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CSU-Granden unter sich: (v.l.) Waigel, Seehofer und Stoiber.

Seehofer würdigt Waigel zum 70. Geburtstag

München - Kurz vor ein Uhr rollten sie an, die riesigen Audis und BMWs, mit bayerischen Kennzeichen wie „TS“, „DGF“, „DON“ und sogar einigen „B“s mit langer Anreise aus der Hauptstadt: Theo Waigel feierte am 22. April seinen 70. Geburtstag.

Aus diesem Anlass lud die CSU gestern zu einem Empfang auf Schloss Nymphenburg. Die Urgesteine der CSU wie Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Günther Beckstein, Josef Miller und Otto Wiesheu gaben sich genauso die Ehre wie der Nachwuchs, etwa Alexander Dobrindt und Dorothee Bär.

Der CSU-Empfang zu Theo Waigels 70. Geburtstag

CSU-Empfang zum 70. Geburtstag von Theo Waigel

Nach einem Sektempfang im Foyer des rechten Schloss-traktes lockten die vier Blechbläser von „esBRASSivo“ mit Händels „Einzug der Königin von Saba“ in den Hubertussaal. Dirigiert wurde von keinem Geringeren als dem Münchner Philharmoniker Bob Ross. Der quirlige Schotte war bei bester Laune und amüsierte mit komödiantischen Einlagen. Dann lag es nach einer Begrüßung im Saal durch den neuen Generalsekretär Alexander Dobrindt an Horst Seehofer, die Festrede zu halten. In höchsten Tönen ließ der Ministerpräsident das Leben des Jubilars Revue passieren und lobte Waigels „bewundernswertes Lebenswerk für Bayern, Deutschland, Europa und die CSU“.

Seehofer erzählte von Tipps, die er als junger Politiker von Waigel bekommen habe, und von „legendären Kreuther Kaminabenden“. Weiter huldigte er den großen politischen Verdiensten des ehemaligen Finanzministers sowie Waigels Rolle bei der Wiedervereinigung, als er den Abzug der roten Armee aus der DDR möglich gemacht und anschließend einen strikten und richtigen Haushaltsplan eingehalten habe. Natürlich sprach Seehofer auch vom „Mister Euro“ und vom 3. Oktober 1988, dem Todestag von Franz Josef Strauß. In dieser Zeit habe Waigel eine „Herkulesaufgabe“ bewältigt.

Dann kam das Geburtstagsgeschenk: „Theo, ich weiß ja, du bist allem Materiellem abgeneigt“, begann Seehofer. „Deswegen würde es mich sehr freuen, dich beim nächsten ordentlichen Parteitag als zweiten Ehrenvorsitzenden vorzuschlagen!“ Die Position würde sich Waigel dann künftig mit Edmund Stoiber teilen. Diese Überraschung war aber längst nicht der Höhepunkt des Nachmittages. Jetzt betrat das Geburtstagskind selbst die Bühne und legte in lockerleichter Stimmung los. „Die Familie ächzt und stöhnt“, fing Waigel an. Sie könne die Anekdoten über ihn nicht mehr hören. „Der Waigel geht allen auf den Wecker“, witzelte er. Seehofer dürfe indes die alten Geschichten auspacken: „Heute kannst du einmal hemmungslos gut über einen Parteifreund reden“, sagte er schmunzelnd zu Seehofer. Die 1,5 Millionen Russen, stichelt Waigel weiter, habe er mit 12 Milliarden D-Mark zum Abzug aus der DDR bewegen können. „Also ungefähr soviel Geld, wie ihr für die Rettung der Landesbank gebraucht habt.“

Nach einigen weiteren Lachern – auch der Glückwunsch-Anruf von Oskar Lafontaine wurde humoristisch ausgeschlachtet – wurde es bewegend: Waigel erzählte, wie ihm der letzte Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen den Schlüssel von Karlshorst überreicht hatte und die Soldaten plötzlich zum Gesang angestimmt hatten: „Deutschland, wir reichen dir die Hand und kehren zurück ins Heimatland. Auf Frieden, Freude und Vertrauen wollen wir unsre Zukunft bauen.“ Waigel: „Was hätte mein Vater, was hätte mein Bruder, der mit 18 Jahren in Lothringen fiel, gegeben, um diese Melodie statt dem Donnern der Kanonen zu hören?“ Dem „Gemecker“ der EU-Kritiker wolle er vor Augen führen, in welch wunderbarer Zeit wir eigentlich leben. Das System der EU sei Vorbild für Regionen in der ganzen Welt. Nach den Reden fand man sich im Orangeriesaal des Schlosses bei Weißweinschorle und Häppchen ein. Dann fuhren sie wieder ab, die Limousinen, sei es Richtung Staatskanzlei oder wieder zurück nach Berlin.

Von Dennis Mehmet Yücel

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