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Plötzlich ernste Worte in Putins Propaganda-TV – „Wird eindeutig schlimmer werden“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg tauchen plötzlich ungewöhnliche Töne in Russlands Staatsfernsehen auf. Ein russischer Militärexperte zeigte sich pessimistisch.

München/Moskau - Im Ukraine-Konflikt wird es für Russland und Machthaber Wladimir Putin immer düsterer. Das ukrainische Militär fügt den Truppen des Kreml in Gefechten immer schwerere Verluste zu, bestätigen Berichte aus der Region. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Eines der aktuellsten Beispiele hierfür ist ein Debakel der russischen Armee beim Versuch einer Flussüberquerung in der Ostukraine.

Die bedrückende Stimmung für Russland im Rahmen der Invasion des Nachbarlandes macht sich offensichtlich nun sogar im Staatsfernsehen bemerkbar. Ein Militärexperte äußerte sich besonders pessimistisch zur künftigen Entwicklung des Konflikts. Ihm zufolge kommt Schlimmeres auf Moskau zu.

Ukraine-Krieg: Militärexperte malt düsteres Bild für Russland - „wird eindeutig schlimmer werden“

Dabei sind russische Staatsmedien wie etwa Rossija-1 bekannt als konsequentes Propagandamittel des Kreml. Daher ist es umso überraschender, solch kritische Aussagen wie die des Militärexperten und ehemaligen russischen Oberst Mikhail Khodarenok in einer Sendung des Staatsfernsehens zu hören. Khodarenoks Äußerungen malten ein äußerst besorgniserregendes Bild für den Angriffskrieg in der Ukraine.

Zunächst aber bestritt er russische Informationen, dass die Moral ukrainischer Truppen abnehmen würde und sie sich schon beinahe in einer Krise befinden würden. „Einfach gesagt, das stimmt nicht“, betonte der Militärexperte. Natürlich gebe es zwar einzelne Fälle, doch man müsse „das große Bild“ betrachten. Auf den Einwand der Moderatorin Olga Skabeyeva, dass individuelle Fälle das gesamte Bild ausmachen würden, antwortete er mit der „generellen strategischen Position“.

Diese Position sei, dass die Ukraine eine Million Menschen bewaffnen könne, es allerdings an Waffen und Ausrüstung gefehlt habe. Die von den USA beschlossene Lend-Lease-Regelung sowie die europäische Unterstützung würden jedoch dazu führen, „dass wir diese eine Million ukrainische Soldaten als eine Realität der nahen Zukunft betrachten müssen“, so Khodarenok. Er warnte eindringlich: „Wir müssen das in unseren strategischen Berechnungen berücksichtigen. Die Situation wird eindeutig schlimmer für uns werden.“

Ukraine-Krieg: Diskussion im russischen Staatsfernsehen - „Dogma in den Köpfen unserer Experten“

Darauf folgte schließlich ein weiterer Einspruch von Skabeyeva, dass doch nicht alle der eine Millionen Soldaten professionell sein könnten. Im Wortgefecht mit der Moderatorin kritisierte der Militärexperte auch die „politischen Experten“ Russlands. Khodarenok betonte, bei Professionalität gehe es um „Training, Moral und die Bereitschaft, Blut für das Mutterland zu vergießen“ - daher könne auch eine Armee aus Rekruten durchaus professionell sein.

In der Ukraine seien diese Faktoren gegeben. Ukrainer seien bereit, bis zum Tod zu kämpfen. Khodarenok beschrieb dies als einen „integralen Bestandteil“ der Kampfeffektivität einer Armee. „Dieses Dogma ist sehr stark in den Köpfen unserer politischen Experten, die denken, dass ein Soldat unter Vertrag ein Professioneller sein muss“, kritisierte der ehemalige Oberst.

Ukraine-Krieg: Mahnung im russischen Staatsfernsehen - „wir sind komplett isoliert“

In seiner Ansprache im Staatsfernsehen appellierte der Militärexperte zudem, die Wahrheit einzusehen und machte auf ein entscheidendes Problem Russlands aufmerksam. Sowohl von einem politischen als auch von einem militärischen Standpunkt sei es das Wichtigste, realistisch zu bleiben. „Wenn nicht, dann wird dich die Realität früher oder später so hart treffen, dass du nicht weißt, was dich getroffen hat“, mahnte Khodarenok.

Dem Experten zufolge zeigt ein Blick auf die Situation: „Das größte Problem mit unserem Militär und unserer politischen Situation ist, dass wir in einer kompletten geopolitischen Isolation sind.“ Die gesamte Welt sei gegen Russland, unterstrich er, „auch wenn wir es nicht zugeben wollen“. Daher dürfe man „um Gottes Willen“ keine Raketen in Richtung Finnland schwingen, betonte Khodarenok in Anlehnung an Nato-Beitrittspläne von Finnland und Schweden. Russland hatte den Ländern mit „weitreichenden Konsequenzen“ gedroht.

Die für Moskau schwierige Situation zu lösen sei jetzt die Aufgabe des Militärs und der politischen Führung. Der ehemalige Oberst führte mehrmals an, er schaue auf „das große Bild“ und rief gewissermaßen zur Vernunft auf: „Wenn eine Koalition von 42 Staaten gegen uns ist und unsere militärisch-politischen sowie militärisch-technischen Ressourcen begrenzt sind, ist die Situation nicht normal.“ Dies müsse gelöst werden - „auf die eine oder die andere Art und Weise“. (bb)

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