Christine Haderthauerwill Frauen bei der Rente besserstellen.

CSU mischt sich in Rentenstreit der CDU ein

München - Die CSU mischt sich in den Rentenstreit der Schwesternpartei ein: Christine Haderthauer will der Zuschussrente erst zustimmen, wenn die CDU höhere Renten für Mütter durchsetzt.

Die Bundeskanzlerin will keinen Ärger. Der Parteitag der CDU in der kommenden Woche soll ein knappes Jahr vor der Wahl vor allem ein Bild der Harmonie ins Land senden. Diese Devise hat Angela Merkel intern ausgegeben. Doch ausgerechnet die Frauen-Union will der CDU-Chefin einen Strich durch die Rechnung machen – unterstützt von der CSU.

Es geht um die Rente. Genauer: Um die Rente von Müttern, deren Kinder heute älter als 20 Jahre sind. Man habe hier „eine große Gerechtigkeitslücke“, sagte die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, der Nachrichtenagentur dpa. Böhmer, pikanterweise als Staatsministerin im Kanzleramt direkt Merkel unterstellt, will nicht klein beigeben. Derzeit werden Müttern, die nach 1992 Kinder bekommen haben, drei Rentenpunkte angerechnet, früheren Müttern dagegen nur einer. Zum Vergleich: Ein Arbeitnehmer erhält einen Rentenpunkt, wenn er ein Jahr zum durchschnittlichen Bruttogehalt beschäftigt ist. Derzeit entspricht ein solcher Punkt etwa 28 Euro Rente im Monat. Für ältere Frauen ergäbe sich also ein Rentenplus von mehr als 50 Euro.

Die Frauen-Union pocht auf ein Gesetz noch vor der Wahl, das ab 2014 eine schrittweise Angleichung vorsieht. Bislang plant die Antragskommission für den Parteitag nur einen Prüfauftrag. Einen solchen hatte schon der Koalitionsausschuss beschlossen. „Ich kann mich damit nicht zufriedengeben“, sagte Böhmer.

Unterstützung bekommt sie aus Bayern. „Ich finde es richtig, dass die CDU-Frauen für eine bessere Anerkennung der Kindererziehung auf die Barrikaden gehen“, sagte die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer unserer Zeitung. Die Durchschnittsrente von Frauen sei heute nur halb so hoch wie die der Männer. Die Arbeitsleistung in der Familie sei „rentenrechtlich völlig unterbelichtet“. Die CSU-Politikerin drohte deshalb damit, auch die bereits im Koalitionsausschuss grundsätzlich vereinbarte Zuschussrente zu blockieren: „Bevor sich in Sachen Kindererziehung nichts tut, werden wir als CSU anderen Rentenkonzepten nicht zustimmen.“

Die Debatte um eine Besserstellung von Müttern bei der Rente tobt schon länger. Die Gerechtigkeitslücke ist offensichtlich, schließlich war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor zwei Jahrzehnten noch deutlich schwieriger als heute. Es gab weniger Kinderbetreuungsplätze und kein Recht auf Teilzeit, Mütter bekamen weder Eltern- noch Betreuungsgeld. Doch die Politik schreckt bislang von den Milliarden-Kosten zurück, die die bessere Anrechnung der Familienzeiten kosten würde.

Diesmal wollen die CDU-Frauen hart bleiben. Böhmer: „Die Frauen-Union hat 2003 auf dem Parteitag in Leipzig einen Antrag gestellt, der positiv aufgenommen wurde, die Anerkennung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das wurde 2011 in Leipzig erneuert.“ Umgesetzt wurde nichts. 2012 in Hannover soll sich das ändern.

Mike Schier

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