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Putin-Berater fürchtet „dramatische“ Situation für Russland durch weitere West-Hilfen

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Von: Fabian Müller

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Ein ukrainischer Soldat steht vor einem zerstörten russischen Panzer. Russland verzeichnet im Ukraine-Krieg schwere Verluste.
Ein ukrainischer Soldat steht vor einem zerstörten russischen Panzer. Russland verzeichnet im Ukraine-Krieg schwere Verluste. © Michael Brochstein/dpa

Ein Berater Wladimir Putins spricht offen über die Probleme der russischen Armee im Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Lage könne sich bis zum Sommer „dramatisch“ verschlechtern.

Moskau/München - Der russische Angriff auf die Ukraine hält nun bereits seit fünfeinhalb Monaten an und die Berichte häufen sich, wonach der russischen Armee der Nachschub ausbleibt. Ein Interview mit Ruslan Puchow, Berater des russischen Verteidigungsministeriums und Direktor des Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, bestätigt nun diesen Eindruck. Gegenüber PRISP, einer russischen Beratungs- und Analyseorganisation, machte Puchow deutlich, dass sich die Lage Russlands bei weiteren Hilfen des Westens dramatisch verschlechtern könnte.

Die Aussagen verwundern. Puchow steht dem russischen Präsidenten Wladimir Putin durchaus nah, er gehört dem Rat an, der Verteidigungsminister Sergei Shoigu und damit Putin direkt zuarbeitet. Trotzdem beklagt Puchow nun öffentlich die schlechte Ausrüstung des russischen Militärs und den Mangel an Infanterie, also denjenigen Soldaten, die auf Nahkampf spezialisiert und meist zu Fuß unterwegs sind.

„Dramatische“ Situation für russische Armee befürchtet: „Wir haben keine Luftüberlegenheit“

Ein noch größeres Problem seien die modernen Waffen, die der Westen der Ukraine zur Verfügung stellen würde. Russland verfüge nicht über Kampfflugzeuge der 5. Generation, wie die F-35. Die russische Luftwaffe werde dadurch und durch die ukrainische Luftabwehr enorm behindert. Puchow gesteht ein: „Wir haben keine Luftüberlegenheit.“ Das Problem könne sich sogar noch weiter verschärfen, wenn wie angekündigt weitere Luftabwehrsysteme in der Ukraine eintreffen.

Und auch auf dem Boden wäre die russische Ausrüstung mangelhaft. Das Militär arbeite mit veralteten sowjetischen T-72-Kampfpanzern, Innovationen der Rüstungsindustrie seien nicht bei der Truppe angekommen, so Puchow. Ein in Russland entwickeltes System, das Panzern ermöglicht, angreifende Raketen abzuwehren, werde nicht oder nur kaum verwendet. „Das ist natürlich schade, denn die Erfahrungen aus den Militäroperationen in der Ukraine haben gezeigt, dass ein Panzer ohne aktives Schutzsystem auf dem Schlachtfeld überhaupt nicht überlebensfähig ist.“

Putin-Berater beschreibt ukrainische Armee als „uns oft überlegen“

Die Ukraine hingegen habe gelernt, ihre alten sowjetischen Geschütze in Verbindung mit kommerziellen Drohnen einzusetzen. „Im Falle eines Artillerie-Duells sind sie uns oft überlegen“, sagt Puchow. Der Ukraine stehe die westliche Ausrüstung zwar bislang nur in „homöopathischen Dosen“ zur Verfügung. Doch wenn die Zahl der Geschütze anwächst, wäre das für die russischen Streitkräfte dramatisch: „Das russische Gegenfeuer wird dann das Ziel einfach nicht erreichen.“

Puchow führt weiter aus: „Die Methoden des Ersten Weltkriegs funktionieren nicht, vor allem, wenn man dem Feind bei der Infanterie nicht überlegen ist.“ Der russischen Seite mangele es an Aufklärungsarbeit und einer großen Zahl an Präzisionswaffen. Russland könne derzeit froh sein, dass die Lieferungen aus dem Westen nur in geringen Stückzahlen in die Ukraine kommen.

Doch er warnt gleichzeitig davor, die westliche Rüstungsindustrie zu unterschätzen. Russland müsse erkennen, dass die Rüstungsindustrie des Westens sich gegenseitig unterstütze, sobald es notwendig wird. „Die Gesamtzahl der Waffen und Ausrüstung, die in den Armeen des gesamten NATO-Blocks im Einsatz sind, ist sehr groß und um ein Vielfaches größer als die unsere.“

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Puchow befürchtet, dass die zahlenmäßige Überlegenheit der ukrainischen Armee durch die allgemeine Mobilmachung ein weiteres enormes Risiko für Russland birgt. Das Horror-Szenario aus der russischen Sicht beschreibt er so: „Bis zum Ende des Sommers kann die Lage an den Fronten dramatisch werden.“

Derweil können Zivilisten sich mit Spenden am Ukraine-Krieg beteiligen: „Wohltätige“ Organisationen sammeln Geld, um an Russland gerichtete Geschosse zu präparieren. (fmü)

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