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Eine Frau im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos bringt sich mit ihrem Kind in Sicherheit, während es in dem Camp zu Zusammenstößen von gewaltbereiten Flüchtlingen mit Ordnungskräften kommt.

Kommentar

Migrationskrise: Jetzt brennt’s wieder in Griechenland

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Der bevorstehende Besuch von Bundesinnenminister Seehofer in Athen rückt die Migrationskrise wieder in den Brennpunkt. Die Lage gleicht inzwischen einem Pulverfass. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Noch ist es zu früh, von einem Scheitern des EU-Flüchtlingspakts mit Ankara zu sprechen. Aber die Hinweise verdichten sich, dass Präsident Erdogan nicht länger bereit ist, die 3,5 Millionen in die Türkei geflüchteten Syrer dauerhaft in seinem Land zu dulden. Seit Monaten steigt die Zahl der in Griechenland ankommenden Migranten wieder stark an. Die Lage in den völlig überfüllten Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln gleicht mittlerweile einem Pulverfass. Die Angriffe eines gewaltbereiten Mobs junger Einwanderer auf Feuerwehrmänner im Elendslager Moria auf Lesbos zeigen, dass das Problem der neuen Regierung in Athen über den Kopf wächst.

Migrationskrise: Länder des Südens bleiben sich selbst überlassen

Die Atempause, die sich die Kanzlerin mit ihrem Deal mit der Türkei erkauft hat, könnte also bald vorbei sein. Doch die Zeit wurde nicht genutzt, um an der EU-Ostflanke ein europäisches Frontex-Grenzregime zu etablieren, das diesen Namen verdient. Längst haben andere politische Vorhaben Priorität, etwa der Kampf gegen den Klimawandel. Die Länder des Südens bleiben in der Migrationskrise sich selbst überlassen.

Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Der für Donnerstag geplante Besuch von Bundesinnenminister Seehofer in Athen ist daher überfällig. 70 000 Migranten warten in Griechenland auf eine Chance zur Weiterreise nach Mitteleuropa, weitere sitzen in der Türkei auf gepackten Koffern. Die Asylkrise verlagert sich gerade von der zentralen Mittelmeerroute zurück zu ihrem Ursprungspunkt, der griechischen Ägäis. Das Problem ist zu wuchtig, als dass es mit deutschen Pauschalzusagen, wie im Fall der italienischen Seenotrettung ein Viertel der Geflüchteten aufzunehmen, aus der Welt zu schaffen wäre.

Lesen Sie auch: Asyl-Krise in Griechenland: Grünen-Chef will Migranten ohne Höchstgrenze aufnehmen

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