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Michelle Müntefering will in den Bundestag.

Frau des Ex-SPD-Chef

Michelle Müntefering will die Welt verändern

Herne - Für die Münteferings könnte die Bundestagswahl zur Staffelübergabe werden. SPD-Urgestein Franz geht. Ins Parlament einziehen will seine Frau Michelle. Als Stimme für eine neue Politikergeneration.

In der Herner Kommunalpolitik mischte die junge SPD-Frau schon kräftig mit, als sie noch Michelle Schumann hieß. Den Sprung in den Bundestag wagt sie jetzt mit einem Nachnamen, der ihr bundesweit Aufmerksamkeit verschafft: Michelle Müntefering, 33 Jahre alt, seit Schulzeiten aktiv für die Sozialdemokraten und seit dreieinhalb Jahren verheiratet mit Ex-SPD-Chef Franz Müntefering. Ihr Wahlkreis Herne/Bochum II gilt als sichere Bank für die SPD. Darauf will sie sich aber nicht ausruhen: Antrieb für ihr Engagement sei die Hoffnung etwas verändern zu können. Und was? „Die Welt natürlich. Wird auch dringend Zeit“, sagt die junge Frau im Tupfenkleid lachend.

Sie will für einen frischen Blick auf alte SPD-Versprechen stehen. „Meine Generation bringt auch neue Erfahrungen mit. Aufstieg durch Bildung ist heute nicht mehr selbstverständlich“ - auch für den top-ausgebildeten Nachwuchs sei es oft schwer, den mühelosen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen, sagt die junge Frau, die bisher als Journalistin gearbeitet hat. Verbraucherschutz, Bürgerrechte und kommunale Infrastruktur interessierten sie als Themen besonders. Mit 19 kandidierte sie erstmals für den Rat ihrer Geburtsstadt, „Wir Jusos hatten uns verschworen und wollten unbedingt einen von uns da drin haben“, erinnert sie sich. Auch als es nicht auf Anhieb klappte, blieb sie am Ball, wurde später Fraktionssprecherin für Schulpolitik im Rat, ist Vize-Vorsitzende der Herner SPD, Mitglied im Landesvorstand. In einem Ausbildungsprogramm für den kommunalpolitischen Nachwuchs traf sie erstmals den 40 Jahre älteren Franz Müntefering, den sie 2009 heiratete.

Heute ist es der aus dem Bundestag scheidende Ex-SPD-Chef, der zu seiner Frau aufschaut, etwa wenn sie als Gastgeberin die versammelte Herner SPD zur 150-Jahr-Feier begrüßt. Er hängt an ihren Lippen, wenn sie - schon ganz Wahlkämpferin - von Mitbestimmung, Solidarität und Teilhabe spricht. Ihr Mann war zwei Jahre älter als sie jetzt, als er vor 38 Jahren erstmals in den Bundestag einzog. Die Warnung des Politprofis Herbert Wehner an den jungen Einsteiger, er solle seinen Enthusiasmus nicht verlieren, gibt dieser heute an seine Frau weiter. „Wenn ein Mensch die Leidenschaft hat, was zu gestalten, dann muss er das auch machen“, sagt er, „die Ausdauer und die Bereitschaft, sich einzumischen hat sie schon gezeigt.“

Etwa als es darum ging, sich als Wahlkreis-Kandidatin gegen Anke Hildenbrand durchzusetzen. Am Ende versammelte sie mehr Mitglieder hinter sich als diese. Auch der auf den letzten Metern ins Rennen eingestiegene Uwe Knüpfer, Ex-Chef des Parteiblatts „Vorwärts“, lag hinter ihr. Beide unterstützen sie heute: „Sie kümmert sich, das ist eine wichtige Qualität in der Politik“, sagt Knüpfer. „Sie ist exzellent vernetzt“, lobt Hildenbrand und meint damit auch die guten Kontakte zur alten SPD-Garde: „Man heiratet ja immer etwas mit.“

Der medialen Aufmerksamkeit für eine Müntefering ist sie sich wohl bewusst. Sie hofft, dass der Status als „Frau vom Franz“ einmal kein Thema mehr sein wird. „Ich mache ja nicht erst seit gestern Politik.“ Neugierig bleiben, sich einsetzen, auf die Menschen zugehen - diese Stärken will sie sich erhalten. Unlängst habe ihr eine Bochumer Genossin das Kompliment gemacht, sie sei ein richtiger Kumpel. „Das zählt hier im Ruhrgebiet was“, sagt Michelle Müntefering.

dpa

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