Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).
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Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Ministerin Aigner verbietet umstrittenen Genmais

Berlin - Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat den Anbau der umstrittenen Genmais-Sorte MON 810 in Deutschland verboten. Das erklärte die CSU-Politikerin am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Damit sei jeder Anbau und jeder weitere Verkauf von Saatgut oder Mais dieser Art unzulässig, erklärte die CSU-Politikerin am Dienstag in Berlin. “Die Bundesländer werden umgehend über diese Maßnahme informiert und werden die Einhaltung des Verbots überwachen“, sagte Aigner. Zur Begründung erklärte Aigner, sie sei zu dem Schluss gekommen, “dass es berechtigten Grund zu der Annahme gibt, dass der genetisch veränderte Mais der Linie MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt“. Diese Auffassung sei auch vom Bundesumweltministerium bestätigt worden. “Meine Entscheidung ist entgegen anderslautender Behauptungen keine politische Entscheidung“, betonte die Ministerin. “Es ist eine fachliche Entscheidung und dies muss es aus rechtlichen Gründen auch sein.“ Es handele sich aber nicht um eine Grundsatzentscheidung zum künftigen Umgang mit Grüner Gentechnik.

Zu diesem Thema können Sie sich den satirischen Pod-Cast-Kommentar "Alles eine Frage der Gene!" anhören.

Aigners Ministerium hatte zuvor einen vom US-Saatgutkonzern Monsanto vorgelegten Bericht über die Verwendung der Maissorte in Deutschland ausgewertet. Die Zeit für eine Entscheidung drängte, weil Ende April die Maisaussaat beginnt. Das Erbgut des seit 2004 in der Europäischen Union zugelassenen Maises ist so verändert, dass die Pflanzen ständig ein Schädlingsgift produzieren. Während Monsanto argumentiert, dass deswegen keine Pestizide auf Feldern mit MON 810 versprüht werden müssen, fürchten Kritiker weitreichende Folgen.Dabei geht es um eine bestimmte Sorte des Konzerns Monsanto, den genveränderten Mais MON 810, der seit 1998 in der Europäischen Union für den kommerziellen Anbau zugelassen ist. Ein Verbot ist über eine Klausel im EU-Recht denkbar. Offen ist aber, ob Monsanto dagegen klagen wird.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Die neue Bundesagrarministerin Ilse Aigner

In den Mais ist ein Gen gegen den Schädling Maiszünsler - einen Schmetterling - eingebaut. Aigner hatte Studien des Bundesamts für Naturschutz, des bundeseigenen Julius-Kühn-Instituts und der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft über mögliche Umweltfolgen geprüft. Ihr lag auch ein Bericht von Monsanto vor, in dem der Gentechnik-Konzern aber keinerlei Grund für ein Verbot sieht.

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Der Druck aus Bayern, den Genmais-Anbau zu verbieten, war zuletzt größer geworden. Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) will Deutschland zu einer “gentechnikanbaufreien Zone“ machen.

Umweltverbände, Grüne und Linke fordern seit langem ein Anbauverbot, weil sie Folgen für Tiere und Pflanzen befürchten. Befürworter warnen vor einer Abwanderung von Forschungsunternehmen.

dpa/AP

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