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Skeptisch in Sachen Gen-Kartoffeln: Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und Umweltminister Markus Söder:

CSU streitet über Amflora-Kartoffel

München - Nach dem Ja von Bundesagrarministerin Ilse Aigner zu Genkartoffel-Versuchen in Deutschland sind in der CSU offene Meinungsverschiedenheiten zu Tage getreten.

Bayerns Umweltminister Markus Söder kritisierte seine Berliner Parteifreundin am Montag: “Ich bin sehr enttäuscht. Es ist das falsche Signal.“ Ministerpräsident Horst Seehofer reagierte sehr zurückhaltend: “Das ist eine Entscheidung, die allein die Bundeslandwirtschaftsministerin zu fällen hat“, sagte der CSU-Chef. “Das kann ich nicht kommentieren.“

Der Forschungsexperte der Unionsfraktion im Bundestag und bayerische JU-Chef Stefan Müller dagegen begrüßte Aigners Entscheidung. Unterdessen säte der US-Konzern im unterfränkischen Düllstadt Genmais für die diesjährigen Versuche aus.

Die Opposition warf der CSU Unglaubwürdigkeit beim Thema Agrar-Gentechnik vor. SPD- Landtagsfraktionschef Franz Maget nannte Seehofer einen “unzuverlässigen Schaumschläger und Wendehals“. Vor wenigen Tagen habe sich Seehofer noch als Kämpfer gegen die Gentechnik ausgegeben, jetzt genehmige die CSU-Ministerin Aigner die Amflora-Genkartoffel des Chemiekonzerns BASF.

Grünen-Fraktionschef Sepp Daxenberger warf der CSU einen “Zick-Zack-Kurs in Sachen Agro-Gentechnik“ vor.

Gentechnisch veränderte Kartoffeln der Sorte "Amflora".

Seehofer betonte, er habe keinerlei Druck auf Aigner ausgeübt, die Amflora-Versuche zu verbieten. In der CSU gibt es keine einheitliche Meinung zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Umweltminister Söder hat sich als Skeptiker profiliert. Seehofer hatte nach Angaben von Parteifreunden auch in Sachen Amflora zunächst durchaus Druck auf Aigner ausgeübt, sich dann aber für die Agrar-Genforschung ausgesprochen. Seehofer selbst sagt, er habe keinen Druck auf Aigner ausgeübt.

In der CDU und auch der Berliner CSU-Landesgruppe dagegen gibt es viele Stimmen, die vor Schaden für den Forschungsstandort Deutschland warnen.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Forschungsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Müller begrüßte Aigners Ja zur Amflora- Kartoffel. Das sei eine Entscheidung für den Forschungsstandort Deutschland, sagte der bayerische JU-Chef der dpa. “Die grüne Gentechnik könnte eine Zukunfts-Technologie sein. Wir müssen, wenn sich Chancen bieten, diese auch nutzen.“ Deutschland sei auf Forschung, Entwicklung und Innovationen angewiesen, um den Wohlstand zu sichern und das Wachstum aufrecht zu erhalten. Die CSU sei “immer die Partei des technologischen Fortschritts gewesen und nicht nur eine Partei der Technikfolgenabschätzung.“

Der niederbayerische CSU-Bezirkschef und Europaabgeordnete Manfred Weber sagte, die CSU habe eine klare Linie: “Forschung ja, kommerzieller Anbau nein.“ Verbraucher und Landwirte wollten keine Gentechnik auf ihrem Essenstisch. “Die Gen-Forschung ist aber ein wichtiger Faktor für den Forschungsstandort Deutschland. Deshalb muss sie auch verantwortlich fortgesetzt werden“, sagte Weber.

“Anbau zu Forschungszwecken soll es weiter geben, denkbar wäre aber, diesen ähnlich wie in Israel in Glashäuser zu verlegen“, sagte Bayerns Agraminister Helmut Brunner (CSU) dem “Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“ (Dienstag).

Grünen-Fraktionschef Daxenberger warf der CSU vor, sich auf dem Feld der grünen Gentechnik “disqualifiziert“ zu haben. “Söder und Seehofer täuschen die Menschen gewaltig, wenn sie das gentechnikfreie Bayern ausrufen.“

Der CSU-Europapolitiker Weber warf seinerseits den Grünen vor, völlig unglaubwürdig zu sein, da zu rot-grünen Zeiten auch die frühere Grünen-Agrarministerin Renate Künast Genversuche zugelassen hatte.

dpa

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