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Militärexperte erklärt drei Möglichkeiten, wie Putin seine Truppen nach Teilmobilmachung einsetzen könnte

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Von: Kathrin Reikowski

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Russlands Präsident Putin
Russlands Präsident Putin hat mehrfach gedroht, zum Schutz seines Landes „alle zur Verfügung stehenden Mittel“ einzusetzen. © Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Wladimir Putins Teilmobilisierung wird den Ukraine-Krieg nicht sofort verändern, meint ein Experte in der ARD. Vor allem ein Umstand könnte zu Verzögerungen auf russischer Seite führen.

Berlin/Moskau - „Es ist ein quantitativer Ansatz, um ein qualitatives Problem innerhalb der russischen Streitkräfte zu lösen“, meint Militärexperte Franz-Stefan Gady nach der Teilmobilisierung im Ukraine-Krieg durch Wladimir Putin. „Ich glaube nicht, dass das die Wende für Russland bringen wird“, schätzt Gady gegenüber tagesschau.de. Er arbeitet für das Institute for International Strategic Studies in London.

Im so genannten Westen war Putins weiterer Eskalationsschritt des Ukraine-Krieges dem Kreml-Chef vor allem als Zeichen von Schwäche ausgelegt worden. Das Institute for the Study of War in den USA hatte analysiert, dass Putin in seiner Rede zur Teilmobilisierung einiges verschwieg. Was er sagte: 300.000 Reservisten sollen zur russischen Armee eingezogen werden. Doch was wird das für den weiteren Verlauf des Krieges tatsächlich bedeuten? Wie schnell könnten die Reservisten in das Kriegsgeschehen eingreifen?

Militärexperte sieht in der ARD drei Optionen: Reservisten erst nach Wochen einsatzbereit

Nach einer erfolgreichen Gegenoffensive der Ukraine verteidigen Russlands Streitkräfte aktuell nur bereits eroberte Gebiete, stoßen nicht weiter vor. Wie sieht Putins Strategie nun aus?

Die Ausbildung komplett neuer Einheiten - Möglichkeit eins - würde etwa drei bis sechs Monate dauern, so Gady. Auch Möglichkeit drei würde mehrere Monate in Anspruch nehmen: Hierfür würde Putin die Reservisten in kleine, bis zu 1.000 Mann starke und spezialisierte Einheiten bilden lassen.

Die schnellste Möglichkeit, neue Reservisten in das Kampfgeschehen in der Ukraine eingreifen zu lassen, sieht der Experte in Option zwei. Allerdings nur, wenn die Reservisten eine schnelle Grundausbildung bekämen und die bereits in der Ukraine befindlichen Truppenteile ergänzen würden. Das könnte innerhalb weniger Wochen passieren, meint Gady. Würde Putin allerdings die bereits länger kämpfenden Soldaten dabei nicht ablösen lassen und diesen schnellen Weg wählen, sieht Gady eine Gefahr für die Kampfmoral der Einheiten.

Militärexperte zu Russlands Krieg in der Ukraine: Putin fehlen gute Generäle

Dass die Ausbildung überhaupt längere Zeit in Anspruch nehmen kann, liegt demnach an einer strukturellen Besonderheit der russischen Armee. „Im Gegensatz zu vielen westlichen Streitkräften hat die russischen Armee kein zentrales Trainingsdepot, vielmehr trainieren die einzelnen Regimenter die sogenannten Reservisten“, so Gady. Hinzu käme ein Problem mit Generälen und Offizieren in der russischen Armee. Wie diese Woche bekannt wurde, soll Wladimir Putin zum Unmut seiner Generäle direkt Frontbefehle erteilen,

Zudem seien die für Ausbildung zuständigen Offiziere eben bereits in die Ukraine geschickt worden. „Viele sind dort gefallen, wurden gefangen genommen oder werden vermisst.“ Die russischen Reservisten bräuchten aber besonders intensive Vorbereitung: „Wir reden von Menschen, die vielleicht eine Grundausbildung absolviert und vor Jahren einen militärischen Dienst abgeleistet haben, danach aber nicht mehr zu Reserveübungen einberufen wurden.“

In jedem Fall ordnet der Experte den Schritt Putins als Zeichen dafür ein, dass die Ukraine den Krieg auch gewinnen kann. „Putin gehen die Optionen aus, und ich glaube, er hat zum ersten Mal realisiert oder wurde erstmals darüber informiert, dass Russland diesen Krieg verlieren kann“, so Gady. Ein Sprecher Putins hat am Freitag allen Verhandlungen mit der Ukraine eine Absage erteilt. (kat)

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