotel "Adlon", in dem sein Vater verweilt

An Tag eins nach seiner Freilassung und Blitz-Ausreise nach Deutschland ist der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski in Berlin mit seinem ältesten Sohn zusammengetroffen. "Die Familie ist endlich wieder vereint", sagte Pawel Chodorkowski am Samstag nach dem Wiedersehen im Hotel Adlon. An eine rasche Rückkehr nach Russland denkt Chodorkowski nicht. Dies stehe "nicht auf der Tagesordnung", sagte die Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck nach einem Treffen mit Chodorkowski.

Der 50-Jährige war am Freitag nach mehr als zehn Jahren Lagerhaft von Russlands Präsident Wladimir Putin "aus humanitären Gründen" begnadigt worden. Am Sonntag will er gegen 13.00 Uhr auf einer Pressekonferenz im Mauermuseum am Checkpoint Charlie zum ersten mal vor die Öffentlichkeit treten und sich zu seinen Zukunftsplänen äußern, wie sein Sprecher bekanntgab.

Ein Sprecher Putins stellte klar, der frühere Ölmagnat könne jederzeit wieder in seine Heimat kommen. "Er ist frei, nach Russland zurückzukehren. Absolut", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Zu möglichen Bedingungen für die Freilassung - etwa einem Verbot politischer Aktivität - sagte er nichts.

Zumindest in nächster Zukunft denkt Chodorkowski daran offenbar nicht. "Eine Rückkehr nach Russland steht nicht auf der Tagesordnung", sagte die Grünen-Politikerin Beck nach ihrer gut einstündigen Begegnung mit dem Begnadigten im Adlon. Er sei körperlich in guter Verfassung, er habe "einen überaus klaren Kopf - wie immer", sagte Beck. Das Treffen mit ihm sei "ein bisschen wie ein Märchen gewesen".

Beide hätten aber auch besprochen, dass Chodorkowskis wichtigster Weggefährte und Geschäftspartner Platon Lebedew nicht freigelassen sei. Die Begnadigung Chodorkowskis verändere noch nicht die Politik Putins, sagte Beck.

Chodorkowskis Freilassung sei am Freitag praktisch vom Himmel gefallen, sagte die Grünen-Politikerin. Die Überraschung war so groß, dass es selbst Chodorkowskis Mutter nicht so schnell nach Berlin schaffte. Sie sei noch auf dem Weg, sagte Beck am Samstagnachmittag.

Die 79-jährige Marina Chodorkowskaja, die unlängst wegen einer Krebserkrankung in Berlin behandelt worden war, ließ ihre Pläne im Staatssender Rossija 1 zunächst offen: "Wir haben den Kummer ertragen, aber es ist auch hart, die Freude auszuhalten", sagte sie.

Chodorkowski war am Freitag am Berliner Flughafen Schönefeld vom früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) empfangen worden. Genscher hatte sich mit Unterstützung der Bundesregierung im Stillen bei Putin für die Freilassung Chodorkowskis eingesetzt.

Der russische Oppositionelle Garri Kasparow lobte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihren Einsatz in dem Fall. "Ich denke, die Freilassung von Chodorkowski ist in erster Linie Merkels Verdienst", sagte der frühere Schachweltmeister Focus Online. "Ihr Druck hat eine entscheidende Rolle gespielt."

Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) kündigte ein eigenes Engagement an. Sowohl die Begnadigung durch Putin als auch ein Amnestiegesetz der Duma zur Freilassung tausender weiterer Häftlinge gingen "in die richtige Richtung", sagte Steinmeier dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Das ist eine anständige Grundlage für weitere Gespräche, die wir führen wollen, gerade im Bereich von Modernisierung und Rechtsstaatlichkeit."

AFP

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