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Horst Seehofer und Christine Haderthauer warten in Nürnberg auf den Beginn der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause.

Daumen noch nicht gesenkt

Rückhalt für Christine Haderthauer sinkt

München - Staatskanzleichefin Christine Haderthauer steckt tief in der Modellauto-Krise. Der Rückhalt in der CSU ist gesunken, ihr Krisenmanagement gilt vielen als missglückt. Doch den Daumen gesenkt hat die Partei bisher nicht.

Nach zwei schweren Wochen der Modellauto-Krise hat Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) im Urlaub nun Zeit zum Nachdenken. Seit der vergangenen Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen Betrugsverdachts gegen sie, beinahe täglich finden sich Anschuldigungen ihres ehemaligen Geschäftspartners bei der Firma Sapor Modelltechnik in den Medien.

Am Donnerstag veröffentlichte das Bayerische Fernsehen vorab ein Interview mit ihren beiden Ex-Geschäftspartnern Friedrich Sager und Roger Ponton. Die widersprechen Haderthauers Aussage, das Unternehmen sei ein von Idealismus getragenes Engagement gewesen. Stattdessen handelte es sich nach den Aussagen der beiden um eine gewinnorientierte Firma: „Es ging nur darum, möglichst schnell die Fahrzeuge fertigzustellen und sie zu verkaufen, dass die Investitionen wieder zurückkommen und dass Geld verdient wird“, sagt Sager dem Sender.

Schon vorher galt Haderthauers Krisenmanagement vielen CSU-Leuten als missglückt. Derartige Interviews befeuern die Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit, auch wenn die Vorgänge mehr als 20 Jahre zurückliegen und zumindest Ponton eigene finanzielle Interessen verfolgt.

Gebaut wurden die Modellauos von psychisch kranken Straftätern im Maßregelvollzug unter Federführung eines Dreifachmörders. Haderthauers Verteidigungslinie, Sapor Modelltechnik sei eine Art soziales Projekt gewesen, stößt auf verbreitete Kritik in der CSU. „Das glaubt doch kein Mensch“, sagt ein Parteifreund, andere äußern sich ähnlich.

Wer CSU-Leute in diesen Tagen nach ihren Einschätzungen fragt, bekommt keine einheitlichen Antworten. Die Spannbreite der Reaktionen ist groß: Manche CSU-ler halten die Angelegenheit für ein aufgeblasenes Sommerloch-Thema, andere Haderthauers Rücktritt für unausweichlich. Die Abgeordneten der CSU sind bislang jedenfalls nicht mit einer Flut besorgter Mails von der Basis konfrontiert.

Klar wird bei Gesprächen und Telefonaten zweierlei: Die Staatskanzleichefin hat an Rückhalt verloren. Doch das bedeutet nicht, dass das Damoklesschwert nur noch Millimeter über Haderthauers Haupt hängen würde. Denn nach derzeitigem Stand gilt der Fall noch nicht als große Belastung für die gesamte Partei. „Ich glaube, dass das Feuer sich löschen lässt“, sagt ein CSU-Mann. „Das ist kein Flammenherd im Herz der CSU.“

Seit Ministerpräsident Horst Seehofer Haderthauer nach der letzten Kabinettssitzung am Dienstag aufforderte, besser den Staatsanwälten Auskunft zu geben als öffentlich zu diskutieren, hat die Staatskanzleichefin sich nicht mehr öffentlich geäußert. Ihr bis dato letzter Beitrag zu dem Thema: „Es ist tatsächlich ungeheuerlich was man jeden Tag so über sich erfährt! Nein, ich bin niemals mit Herrn R.S. essen gewesen“, schrieb sie am Dienstag auf Facebook.

R.S. ist der Dreifachmörder, der die Modellautos hauptsächlich baute, und nach einem Medienbericht sollen die Haderthauers ihn 50 Mal zum Essen ausgeführt haben. Die Quelle: Haderthauer-Gegner Ponton, der sich betrogen fühlt und nun nachträglich eine höhere Abfindung herausholen will als die 20 000 Euro, die die Haderthauers ihm zahlten.

Klüger wäre es gewesen, hätte Haderthauer das Modellauto-Projekt nicht so vehement verteidigt, sondern alles offen gelegt und sich reumütig von ihrer einstigen Firma distanziert, finden mehrere CSU-Politiker.

Ein prominentes Vorbild erfolgreichen Krisenmanagements gibt es in der CSU: Im Februar 1993 gestand Edmund Stoiber auf dem Höhepunkt der “Amigo“-Affäre Privatflüge auf Kosten des Rüstungskonzerns MBB. „Heute würde ich das sicherlich anders machen“, bekundete der damalige Innenminister. Das Resultat der Beichte: eine Empörungswelle - doch wenige Monate später wurde Stoiber Ministerpräsident.

dpa

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