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Theo Waigel wird heute 70.

Theo Waigel: Der Vater des Euro feiert 70. Geburtstag

München - Theo Waigel feiert heute seinen  70. Geburtstag am  im Allgäu. Sein Wunsch: “Ich hoffe, dass ich mich voll meiner Familie widmen kann.“ Aber im Augenblick macht ihm Siemens viel Arbeit.

Soeben hat der ehemalige Bundesfinanzminister als oberster Korruptionswächter bei dem Konzern der US-Börsenaufsicht seinen Arbeitsplan geschickt, und bis Jahresende muss er seinen ersten Bericht abliefern. “Das bedeutet sehr viel Einsatz“, von München bis China und Südamerika. “Für einen 70-Jährigen bin ich noch ganz schön unterwegs“, sagt Waigel und lacht.

Bis 1998 war er zehn Jahre lang CSU-Chef und Bundesfinanzminister, hat den Euro maßgeblich mitgestaltet und die CSU nach dem Tod von Franz Josef Strauß und der deutschen Wiedervereinigung in der Spur gehalten. Aber auch in den zehn Jahren seither sei es ihm keine Sekunde langweilig gewesen, sagt der promovierte Jurist und Anwalt: “Ich habe bewiesen, dass ich mich in der freien Wildbahn bewegen kann, privat und beruflich. Auch ohne Chauffeur.“ Was das schönste am Pensionärsdasein ist? “Die innere Gelassenheit“, sagt Waigel. “Die Dinge zu verfolgen und zu wissen: Ich muss nicht mehr jeden Tag alles ändern. Ich kann die Dinge nehmen, wie sie sind.“

Für “Rat der Alten“

Aber manchmal drängt es ihn doch zu einem Zwischenruf. Kürzlich schlug er vor, Bundespräsident oder Bundeskanzlerin sollten ein Dutzend alter Staatsmänner in einen “Rat der Alten“ berufen und zwei Mal jährlich zu einem grundlegenden Thema anhören. “Ich meine, dass wir den Rat der Älteren in Deutschland zu wenig abfragen.“ Der Bundespräsident habe gesagt, gute Idee, das werde er aufgreifen, sagt Waigel. Aber ein junger CSU-Politiker spottete über den Vorschlag des “Hinterbänklers“. “Also dem rate ich mal, kräftig zu strampeln“, und “wenn er dann am Ende seiner Tage wie ich 16 Jahre in der ersten Reihe sitzt, dann kann er mit seinem Leben zufrieden sein“, reagiert Waigel gereizt. “Ich sag' nicht oft was. Aber wenn ich was sage, halte ich's für richtig und für wichtig, und das lass' ich mir auch von niemand bestreiten!“

Rivale Stoibers und Förderer Seehofers

Zum Geburtstag gibt CSU-Chef Horst Seehofer einen Empfang mit mehreren hundert Freunden und Weggefährten auf Schloss Nymphenburg für Waigel. Auf dem nächsten Parteitag soll er zum CSU-Ehrenvorsitzenden gewählt werden - der andere Ehrenvorsitzende, sein alter Rivale Edmund Stoiber, sei auch dafür, hatte Seehofer betont. Der Seehofer sei ihm schon als junger Abgeordneter aufgefallen, sagt Waigel. Nach Helmut Kohls Wahl zum Kanzler 1982 wurde Waigel CSU-Landesgruppenchef und nach Strauß' Tod 1988 CSU-Chef und Bundesfinanzminister. Seehofer habe sich sehr schnell in die Sozialpolitik eingearbeitet und immer gute Beiträge geliefert. “Und das war auch der Grund, warum ich ihn sehr rasch, auch an ein paar anderen vorbei, 1989 als Staatsekretär und dann zwei Jahr später als Minister vorgeschlagen habe“, sagt Waigel.

Wegen der Rekordschulden im Zuge der Wiedervereinigung wurde Waigel als “Herr der Löcher“ kritisiert. Den Machtkampf um die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl 1993 verlor er gegen Stoiber. Heute hätten sie “ein ganz normales Verhältnis“, sagt Waigel. Stoiber habe seine Meriten als Ministerpräsident und Parteichef. “Ich freu' mich auch, dass er jetzt sagt: 'Ich bin ein spätberufener Europäer, der Euro ist richtig.' Es hätte mich gefreut, wenn er das vor elf Jahren schon in der Form gesagt hätte“, fügt Waigel hinzu. Die Entscheidung für den Euro “auch gegen die Skepsis von Edmund Stoiber war richtig“.

“Euro“ war sein Namensvorschlag

Auf den Euro ist Waigel stolz. Angesichts der jetzigen Finanzkrise “war ganz sicher der Euro das wichtigste für Deutschland und Europa gewesen, weil wir auf diese Weise nicht zum Spielball der Finanzmärkte und Spekulanten geworden sind“. Der Name der europäischen Währung war sein Vorschlag, auf dem EU-Gipfel 1995 in Madrid - ein Kompromiss, weil alle Vorschläge anderer EU-Staaten von Ecu bis Franken blockiert wurden. Euro sei klar, kurz, werde überall gleich geschrieben und fast gleich ausgesprochen - “der Vorschlag war einfach genial“, findet Waigel auch heute noch.

In seiner Heimat haben sie für ihn “ein paar nette Sachen“ zum 70. Geburtstag vorbereitet, wie Waigel sagt. Im schwäbischen Dorf Ursberg, wo er am 22. April 1939 als Sohn eines Maurers und Nebenerwerbsbauern geboren wurde, wird er ebenso gefeiert werden wie in Seeg, wo er mit seiner zweiten Frau Irene Epple-Waigel und dem 13-jährigen Sohn Konstantin lebt. Das Kloster Roggenburg, wo Waigel bei der Sanierung hilft, zeigt eine Karikaturenausstellung unter dem Titel “Die Augenbraue“. “Ich liebe Karikaturen und Kabarett“, sagt der Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst und lacht. Natürlich wolle er die Welt noch verbessern, “aber schon mit einem Stück Distanz. Und wenn man das gesund an Leib und Leben tun kann, dann ist das eine große Gnade.“

Von Roland Losch/AP

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