Wirtschaftskrise: Expertin schließt soziale Unruhen nicht aus

Berlin - Die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger schließt soziale Unruhen in Deutschland aufgrund der wirtschaftlichen Krise nicht aus.

Wenn es wieder fünf Millionen Arbeitslose gebe und keine Konzepte zur Integration dieser Menschen in die Gesellschaft, wolle sie “dieses Risiko nicht kleinreden“, sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) am Montag.

Zugleich kritisierte sie, die von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramm vernachlässigten die Weiterqualifizierung von Arbeitnehmern. Denn Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte hätten es beim Einstieg ins Erwerbsleben nach wie vor besonders schwer.

Nach einer jüngsten WZB-Studie konnten beide Gruppen in den Jahren 2002 bis 2007 nicht von dem konjunkturellen Aufschwung profitieren. Dagegen hätten sich die Einstiegschancen vor allem ostdeutscher und älterer Erwerbsloser verbessert. Ostdeutsche hätten zuletzt nahezu die gleichen Chancen gehabt, einen Arbeitsplatz zu finden, wie Westdeutsche. Diese Errungenschaften müssten in der Krise gesichert werden, sagte Allmendinger.

Sie plädierte dafür, alles zu tun, um Menschen in Arbeit zu halten. Es sei erwiesen, dass Menschen mit Arbeit im Leben besser zurechtkämen also ohne.

Die Expertin sprach sich für die derzeit diskutierte Verlängerung des Kurzarbeitergeldes aus, forderte aber gleichzeitig “vernünftige Weiterbildungskonzepte“. Der Arbeitsmarkt brauche - vor allem im Dienstleistungssektor - künftig hoch qualifizierte Mitarbeiter.

Gerade auch für junge Menschen mit Hauptschul- und Realschulabschluss sehe die Situation momentan “ganz schlimm“ aus, sagte Allmendinger. “Wir müssen hier dringend ansetzen mit mehr Qualifikation.“

Die besten Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt haben nach dem Ergebnis der Studie Menschen im Alter zwischen 26 und 35 Jahren, Westdeutsche, Hochgebildete und Menschen, die nur kurze Zeit arbeitslos sind.

Laut WZB-Studie haben rund 45 Prozent der zwischen 2002 und 2007 neu aufgenommenen Erwerbstätigkeiten einen unbefristeten Vertrag zur Grundlage, rund 33 Prozent einen befristeten. Die restlichen Neueinsteiger in den Arbeitsmarkt hatten keinen Vertrag oder gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach. Rund zwölf Prozent nahmen im Untersuchungszeitraum eine Arbeit bei einer Zeitarbeitsfirma auf.

Das WZB erstellte die Studie im Auftrag der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Dazu wurden insgesamt rund 3000 Menschen - zum Teil wiederholt - befragt.

dpa

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