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Beichtstuhl

Katholische Kirche

Missbrauchs-Studie schlimmer als gedacht: Selbst im Beichtstuhl an Kindern vergangen

Wer in der katholischen Kirche zur Beichte geht, soll sich seiner Sünden entledigen können. Doch was Priester in Deutschland im Beichtstuhl machten, ist das genaue Gegenteil.

Wer in der katholischen Kirche zur Beichte geht, soll sich seiner Sünden entledigen können. Doch was Priester in Deutschland im Beichtstuhl machten, ist das genaue Gegenteil: Hier machten sie sich an Jungen heran oder missbrauchten sie sogar - das ist eines von vielen verstörenden Ergebnissen, die die Studie der Bischofskonferenz zum Missbrauchsskandal offenbart.

Es wurde einfach weitergemacht

Der Leiter der Studie, Harald Dreßing, ist nach eigenen Worten "erschüttert" über das, was er über den Missbrauch in der deutschen Kirche herausfand. Seit über 30 Jahren hat er als forensischer Psychiater mit Missbrauchsfällen zu tun. Doch so etwas wie in der katholischen Kirche ist ihm nach eigenen Worten noch nicht untergekommen.

Am Rande der Vorstellung der Studie berichtet Dreßing etwa über das Detail zu den Beichtstühlen. Dort hätten Priester gegenüber anderen Priestern den Missbrauch von Kindern gestanden - dies aber nur, um danach wie vorher weiter zu machen. Oder sie hätten die Beichten von Kindern ausgenutzt, um Missbrauchstaten an diesen anzubahnen oder sie sogar im Beichtstuhl zu missbrauchen.

Eine schlimmere Verrohung einer moralischen Instanz wie der Kirche scheint kaum vorstellbar. Aber doch ist dieses Detail nur ein Randaspekt bei der Vorstellung der in mehreren Jahren wissenschaftlicher Arbeit entstandenen Studie.

Mehr als fünf Prozent aller Gemeindepriester schuldig

Dass es 1670 Täter und weit über 3000 Opfer von Missbrauch durch katholische Priester in Deutschland gibt, war schon vorher bekannt geworden. Mehr als fünf Prozent aller Gemeindepriester sollen sich in den vergangenen Jahrzehnten an Kindern vergangen haben.

Doch ein anderer Aspekt der Studie ist neu - und er muss für alle Katholiken mit enger Bindung zur Kirche verstörend sein: Die Gefahr für Kinder und Jugendliche besteht unverändert fort.

Dreßing sagt zum Missbrauch durch Priester, es handle "sich nicht um ein historisches Phänomen, das in der Vergangenheit abgeschlossen wurde". Und die im Beirat der Studie sitzende Roswitha Müller-Piepenkötter ergänzt, es sei wegen der unveränderten Strukturen davon auszugehen, dass auch "für die Zukunft mit solchen Fällen zu rechnen ist".

Aufarbeitung zum Teil mangelhaft

Die Analyse ist für die Kirche beschämend. Seit acht Jahren wird über den Missbrauch in der Kirche diskutiert. Jedes Bistum leitete eine eigene Aufarbeitung ein, nach außen wurde von Kirchenverantwortlichen wieder und wieder angegeben, dass das Problem erkannt sei.

Doch tatsächlich stellten die Studienmacher fest, dass die Aufarbeitung von Bistum zu Bistum stark unterschiedlich betrieben wird. Mehr als jede fünfte Diözese hat nicht einmal ein definiertes Stundenkontingent für Präventionsbeauftragte. Und die eingesetzten Präventionsbeauftragten hätten im Gespräch über "klerikale Machtstrukturen" geklagt, an denen Schutzkonzepte scheiterten.

Kardinal Marx und der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann, verfolgen die Ausführungen der Wissenschaftler mit betretenen Gesichtern. Wie sie konkret darauf reagieren wollen, bleibt aber unklar.

Über die von Opfern geforderten höheren Entschädigungszahlungen sind beide zu sprechen bereit, wie sie sagen. Marx und Ackermann greifen auch die Aussage der Studienmacher auf, dass die Studie nicht eine Aufarbeitung sei, sondern nur Grundlage dafür sein könne.

Aber auch wie die Aufarbeitung nun konkret geschehen soll, bleibt noch unklar. Von neuen Gesprächen mit den Betroffenen ist die Rede, außerdem von möglichen weiteren Studien. Näheres soll die Bischofskonferenz beraten.

Konsequenzen noch unklar

Völlig unklar bleibt die Konsequenz aus einer anderen Erkenntnis der Studienmacher. Diese sehen auch die katholische Sexualmoral mit ihrem Zölibat, dem Männern vorbehaltenen Priesteramt und auch der kirchlichen Ablehnung von Homosexualität als Problem. Nur in einer ernsthaften Diskussion mit dem "Willen zur Änderung" lasse sich das Problem lösen, sagt Dreßing.

Im Februar will Papst Franziskus mit den Vorsitzenden der weltweiten Bischofskonferenzen über die Thematik des sexuellen Missbrauchs beraten. Wenn Marx seine jüngsten Aussagen über einen nun nötigen "Wendepunkt" ernst nimmt, sollte er Franziskus nach Meinung vieler Beobachter eine schonungslose Zusammenfassung der deutschen Studie mitbringen.

AFP

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