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Haderthauer und Seehofer.

Auf Facebook spottet sie über Kritik

Haderthauer: Ministerin hängt am seidenen Faden

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München - Christine Haderthauer steht mitten in einem politischen Debakel: Staatsanwälte wollen gegen sie ermitteln, die Opposition plant einen Untersuchungsausschuss. Die Modellbau-Affäre wächst der Ministerin über den Kopf.

Am Montag findet Christine Haderthauer, dass es mal wieder an der Zeit ist, der Welt ihre Härte zu demonstrieren. Auf ihrer Facebook-Seite spottet die Ministerin über kritische Zeitungsartikel, sie verkündet kämpferisch: „Und außerdem – ich fand Lara Croft schon immer cooler als Schneewittchen.“ Lara Croft ist eine Computerspielheldin mit zwei Pistolen, die sich immer am Limit durchs Leben kämpft.

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Opposition uneins über Fall Haderthauer

Am Dienstag ist Lara Haderthauer stark geschrumpft und unbewaffnet. Die Ministerin meldet sich kurzfristig krank, erscheint nicht zur Kabinettssitzung in München. Statt medizinischer hat es juristische Gründe: An jenem Morgen teilt die Staatsanwaltschaft München dem Landtag mit, dass gegen Haderthauer ermittelt werden soll. Die Modellbauaffäre, die seit Monaten um die Ministerin und ihren Ehemann schwelt, erreicht damit eine neue Dimension. Es geht nun ums politische Überleben.

Die Staatsanwälte prüfen nach Informationen unserer Zeitung, ob das Ehepaar beim Verkauf der früheren Modellbaufirma „Sapor“ einen Ex-Geschäftspartner über den Tisch gezogen hat und ob genügend Steuern bezahlt wurden – eine lange Geschichte persönlicher und juristischer Verwerfungen (siehe Text unten). Das Unternehmen hatte Modellautos verkauft, die psychisch kranke Straftäter im Maßregelvollzug bauten. Hubert Haderthauer fand da als Landgerichtsarzt die Zugänge.

Dass die Staatsanwaltschaft voll einsteigt, ist überraschend – erst recht für Haderthauer. „Es hat sie völlig unvorbereitet getroffen“, beteuert eine Vertraute. Dabei liefen seit Wochen Vorermittlungen mitsamt Hausdurchsuchungen.

Das Prozedere ist nun klar geregelt: Die Landtagsspitze hat 48 Stunden Zeit, Einwände gegen die Ermittlungen zu erheben. Üblicherweise tut man das nicht, um nicht mit politischer Macht die Justiz zu behindern. Am Donnerstag könnten die Staatsanwälte also ihre Ermittlungen beginnen. Haderthauers Immunität berührt das formal nicht.

Für die Staatsregierung ist das ein Desaster. So sehr sie ihn mit ihrer resoluten, mitteilungsfreudigen Art oft nervt – Seehofer vertraute Haderthauer voll. Am Mittwoch, beim vorletzten Modellbau-Ärger, stellte er sich klar hinter sie mit den markigen Worten, er lasse nicht zu, dass sie „politisch vernichtet“ werde. Er muss sich nun fragen, ob er mitten in seiner Regierungszentrale eine Ministerin mit Justiz-Problem halten soll. Zum Vergleich: Als die Justiz gegen ihn zu ermitteln begann, trat sogar Bundespräsident Christian Wulff zurück.

Für den Mittag beruft Seehofer eine Krisensitzung seiner wichtigsten Minister ein. „Er ist nicht sauer, aber sehr besorgt“, dringt aus der Staatskanzlei. Er lässt sich mehrfach Details von Haderthauer schildern. Unter anderem beteuert sie, von der Staatsanwaltschaft hinterfragte Reisen nach Paris und in die Türkei gar nicht selbst angetreten zu haben.

Die Verlautbarungen danach klingen gequält. „Die Frage nach persönlichen Konsequenzen stellt sich nicht“, erklärt Haderthauer, als könne sie noch die Fragen bestimmen. Natürlich stellt sich die Frage, die gesamte Opposition verlangt erneut den Rücktritt. Die CSU-Fraktion teilt mit, „beim vorliegenden Sachverhalt“ seien Konsequenzen nicht veranlasst. Seehofer verbreitet, es gehe „nicht um ein Dienstvergehen“, für den Rücktritt sei „keine Notwendigkeit“. Es gelte „der rechtsstaatliche Grundsatz der Unschuldsvermutung“.

Die vermutete Unschuld zu beweisen, legt er ihr und der Justiz „zügig“ nahe. Solche Erklärungen deuten darauf hin, dass Haderthauer am seidenen Faden hängt. Sollte es zu einem Verfahren gegen sie kommen, ist die 51-Jährige aus Ingolstadt politisch vorerst erledigt. Unter ihren Parteifreunden, wo sie durch ihre forsche Art und die extrem selbstbewusste Fassade stark polarisiert, gibt es wechselhaft ausgeprägte Solidarität. In den Medien, gegen die Hubert Haderthauer juristisch zu Felde zog, stößt die Ministerin kaum noch auf Wohlwollen.

Auch der Druck der Opposition lässt nicht nach. Ein Untersuchungsausschuss gilt jetzt als ausgemacht. Nach Angaben der Grünen verhandelt die Opposition schon konkret. „Wir gehen davon aus, dass das nötig sein wird“, sagt Fraktionschefin Margarete Bause. Die Affäre wird nicht nur das Sommerloch schillernd füllen, sondern monatelang in den Schlagzeilen bleiben. Die Grünen sprechen bereits von einer „handfesten Regierungskrise“.

Lara Croft würde aus der Lage rauskommen. Bei Haderthauer weiß man es nicht.

Von Christian Deutschländer und Carina Lechner

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